Kommentar: Das Aus für den BMW „i3“ ist am Ende ein erfolgreiches Scheitern
Der i3 und seine Karbonkarosserie müssen neueren Modellen weichen. Doch durch die Technik hat BMW sich einen Vorsprung erarbeitet.
Foto: dpaEs kommt, wie es kommen musste. BMW wird die Produktion des „i3“ ab Sommer 2022 einstellen. Das Auto, mit dem BMW vor zehn Jahren die „Revolution im Autobau“ ausrief, hat die Erwartungen nie erfüllt. Das eigenwillige Design, die mäßige Reichweite, die hohen Kosten – ein Publikumsliebling war der kompakte Stromer nie. Und ohne die üppigen staatlichen Förderungen wäre das Ende schon viel früher gekommen.
Der „i3“ war ein mutiges Experiment, allerdings unter völlig falschen Annahmen. BMW wollte die damals noch geringe Batteriekapazität mit einer besonders leichten Karosserie kompensieren. Gemeinsam mit Großaktionärin Susanne Klatten kaufte sich der Konzern bei SGL Carbon ein.
Milliarden flossen in eine neue Produktionsstruktur. Im fernen Kalifornien wählte man einen anderen Weg. Tesla entwickelte einfach die Batterien weiter und steigerte die Reichweite so viel effizienter. Heute ist Elon Musks Unternehmen Marktführer bei Elektroautos, nicht BMW. Den Fehler kann man in München immer noch nicht offen eingestehen. Mittlerweile ist das Abenteuer Kohlefaser immerhin abgeschrieben.
Und dennoch ist BMW mit dem „i3“ erfolgreich gescheitert. Während der Volkswagen-Konzern zu lange am Diesel festhielt, sammelten die Münchener Erkenntnisse über die Elektromobilität. Dass Elektroautos ohne ausreichendes Ladenetz wenig Sinn ergeben, zum Beispiel. Oder, dass Batterien und andere Rohstoffe am Ende ihres Lebens recycelt werden müssen. Auch deshalb geht der Konzern jetzt voll in die Kreislaufwirtschaft. Auf der anderen Seite nennt man kein Datum für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor.
Das Rennen um die Elektromobilität hat gerade erst begonnen. In den kommenden Monaten schicken die Münchener mit dem gefälligen „i4“ und dem eigenwilligen „iX“ zwei neue E-Fahrzeuge auf den Markt, bis 2025 folgt rund ein Dutzend weiterer Modelle. Anders als die Konkurrenz hat BMW ausreichend Chips sowie eine sehr straff strukturierte Produktion. Und dank des „i3“ viele Fehler schon hinter sich.