Kommentar: Den deutschen Banken fehlt ein konkurrenzfähiger Onlinebezahldienst
Das Onlineshopping wächst. Die Onlinebezahldienste der deutschen Banken spielen bisher kaum eine Rolle.
Foto: imago/imagebrokerFrankfurt. Die Branche der Zahlungsdienstleister boomt. Weltweit zahlen immer mehr Menschen statt mit Bargeld per Bank- und Kreditkarte oder per Smartphone. Der Onlinehandel befeuert diesen Trend noch.
Das sorgt für steigende Umsätze und Gewinne der Zahlungsdienstleister wie Wirecard, Adyen, Worldline und Global Payments. Sie alle wickeln im Auftrag von Händlern Zahlungen ab, online und an der Ladenkasse.
Die Folgen der Corona-Pandemie beschleunigen diese Entwicklung. Zwar sackten die Onlinebuchungen von Reisen und Flügen ab. Aber Kunden kauften weitaus mehr als zuvor im Internet. Und sie zahlen in Geschäften verstärkt per Karte oder Handy – in der Annahme, dass das hygienischer als die Bargeldnutzung ist.
Die klassischen Banken profitieren ebenfalls von dieser Entwicklung. Schließlich verdienen sie an jeder Kartenzahlung ein bisschen mit. Vor allem die deutschen Sparkassen sind über ein Gemeinschaftsunternehmen auch noch als Zahlungsdienstleister für Händler aktiv.
Doch obwohl der Zahlungsverkehr eigentlich eine Domäne der Geldhäuser sein sollte, haben sie einen großen Teil des Geschäfts mit dem Handel Spezialisten überlassen. Zum Beispiel Wirecard und Adyen, die eher IT-Unternehmen denn Finanzdienstleistern gleichen. Und sie legen rasant zu.
Eine ähnliche Situation droht den Banken im digitalen Zahlungsverkehr mit Privatkunden. Die deutschen Banken – ähnlich sieht es in einigen anderen Ländern aus – haben keinen eigenen Onlinebezahldienst, der es mit dem Schwergewicht Paypal aufnehmen könnte.
Derzeit versuchen die privaten und genossenschaftlichen Banken sowie die Sparkassen, ihre Zahlungsangebote zu bündeln. Bisher können ihre beiden Bezahldienste Paydirekt und Giropay mit Paypal überhaupt nicht mithalten. Das Projekt mit dem Titel #DK ist die letzte Chance für die deutschen Banken, sich einen wesentlichen Teil an dieser wachsenden Einnahmequelle zu sichern.
Das gilt auch für die europäische Initiative namens Epi, bei der Banken aus mehreren Ländern über ein neues gemeinsames Zahlungssystem nachdenken. Das würde Europas Banken und die gesamte europäische Kreditwirtschaft unabhängiger von US-Unternehmen wie den Kreditkartenfirmen Mastercard und Visa machen, über die laut der Bundesbank mehr als zwei Drittel der europäischen Kartentransaktionen laufen.
Dafür müssen die Geldhäuser investieren. Sie sollten es nicht versäumen, sonst werden sie im Zahlungsverkehr weiter abgehängt.