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Kommentar Das sind die fünf dringendsten Aufgaben für den deutschen Mittelstand

Die Pandemie hat bei Mittelständlern und Familienunternehmen zur einer steilen Lernkurve geführt. 2021 müssen sie die Erkenntnisse zwingend umsetzen.
04.01.2021 - 17:04 Uhr Kommentieren
Der Wärme- und Kältespezialist hat zu Beginn der Krise zunächst Beatmungsgeräte produziert und nun auch hybride Luftreiniger, also solche, die die Luft nicht nur reinigen, sondern auch Frischluft zuführen, entwickelt. Das Gerät steht in einer Frankenberger Schule.
Luftreiniger mit Frischluftzufuhr von Viessmann

Der Wärme- und Kältespezialist hat zu Beginn der Krise zunächst Beatmungsgeräte produziert und nun auch hybride Luftreiniger, also solche, die die Luft nicht nur reinigen, sondern auch Frischluft zuführen, entwickelt. Das Gerät steht in einer Frankenberger Schule.

Noch nie hat sich in den Unternehmen so viel innerhalb eines Jahres geändert: Neues Arbeiten, Homeoffice, Prozessoptimierung und Nutzung der Cloud sind da noch die kleineren Umbrüche. Was noch wichtiger ist: Die meisten Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle ernsthaft hinterfragen.

Die Pandemie hat vielen Firmenlenkern schmerzvoll gezeigt, wo die Defizite liegen. Wer es zum Beispiel gut 20 Jahre nach der New-Economy-Welle immer noch nicht geschafft hat, einen direkten Zugang zu seinen Kunden zu bekommen, darf zu Recht an seiner Innovationsfähigkeit zweifeln. Denn die Corona-Pandemie hat genau an dieser Stelle gezeigt, wer seine Aufgabe verstanden hat und wer nicht.

Das fängt bei den ganz kleinen Unternehmen an. Wie zum Beispiel bei der Buchhändlerin, die bereits in den vergangenen Jahren verstärkt auf Events gesetzt und im ersten Lockdown den Kontakt zu den Lesern gepflegt und diese zuverlässig beliefert hat. Die Megatrends schnelle Lieferfähigkeit und individuelle Beratung vor Ort hat sie miteinander verbunden. In der wichtigen Vorweihnachtszeit konnte sie die eigenen Umsätze sogar steigern – trotz Amazon und bei einem wegen Corona erneut geschlossenen Geschäft.

Der Trend, der bei der Buchhändlerin beginnt, reicht bis zum Wärme- und Kältespezialisten Viessmann mit rund zwei Milliarden Euro Umsatz, vielen noch bekannt als Heizungshersteller. Das Unternehmen aus dem hessischen Allendorf hat in der ersten Welle der Pandemie eine seiner Produktionslinien auf Beatmungsgeräte umgestellt. Zum Herbst hin hat Viessmann einen Luftreiniger entwickelt, der Frischluftzufuhr etwa für Klassenräume ermöglicht.

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    Solche Veränderungen sind aber nur dann möglich, wenn wie bei Viessmann die Weichen für mehr Agilität im Unternehmen und Offenheit für neue Geschäftsmodelle schon vor Jahren gestellt worden sind und die großen Trends Nachhaltigkeit und Digitalisierung berücksichtigt werden. In der Pandemie zahlte es sich zum Beispiel aus, mit einer eigenen App die Mitarbeiter auch auf dem privaten Smartphone erreichen zu können.

    Kurzum: Es gibt reichlich Möglichkeiten, die Agilität des eigenen Unternehmens zu steigern – sofern Unternehmer bereit sind, Geschäftsmodelle zu verändern und auch Geld für diese Transformation in die Hand zu nehmen.

    Wie eine repräsentative Umfrage der DZ Bank unter deutschen Mittelständlern ergab, sind immerhin ein Fünftel der Unternehmen bereit, ihre Geschäftsmodelle wirklich zu hinterfragen. Sie investieren vor allem in Digitalisierung und Klimaschutz und sparen in diesen Bereichen auch nicht an Investitionen. Das herausfordernde Jahr 2021 bietet auch Chancen. Wer diese aber nicht konsequent umsetzt, den bestraft der Markt – nachhaltig. Konkret sind es fünf Maßnahmen, die nun zu den dringendsten Aufgaben in den deutschen mittelständischen Unternehmen gehören.

    1. Den Kunden wirklich kennen

    Erstens, die konsequente Konzentration auf den Kundennutzen und der direkte Kundenkontakt. Nur wer die Trends bei den Endverbrauchern antizipiert, weiß, in welche Richtungen er an seinem Geschäftsmodell arbeiten muss. Das sind eben die Nachhaltigkeit, ein Service, der den Namen auch verdient, und ein echtes Verständnis für die Bedürfnisse der Kunden. Die wollen echten Nutzen oder Hilfe – und nicht mehr bloß dankbare Abnehmer eines Produkts sein.

    2. Die Perspektive weiten

    Zweitens, den Blick weiten. Es genügt nicht, nur auf die direkten Konkurrenten zu schauen; man muss die globalen Trends, politischen Entwicklungen und neuen Kundenbedürfnisse mit ihren Auswirkungen auf das eigene Geschäftsmodell abgleichen. Dafür braucht es kluge Köpfe, die das eigene Unternehmen beraten, doch nur die wenigsten haben sich bislang entsprechende Expertise in ihre Aufsichtsgremien geholt. Nur wer über seine Branche hinausschaut, hat eine Chance, Entwicklungen rechtzeitig wahrzunehmen.

    3. Zusammenarbeit vorantreiben

    Das bedeutet drittens, den Mut zu Kooperationen zu erhöhen. Geheimniskrämerei gehört abgeschafft. Nur wer offen über Innovationen spricht, kann profitieren – und das gilt nicht nur für Kooperationen mit Start-ups, sondern auch und gerade für die Zusammenarbeit mit anderen Mittelständlern. Denn gemeinsam lassen sich Ressourcen und Gedanken mobilisieren.

    4. Transformation beschleunigen

    Viertens haben die Lockdowns gezeigt, dass zahlreiche Mittelständler ihren Veränderungsprozess beschleunigen müssen. Viele versuchen dies durch Kooperationen mit Start-ups. Doch auch hier gilt, es genügt nicht zu sagen: „Wir arbeiten mit denen zusammen“, oder: „Wir haben dieses oder jenes Start-up gekauft.“ Am Anfang muss vielmehr der Wille zum Lernen stehen – auf beiden Seiten. Das kann man am Beispiel der Kooperation der Schwarz-Gruppe („Lidl“, „Kaufland“) mit dem nachhaltigen Cloud-Anbieter Cloud & Heat beobachten. Beide arbeiten an Cloud-Lösungen für den Mittelstand, der seine Daten ungern den großen US-Cloud-Anbietern anvertraut.

    5. Herrschaftswissen abbauen

    Fünftens, die Mitarbeiter wirklich mitnehmen. Es erscheint offensichtlich, dass in vielen Unternehmen nicht nur die IT veraltet ist, sondern es auch versäumt wurde, die Mitarbeiter ausreichend und rechtzeitig zu schulen. Und zwar nicht nur, damit sie mit neuen Programmen oder Kommunikationstools arbeiten können, sondern auch, damit sie unternehmerischer denken, sonst ist der Kampf um die Zukunft ziemlich aussichtslos. Nur wenn sich jeder Mitarbeiter trauen kann, Verbesserungsvorschläge zu machen, nur wenn Herrschaftswissen und Hierarchien schwinden und die Transparenz zunimmt, steigt auch die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter, trotz Belastungen wie Homeschooling.

    Die Wirtschaft in der Pandemie und in der Ära danach gleicht einem unerforschten Land. Den unternehmerischen Pionieren, die es erkunden und besiedeln wollen, bietet es viele Gefahren – aber auch großartige Chancen für alle, die sich auf die Verhältnisse der neuen Welt einzustellen wissen.

    Mehr: Nach schweren Ertragseinbrüchen kann es für Unternehmen in den meisten Branchen nur besser werden. Das sorgt für gute Stimmung – aber nicht bei allen.

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