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Kommentar Der Handel hätte sich besser auf die Bonpflicht vorbereiten können

Die Händler hatten genügend Zeit, um sich auf das neue Gesetz einzustellen. Jetzt lamentieren sie, statt zu handeln. Dabei wären viele Probleme vermeidbar gewesen.
06.01.2020 - 16:25 Uhr 6 Kommentare
Seit Jahresbeginn muss zu jedem Einkauf ein Kassenbon gedruckt werden. Quelle: dpa
Kassenzettel

Seit Jahresbeginn muss zu jedem Einkauf ein Kassenbon gedruckt werden.

(Foto: dpa)

Auf den ersten Blick wirkt es wie eine wunderbare David-gegen-Goliath-Geschichte: der kleine Händler, der sich gegen den übermächtigen Staat und seine Bürokratie wehrt, der versucht, mit witzigen und kreativen Ideen zu entlarven, welchen Unsinn ihm die Behörden ohne Not aufbürden. So fordern jetzt Bäckereien mit Aushängen ihre Kunden dazu auf, die Kassenbons, die sie seit dem 1. Januar annehmen müssen, zu sammeln und bei ihrem örtlichen Finanzamt in den Briefkasten zu werfen.

In sozialen Medien wie Facebook gibt es für solche Aufrufe viele positive Kommentare. Da werden die armen Bäckereien bedauert, die jetzt für jedes Brötchen einen Zettel ausdrucken müssen. Da wird der Staat beschimpft für den Schildbürgerstreich der Bonpflicht.

In der Tat mutet es in Zeiten der Digitalisierung vorsintflutlich an, Verkäufe zusätzlich auf Papier zu dokumentieren. Pro Stunde wird dadurch eine 25-Meter-Fichte verbraucht, rechnet ein Handelsforschungsinstitut vor. Und plötzlich fällt allen auf, dass die Bons in der Regel auf umweltschädlichem Thermopapier gedruckt werden.

Aber zur Wahrheit gehört auch: Jedes Jahr entgehen dem Staat mehrere Milliarden Euro an Steuereinnahmen, weil betrügerische Händler, Handwerker oder Gastronomen zu wenig Umsatzsteuer abführen – auf Kosten der großen Mehrheit der ehrlichen Unternehmer. Und alles, was der Staat deshalb verlangt, ist, die Belegdrucker, die ohnehin vorhanden sind, verpflichtend einzusetzen – um damit wenigstens ein bisschen mehr Schutz gegen Betrug zu schaffen.

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    Was in der aufgeheizten Diskussion gerne übersehen wird: Das „Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen“, wie das Kassengesetz offiziell heißt, ist bereits Ende 2016 im Bundestag verabschiedet worden. Das heißt, seit mehr als drei Jahren weiß der Handel, dass die Bonpflicht auf ihn zukommt. Und genauso lange hätten sich die Unternehmen darauf vorbereiten können, die Folgen dieses Gesetzes im täglichen Geschäft zu minimieren.

    Man hätte beispielsweise rechtzeitig die Bondrucker von Thermopapier, das nur als Sondermüll entsorgt werden kann, auf umweltfreundlicheres Papier umstellen können. Damit wäre schon ein großer Aufreger aus der aktuellen Debatte hinfällig.

    Doch jetzt erst, wo massive Kritik dazu zwingt, fangen die ersten Händler mit der Umrüstung an. Unternehmen wie Edeka und Alnatura beispielsweise stellen jetzt auf den „Blue4est-Kassenbon“ um. Der wird aus Holz aus zertifiziert nachhaltiger Forstwirtschaft hergestellt und enthält keine chemischen Farbentwickler. Der Bon kann deshalb übers Altpapier entsorgt werden.

    E-Bon als Alternative zum Kassenzettel

    Noch besser wäre ein E-Bon, der in einer App auf dem Handy oder im Mail-Postfach landet. Doch die Einführung eines solchen Systems fordert Zeit und technischen Aufwand. Und es kostet Geld, das sich viele kleinere Mittelständler nicht leisten können Deshalb wäre es klug gewesen, die vergangenen drei Jahre zu nutzen, Branchenlösungen zu entwickeln, offene Systeme vor allem, die die Kosten für den einzelnen Händler überschaubar halten.

    Denn technisch machbar wäre das. Es gibt E-Bon-Verfahren, die alle Kriterien des Gesetzes erfüllen und als vollwertige Alternative zum ausgedruckten Papierbeleg von den Behörden anerkannt werden. Die Supermarktkette Rewe beispielsweise bietet einen solchen E-Bon an. Kunden brauchen dafür eine Payback-Karte und eine E-Mail-Adresse. Wenn sie bezahlt haben, erhalten sie statt eines Papierbons eine Mail mit dem Kassenzettel als Anhang.

    Nicht alle Kunden werden da mitspielen, etwa weil sie Bedenken wegen des Datenschutzes haben. Aber die könnten sich ja immer noch einen Bon drucken lassen.

    Selbst kleinere Bäckereien lassen sich darauf ein, statt lautstark gegen die Bonpflicht zu protestieren, E-Bon-Systeme zu testen, die von Start-ups entwickelt wurden. So ist in einigen Betrieben bereits die Lösung der Firma SimplyPOS im Einsatz. Statt der Ausgabe eines Papierbons wird dort auf einem Display ein QR-Code angezeigt. Wenn der Kunde diesen mit seinem Handy scannt, bekommt er den Beleg in digitaler Form.

    Die Wahrheit ist: Viele Händler hatten bis zuletzt blauäugig darauf gehofft, dass es für sie eine Ausnahmeregelung von der Bonpflicht geben wird. Und nun stimmen sie in das allgemeine Lamento über die Zumutungen der Bonpflicht ein, um über ihre eigene Untätigkeit hinwegzutäuschen.

    Dabei ist rasches Handeln geboten. Über die Bonpflicht kann man durchaus noch geteilter Meinung sein und kann sie zur Not sogar aussitzen. Aber das ist erst der Anfang: Ab September dieses Jahres muss jede Registrierkasse verpflichtend mit einer technischen Schutzeinrichtung (TSE) versehen sein, die ein Manipulieren der Kasse unmöglich macht.

    Dann erst wird dem Betrug wirksam der Riegel vorgeschoben. Ironie der Geschichte: Dann könnte der Staat die Krücke „Bonpflicht“ auch wieder abschaffen.

    Mehr: Die Bon-Pflicht soll Steuerhinterziehung eindämmen. Wirtschaftsverbände befürchten Bürokratie und Zusatzaufwand für die Betriebe.

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    6 Kommentare zu "Kommentar: Der Handel hätte sich besser auf die Bonpflicht vorbereiten können"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wenn Herr Scholz vom Bürger als potentiellen Betrüger spricht, dann verallgemeinert er unzulässig.
      Alle unselbstständig beschäftigten Zahlen für jeden verdienten Euro Lohn-, oder Einkommensteuer, die wird ohne Wenn und Aber abgezogen.
      Die Selbstständigen haben sich das doch selbst eingebrockt, vor allen Dingen in der Gastronomie,....
      Jetzt müssen die ehrlichen Unternehmer dafür die Zeche zahlen.
      Die Kritik gilt auch den Unternehmer Dachorganisationen die hätten frühzeitig eingreifen sollen, stattdessen haben sie blockiert wo es nur ging.
      Aus Gründen der Steuergerechtikeit, kann und darf der Staat derartigen Betrug in Milliarden höhe nicht dulden.
      Unternehmer haben auch so schon viele Möglichkeiten ihr Einkommen zu "gestalten".

    • Sehr geehrter Herr Kolf,

      Sie sind ein Eigengewächs des Handelsblattes und lamentieren hier ernsthaft über
      die furchtbare Steuerhinterziehung von den Bäckern und Imbissbuden. Ich frage
      mich wirklich so langsam, ob hier nur noch alle spinnen. Die CUM EX Mafia, die
      haben echt Steuern hinterzogen, weil der Gesetzgeber dämliche komplexe Steuergesetze
      verabschiedet. Ob die Händler es verpennt haben oder nicht, das ändert nichts daran, dass
      dieses Gesetz ökologisch eine weitere Verarschung des normalen Bürgers ist und unterstellt,
      dass der Bürger und der Staat in einer feindlichen Beziehung zueinander stehen, ursprünglich
      war er mal der Diener des Bürgers und der Interessenausgleich widerstrebender Interessen.
      ich kann nur sagen, wenn in einer Wirtschaftszeitung die Eigengewächse schon die Trompete der
      linksabdriftenden SPD spielen und der Bürger als "potentieller Betrüger " dargestellt wird, dann erinnere
      ich an Max Weber, der festgestellt hat, das das Imperium Rom an seine eigenen Bürokratie zu Grunde
      gegangen ist und wir sind auf einem perfekten Weg dazu.

    • Alle Handwerker, die ich kenne, machen was nebenbei. Aber: es sind meistens kleinere Aktionen, da die Handwerker auch ein Privatleben wünschen. Wie vor 30 Jahren, dass die Woche über für den Chef gearbeitet wurde, und dann jedes Wochenende schwarz; so ist das heute nicht mehr. Die Leute benötigen auch ein Privatleben und haben dort meistens ein altes Haus zu renovieren; evtl mit Mietwohnungen. Das bringt auf Dauer mehr, als wenn man sich von privaten Bauherren treiben läßt!

    • @ Hans Schönenberg

      Die außergewöhnliche Expansion etwa von Baumärkten im letzten Jahrzehnt bedeutet nicht, dass nun ein Großteil der Menschen zu begeisterten Hand- / Heimwerkern geworden ist, sondern ist vielmehr der Tatsache geschuldet, dass man sich einen (legalen) Profi aufgrund der horrenden Steuern und Abgaben an den Staat nicht mehr leisten kann und daher selber zur Tat schreitet (bzw. schreiten muss).
      Dadurch kommt die Arbeitsteilung in der Wirtschaft zunehmend unter die Räder.
      Wenn es überhaupt eine Steuer geben kann, die "gerecht" ist, dann ist das eine Steuer, die so niedrig angesetzt ist, dass sich ein Versuch, sie zu umgehen, gar nicht lohnt bzw. mit einem viel größeren Mehraufwand verbunden ist, als diese Steuer zu entrichten.
      In der BRD ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall. Also wird vor allem der Schwarzmarkt wachsen.

    • Die Bäcker sind meiner Meinung ein eher ungeeignetes Beispiel, da die meisten Back-Produkte heute über ein Filialnetz verkauft werden! Der/die Inhaber der Filialketten sind sicherlich an einer ordentlichen Buchhaltung interessiert, da sie irgendwo auch ihr Personal überprüfen müssen und gleichzeitig ein Bestands/Lager- Management haben müssen. Interessanter könnte es im Bereich Imbisswagen, Schnellrestaurants, Friseure u.a. sein, die sich auf ein Geschäft beschränken; dort könnte man sicherlich das Geschäft durch schwarze Aktionen etwas aufbessern. Ebenso kommen da Markthändler und Landwirte mit Hofverkauf infrage. Die Idee, Quittungen beim Finanzamt einzuwerfen ist sicherlich interessant.

    • " Jedes Jahr entgehen dem Staat mehrere Milliarden Euro an Steuereinnahmen, weil betrügerische Händler, Handwerker oder Gastronomen zu wenig Umsatzsteuer abführen..."

      In jedem Krieg gewinnt einzig und alleine ein Markt: nämlich der SCHWARZMARKT.
      Und hier haben wir einen Steuerkrieg: "stationärer Bandit" (Mancur Olson) Staat gegen den Bürger.
      Also muss man selbstverständlich auch die staatlichen Steuerschergen beschäftigen: man muss ihnen soviel Arbeit wie nur irgendwie möglich machen.

      "Die Supermarktkette Rewe beispielsweise bietet einen solchen E-Bon an. Kunden brauchen dafür eine Payback-Karte und eine E-Mail-Adresse."
      Glauben Sie allen Ernstes, ich möchte zum gläsernen Kunden werden und zudem auch noch suchtkrank, indem ich auch noch bei jedem Einkauf mein "Smart"-Phone mitführe?
      Der Einkaufsbon kommt postwendend in den Papierkorb, wenn ich nichts kaufe, was ich mir vom Räuber wieder zurückerstatten lassen kann.

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