Morning Briefing: Mit der AfD sprechen? Jetzt lieber doch nicht
Familienunternehmer: Erneute Wende in Sachen AfD
Liebe Leserinnen und Leser,
es ist eine rabiate Vollbremsung mit anschließender Kehrtwende wie sie wohl nur mit Qualitäts-Fahrwerkskomponenten made in Germany zu machen ist – wenn überhaupt: Nach scharfer Kritik und dem Austritt von Mitgliedsunternehmen hat der Verband „Die Familienunternehmer“ seine gerade erst gelockerte Position zum Umgang mit der AfD erneut korrigiert.
Die Einladung von AfD-Abgeordneten zu einem Parlamentarischen Abend habe sich als Fehler herausgestellt, teilte die Präsidentin Marie-Christine Ostermann am Sonntagabend nach Gremiensitzungen ihres Verbandes mit:
Nun will sich der Verband „auch in den kommenden Landtagswahlen klar und sichtbar gegen die AfD positionieren“. Die Familienunternehmer hatten im Oktober zu einem Parlamentarischen Abend in der Niederlassung der Deutschen Bank in Berlin erstmals auch Vertreter der AfD eingeladen. Ostermann sagte seinerzeit dem Handelsblatt, das „Kontaktverbot“ zu AfD-Bundestagsabgeordneten sei aufgehoben worden.
Daraufhin traten die Unternehmen Rossmann, Vorwerk und Fritz-Kola aus dem Verband aus. Weitere Unternehmen wie Goldbeck und Melitta behielten sich einen solchen Schritt vor. Zahlreiche Unternehmer fragten sich jedoch im Hintergrund auch, wie denn der richtige Umgang mit der AfD aussehen solle. Darüber will die Verbandsspitze nun in den kommenden Wochen und Monaten mit den 6500 Mitgliedern diskutieren.
Telekom und Schwarz planen Gigafactory
Aus unerklärlichen Gründen hat sich für Investitionsvorhaben oberhalb einer gewissen Größenordnung seit einigen Jahren der Ausdruck „Gigafactory“ breitgemacht. Früher hätte man es wohl schlicht ein Großrechenzentrum genannt, was die Deutsche Telekom und die Schwarz-Gruppe („Lidl“) da nach Handelsblatt-Informationen gemeinsam bauen wollen.
Die beiden Unternehmen sprechen demnach derzeit miteinander, um sich für die von der EU geförderten Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI), Entschuldigung: für die „AI Gigafactories“ zu bewerben.
Der kanadische Finanzinvestor Brookfield könnte das Projekt als Geldgeber unterstützen, berichten Insider. Die Verhandlungen seien weit fortgeschritten, eine formelle Einigung stehe aber noch nicht fest.
Als „AI Gigafactory“ bezeichnet die EU ein Rechenzentrum mit 100.000 oder mehr KI-Spezialchips. Solche Anlagen sind geeignet, um Sprachmodelle zu trainieren, wie sie etwa die Grundlage für den Chatbot ChatGPT bilden. Die EU will den Bau von vier bis fünf solcher Großrechenzentren mit einer öffentlichen Förderung von bis zu 35 Prozent unterstützen.
Grüne wollen Premium-Flüge teurer machen
Flüge mit dem Privatjet sowie in der Frist- und Business-Class sollen nach dem Willen der Grünen teurer werden. „Mit Privatjets schädigen Superreiche das Klima und verantworten mit ihrem Luxus in besonderem Maße die Zerstörung unserer Erde“, heißt es in einem beim Bundesparteitag in Hannover verabschiedeten Antrag. Und:
„Die 50 reichsten Milliardäre emittieren im Schnitt in nur 90 Minuten – über Privatjets und Jachten – mehr CO₂ als ein durchschnittlicher Mensch im ganzen Leben.“
Die Grünen setzen sich deshalb für den Beitritt Deutschlands zu einer Initiative mehrerer Staaten ein, die sich für eine Extra-Abgabe auf Luxus-Flugreisen einsetzen. Zur „Premium Flyers Solidarity Coalition“ gehören unter anderem Frankreich, Spanien, Kenia und Barbados. Nach Angaben der „Premium Flyers Solidarity Coalition“ seien die Emissionen der privaten Luftfahrt zwischen 2019 und 2023 um 46 Prozent gestiegen.
Die Forderung passt zu dem generellen Kurs, den die Grünen auf ihrem Parteitag eingeschlagen haben: Entschlossener Klimaschutz – für dessen Kosten vor allem die oberen Einkommensklassen und Vermögende aufkommen sollen.
Rubios vage Bilanz
Die Bilanz von US-Außenminister Marco Rubio nach Gesprächen mit ukrainischen Unterhändlern in Florida blieb gestern vage. Die Gespräche seien „sehr produktiv“ gewesen. Es bleibe jedoch noch Arbeit, um den Krieg Russlands in der Ukraine zu beenden, sagt er vor Journalisten. Es gebe viele Unwägbarkeiten. Zudem müsse Russland einbezogen werden.
Die Gespräche würden im Laufe der Woche fortgesetzt, wenn der US-Unterhändler Steve Witkoff nach Moskau reise. Man sei bereits mit der russischen Seite in Kontakt und habe ein „ziemlich gutes Verständnis“ von deren Ansichten.
Aktien, die Ihr Geld wert sind
„Qualität hat nun einmal ihren Preis“ lautet eine ziemlich abgedroschene Verkäuferfloskel. Zumindest an der Börse trifft diese Floskel meistens zu: Bei sogenannten Qualitätsaktien handelt es sich um Papiere von Unternehmen mit:
- langfristig steigendem oder zumindest stabilem Gewinn
- einem hohen Cashflow aus dem Kerngeschäft
- einer höchstens moderaten Verschuldung
- und kontinuierlich steigender Dividende
Das Problem: Solche Aktien sind normalerweise hoch bewertet und damit teuer. Qualität hat nun einmal… Sie wissen schon.
Handelsblatt-Aktienexperte Ulf Sommer hat in Dax, Stoxx 50 und Dow Jones nach den wenigen Qualitätsaktien gesucht, die unterbewertet sind – deren Kursniveau derzeit also niedriger ist als im langfristigen Durchschnitt. Nur fünf Konzerne erfüllen diese Bedingung.
Einer davon ist Novo Nordisk. Mit der Abnehmspritze Wegovy war das Unternehmen stark gewachsen, bevor Konkurrenten mit ähnlichen Präparaten erfolgreich wurden. Massenentlassungen bei Novo Nordisk waren die Folge. Mit Vorlage der Bilanz zum dritten Quartal senkte der dänische Pharmakonzern erneut seine Umsatz- und Gewinnziele und kürzte die Investitionspläne.
Aber trotz aller Rückschläge steigert der Pharmakonzern seine Gewinne weiterhin – nur langsamer. Seit dem Rekordhoch vom Sommer vergangenen Jahres ist der Kurs um 70 Prozent gefallen. Das macht die einst sehr hoch bewertete Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,9 plötzlich preiswert. Der Zehnjahres-Durchschnitt liegt mit einem KGV von 23,4 fast doppelt so hoch. Keine andere Qualitätsaktie notiert gegenwärtig mit einem so hohen Bewertungsabschlag. Etwas für mutige Anlegerinnen und Anleger.
Gottschalk macht Krebserkrankung öffentlich
Moderator Thomas Gottschalk (75) hat eine Krebserkrankung öffentlich gemacht. „Ich glaube, es wird Zeit, dass wir die Karten auf den Tisch legen. Ich habe Krebs“, sagte er in einem Interview mit „Bild“, das er gemeinsam mit seiner Ehefrau Karina gab. Nach einer Operation müsse er bis heute starke Medikamente nehmen. Mit deren Nebenwirkungen erklärt Gottschalk, warum er zuletzt bei zwei Fernsehauftritten etwas derangiert gewirkt hatte:
„Mit diesen Tabletten fühle ich mich, als würde ich mit meinem Kopf in einer Waschmaschine stecken. Ich kannte mich so selbst nicht. Inzwischen weiß ich, das sind die Schmerzmittel.“
Wir wünschen Thomas Gottschalk gute Besserung – und allen Leserinnen und Lesern einen Wochenstart ohne vorschnelle Urteile.
Herzliche Grüße
Ihr
Christian Rickens
Textchef Handelsblatt