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KommentarDen Versicherern sind protzige Gewinne wichtiger als eine gute Kundenrendite

Die Finanzaufsicht warnt Lebensversicherer vor zu hohen Kosten und droht, Vorständen die Eignung zu entziehen. Ein nötiger Schritt, um den Verbraucherschutz zu erhöhen.Ozan Demircan 28.08.2024 - 13:52 Uhr
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Bafin-Versicherungsaufseherin Julia Wiens warnte mit drastischen Worten vor mangelndem Verbraucherschutz. Foto: Bafin

Mehmet Göker ist ein Name, den unter Versicherern niemand mehr hören möchte. Vor 15 Jahren verdiente der Versicherungsvertreter viele  Millionen Euro, bis sein Strukturvertrieb zusammenbrach, weil seine Kunden sich falsch beraten fühlten und ihre Policen kündigten. Die gesamte Branche, darunter Axa, Allianz und Alte Leipziger, die mit Göker zusammengearbeitet hatten, gab sich geläutert.

Der Wille des Wandels währte nicht lange. Auch wenn beide Sachverhalte nichts direkt miteinander zu tun haben. In dieser Woche gab es von der höchsten Versicherungsaufseherin des Landes erneut Kritik wegen hoher Provisionen und mutmaßlicher Falschberatung: Julia Wiens warnt mit drastischen Worten vor mangelndem Verbraucherschutz. Den Vorständen droht die Bafin damit, ihre Eignung gemäß Versicherungsaufsichtsgesetz infrage zu stellen.

Eine längst überfällige Warnung, die ihre Vorgänger, darunter Ex-Bafin-Präsident Felix Hufeld, ein ehemaliger Versicherungsmanager, sträflich ignoriert hatten. Der Fall ist offensichtlich: Versicherungskonzerne verdienen Milliarden. Doch die Kunden, die das Geld dafür investieren, spüren davon kaum etwas.

GDV-Schätzung

Versicherer senken Prognose – Kfz-Policen und PKV werden teurer

Ein Blick in die Bilanzen bestätigt diesen Eindruck. Einzelne Lebensversicherer berechnen allein für die Verwaltung der Verträge rund zehn Prozent der eingenommenen Beiträge. Hinzu kommen Abschlusskosten, zu denen auch Provisionen zählen. Die Ergo-Versicherung, Teil des Dax-Konzerns Munich Re, berechnete 2023 für 1,53 Milliarden Euro an Bruttobeiträgen rund 86 Millionen Euro an Aufwendungen. Damit fließen 5,7 Prozent der Versichertenbeiträge in die Verwaltung.

Bei sogenannten Indexpolicen, bei denen die klassische Lebensversicherung mit Aktieninvestments kombiniert wird, hatte bereits die Zeitschrift „Finanztest“ ein vernichtendes Urteil gefällt. Keine der zwölf getesteten Policen hatte aus Sicht der Tester eine zufriedenstellende Rendite. Beim Produkt des Marktführers Allianz lag die Rendite im Schnitt bei 1,64 Prozent und damit unter der aktuellen Inflation. Wenn Versicherer allen Ernstes glauben, solche Produkte mit gutem Gewissen verkaufen zu können, dann kommt Wiens’ Warnung gerade rechtzeitig.

Nichts gelernt aus den Fehlern

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Die Branche scheint aus ihren Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt zu haben. Die Gier, das Geld über einen offensiven Vertrieb erst einmal einzunehmen und dann nur tröpfchenweise an die Kunden auszuzahlen, muss ein Ende haben.

Jetzt müssen sich die Managerinnen und Manager der Branche überlegen, wie sie wirklich zur privaten Vorsorge der Menschen beitragen wollen. Erst mit diesem Bewusstsein sind Versicherungsvorstände für ihren Job geeignet – so schreibt es auch das Versicherungsaufsichtsgesetz vor, auf das sich die Bafin-Aufseherin bezieht.

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