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KommentarDer Autoindustrie fehlt der Mut zur Wahrheit

Die deutschen Hersteller kritisieren die Zölle der EU auf chinesische Elektroauto-Importe. Sie sollten sich lieber gegen die Regierung in Peking wenden.Roman Tyborski 09.11.2024 - 12:21 Uhr
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Chinesische E-Autos: viel Geld von der eigenen Regierung. Foto: Lars Penning/dpa

Es ist ziemlich billig, die Europäische Union für die Einführung von Ausgleichszöllen auf Importe chinesischer Elektroautos zu kritisieren. Vertreter der deutschen Autoindustrie wissen nur zu genau, dass sie trotz ihrer zum Teil sehr scharfen Kritik keine negativen Konsequenzen seitens der EU befürchten müssen.

Aber was würde wohl passieren, wenn Volkswagen, BMW und Mercedes tatsächlich mal die Wahrheit über China aussprächen? Also wenn sie kritisieren würden, was offensichtlich ist. Und zwar die milliardenschweren Subventionen, die chinesische Elektroautohersteller in China von China bekommen, um den Wettbewerb zu dominieren und die ausländische Konkurrenz wegzudrängen.

Nun, das wird wahrscheinlich ein Wunschdenken bleiben, solange es die deutschen Autohersteller gibt. Keines der Unternehmen hat den Mut, etwas gegen die nationalistische Industriepolitik der kommunistischen Diktatur zu sagen. Aber alle haben den Mut, die auf freiheitlichen und sozialmarktwirtschaftlichen Prinzipien beruhende EU für ihr Handeln gegen China zu rügen.

Dabei verstößt die Zentralregierung in der Volksrepublik mit ihren zahlreichen Stützungsmaßnahmen für chinesische Elektroautohersteller gegen die Richtlinien der Welthandelsorganisation (WHO).

Wenn Unternehmen aus freiheitlich-demokratischen Staaten nicht mehr den Mumm haben, Diktaturen für ihre diskriminierende Wirtschaftspolitik zu kritisieren, und stattdessen jedes industriepolitische Vorgehen der Regierungen ihrer Herkunftsländer angreifen, dann hat sich im wirtschaftspolitischen Diskurs etwas gewaltig verschoben. Es verwundert jedenfalls nicht, dass unter diesen Bedingungen das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der EU immer größer wird.

Klar ist: Ohne den chinesischen Markt kann die deutsche Autoindustrie aktuell nicht gewinnbringend agieren. Klar ist aber auch: Unter unfairen Wettbewerbsbedingungen kann sie es ebenfalls nicht. Das zeigen die derzeit in furchterregender Geschwindigkeit erodierenden Gewinne der deutschen Hersteller in China.

Es muss beides gehen: Kritik an China üben und gleichzeitig dort investiert bleiben und weiter investieren. Denn bei allem Risiko, das ein solches Verhalten birgt, ist China, wie jede Industrienation auf dieser Welt, auf Investitionen und Unternehmen aus dem Ausland angewiesen. Bei allen Problemen, die die deutschen Autohersteller aktuell in der Volksrepublik haben, sind sie nach wie vor ein wichtiger Arbeitgeber in China. Und wie im Leben gilt auch in der Wirtschaft: Nur wer wagt, gewinnt.

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Erstpublikation: 05.11.2024, 11:59 Uhr.

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