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Kommentar Corona beschleunigt den Wandel der Energiebranche

Corona verändert die Vorzeichen in der Energiewelt. Die Chance auf eine Wende zur Rettung des Weltklimas muss jetzt genutzt werden.
25.06.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Krise als Chance: Erneuerbare Energien profitieren von der Pandemie Quelle: dpa
Windräder hinter einer Solaranlage in Schleswig-Holstein

Krise als Chance: Erneuerbare Energien profitieren von der Pandemie

(Foto: dpa)

Düsseldorf Niedrige Ölpreise, günstiges Gas, billige Kohle und ein gesunkener CO2-Preis. Die Logik des Marktes spricht im Moment eine deutliche Sprache für die Nutzung der alten, fossilen Energien. Und das inmitten einer herandonnernden globalen Rezession.

Berechtigterweise fürchten deswegen viele Experten, dass die Gesundheits- und Wirtschaftskrise ein anderes drängendes Problem wieder in den Hintergrund stellt: die Klimakrise.

Aber das ist nicht die Realität. Gerade jetzt zeigt sich, dass vielerorts genau das Gegenteil passiert. In Großbritannien stellt sich Londons Bürgermeister Shadiq Khan inmitten der schlimmsten Pandemie der vergangenen Jahre hin und verspricht Englands Hauptstadt zur größten autofreien Innenstadt der Welt zu machen.

Die Mehrheit der Europäischen Union spricht sich für eine Stärkung des European Green Deal und für Investitionen in erneuerbare Energien nach der Coronakrise aus.

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    Sogar die Bundesregierung berücksichtigt in ihrem milliardenschweren Konjunkturpaket überraschend viele nachhaltige Zukunftssektoren, um die heimische Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen.

    Das mit Sicherheit überraschendste Signal ist die Prämie für Elektroautos, während die Verbrenner leer ausgehen. Kanada geht einen noch radikaleren Weg: Staatliche Hilfen gibt es hier nur gegen Klimaauflagen.

    Umbau zur Green Economy

    Mitten in der Coronakrise verändert sich die Welt der Energie. Viel spricht dafür, dass wir den Anfang vom Umbau zur Green Economy erleben und dies eine anhaltende Entwicklung sein wird. Sicher: Unternehmen müssen jetzt erst einmal jeden Cent für Investitionen zweimal umdrehen.

    Aber was für die Digitalisierung gilt, gilt ebenso für Nachhaltigkeit: Es sind starke Zukunftstrends, die Firmen nun mitgestalten müssen, weil sie immer zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor werden.

    Die Börse weiß dies bereits: In den zurückliegenden zehn Jahren haben Investoren mit Aktien grüner Unternehmen im Schnitt mehr verdient, als wenn sie das Geld in Öl- und Gaskonzerne gesteckt hätten. Das zeigt eine aktuelle Studie des Londoner Imperial College und der Internationalen Energieagentur (IEA).

    Die vergangenen drei, vier Monate machen es noch deutlicher: Investoren, die von der gewinnverwöhnten Ölbranche bis auf ein paar Ausnahmen schwindelerregende Dividenden gewohnt sind, gucken auf einmal in die Röhre.

    Wer sein Geld seit dem Frackingboom in den Vereinigten Staaten in unzählige Shale-Ölunternehmen gesteckt hat, der könnte sogar langfristig den Kürzeren ziehen. In der von US-Präsident Donald Trump gepamperten Branche steht eine große Anzahl neureicher Rohstoffinvestoren vor der Insolvenz.

    Währenddessen läuft das Geschäft für Wind- und Solarkonzerne fast ohne harte Einschnitte ungehindert weiter. Auch die Erneuerbaren werden von Corona gebremst. Die IEA rechnet mit einem Rückgang von bis zu zehn Prozent, allein im Energiesektor. Aber die strukturellen Veränderungen hin zu mehr Investments in grüne Energieformen sind unverkennbar.

    Konzerne pochen auf Klimaziele

    Der CO2-Preis im europäischen Emissionshandel ist zwar mit dem Anfang der Krise rapide gefallen, von 24 Euro pro Tonne CO2 auf zwischenzeitlich 16 Euro pro Tonne Mitte April. Aber mit der wiederauflebenden Wirtschaft und dem erneut einsetzenden gesellschaftlichen Leben vieler europäischer Staaten ist auch der CO2-Preis wieder auf mehr als 20 Euro je Tonne gestiegen.

    Dazu kommen die sinkenden Kosten für erneuerbare Energien. In manchen Teilen der Welt ist Photovoltaik mit zwei Cent die Kilowattstunde schon heute die günstigste Energiequelle.

    Und auch bei Windanlagen an Land und auf See sehen Experten noch massives Einsparpotenzial. Alles in allem zeigt sich: Erneuerbare Energien rechnen sich.

    Investitionen in nachhaltige Technologien werden deswegen auch nicht mehr nur von Idealisten und pensionierten Ökoaktivisten betrieben, sondern von gewinnsuchenden Kapitalgebern und milliardenschweren Hedgefonds. Der Druck auf die Unternehmen wächst.

    Wenn selbst Schwergewichte unter den globalen Investoren fordern, das globale Kapital vermehrt in umweltfreundliche Anlagen zu stecken, dann hat sich etwas Richtungsweisendes verändert.

    Selbst in der Krise haben Firmen wie Ikea oder Intel ambitioniertere Klimaziele gefordert. Technologie-Giganten wie Microsoft, Google und Co. treiben das Thema ebenfalls voran. Es darf nur nicht bei losen Versprechungen bleiben. Das wäre nicht nur bedauernswert für die Entwicklung des Weltklimas, sondern auch für die Wirtschaft.

    Die Öl- und Gasbranche wird durch Corona dauerhaft beeinträchtigt, die erneuerbaren Energien und die gesamte Nachhaltigkeit hingegen werden gewinnen. Die Chance auf eine grüne Wende ist trotz Corona greifbar – wir sollten sie nicht verpassen.

    Mehr: Neue EU-Klimaziele 2030 sind laut Studie nur mit großer Mühe machbar

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