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Kommentar Der Stopp des Ant-Börsengangs ist ein Desaster – nicht nur für den Konzern

Am Dienstag musste der chinesische Paypal-Konkurrent sein Börsendebüt absagen. Der Vorgang zeigt das grundlegende Problem des Finanzplatzes China.
04.11.2020 - 15:03 Uhr Kommentieren
Hinter der Absage des Börsengangs stehen wohl nur vordergründig neue Regularien der chinesischen Aufsichtsbehörden. Quelle: Bloomberg
Logo der Ant-Marke Alipay in einem Hongkonger Restaurant

Hinter der Absage des Börsengangs stehen wohl nur vordergründig neue Regularien der chinesischen Aufsichtsbehörden.

(Foto: Bloomberg)

Es hätte ein Triumph für China werden können. Ein riesiges privates chinesisches Tech-Unternehmen geht erstmals nicht in den USA, sondern allein in der Volksrepublik an die Börse. Und das gleich an zwei Handelsplätzen: in Hongkong und – bislang weit weniger üblich – am Star Market in Schanghai, dem chinesischen Pendant zur New Yorker Technologiebörse Nasdaq.

Umgerechnet 37 Milliarden Dollar Kapital sollten bei Investoren eingesammelt werden. Die Neulistung – das Initial Public Offering (IPO) – des Finanzdienstleisters Ant und seines Onlinebezahldiensts Alipay sollte der größte Börsengang der Welt werden. Stattdessen wurde er jetzt zum weltgrößten IPO-Desaster.

Dabei sah es bis vor ein paar Tagen noch vielversprechend für Ant aus. Die nötigen Genehmigungen der chinesischen Behörden waren erteilt, Investoren hatten riesiges Interesse an den Aktien des Unternehmens gezeigt. Das bedeutendste Risiko für den Börsengang des Unternehmens, so schien es noch bis Anfang dieser Woche, würden die Turbulenzen an den Märkten im Nachgang der US-Präsidentschaftswahl sein.

Doch das größte Risiko für private Unternehmen in China sind, so zeigt sich jetzt einmal mehr, nach wie vor die Unberechenbarkeit und die massiven Eingriffe der chinesischen Regierung. Dass die Regulierungsbehörden den IPO weniger als 48 Stunden vor dem Gang aufs Parkett gestoppt haben, lässt Investoren und das Unternehmen selbst schockiert zurück.

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    Wie es derzeit aussieht, stecken hinter der Absage des Börsengangs vordergründig neue Regularien, die die chinesischen Aufsichtsbehörden am Montag angekündigt hatten. Wenn diese so wie gefordert umgesetzt würden, träfen sie das Geschäftsmodell von Ant stark.

    Warum reagieren die Behörden so kurzfristig – und so massiv?

    Denn das Unternehmen, das viele Kleinkredite vergibt, müsste ähnlich wie Banken einen deutlich größeren Anteil an Eigenkapital zur Absicherung der Kredite vorhalten. Die Auswirkungen auf Ant wären so erheblich, dass Investoren laut Experteneinschätzung eine Neubewertung des Unternehmens vornehmen müssten.

    Doch warum kommt der Vorstoß der Behörden so kurzfristig? Warum schaden sie dem Unternehmen mit ihrem Vorgehen so massiv?

    Waren es die kritischen Bemerkungen, die Ant-Gründer Jack Ma kurz zuvor in Richtung der chinesischen Regulierer gemacht hatte? Musste die Kommunistische Partei Chinas ihn zurechtweisen, als er weniger Regeln für die Branche forderte? Musste sie dem selbstbewussten Unternehmer zeigen, dass es immer noch sie allein ist, die in der Volksrepublik das letzte Wort hat?

    Haben sich die Hardliner in der Regierung durchgesetzt, denen es schon lange ein Dorn im Auge ist, dass Ants Bezahl-App Alipay den Zahlungsverkehr in China in weiten Teilen privatisiert und somit der direkten Kontrolle durch chinesische Behörden entzogen hat? Oder waren es die großen chinesischen Staatsbanken, die im Zeitalter der Digitalisierung eine weitere Marginalisierung fürchteten?

    Viele Fragen werden offenbleiben

    Was am Ende den Ausschlag gegeben hat, wird vielleicht niemals ganz geklärt werden können. Auch das ist symptomatisch für eine Regierung, die ihre Kritiker verfolgt, die reihenweise Auslandskorrespondenten aus dem Land wirft und einheimischen Journalisten keinerlei Freiheiten lässt, um unabhängig zu berichten.

    Unter Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping dringt kaum noch etwas nach draußen, was nicht dorthin dringen soll. Und so wird am Ende niemand wissen, was genau die Gründe für den Stopp des Börsengangs von Ant waren und wie man sich verhalten soll, damit das eigene Unternehmen nicht das nächste sein wird.

    Eines ist jedoch sicher: Der Schaden für den Finanzplatz Schanghai ist schon jetzt enorm.

    Dabei versucht die Kommunistische Partei Chinas seit Jahren, die Börsenstandorte Schanghai und Shenzhen als Alternative zum liberalen Handelsplatz in Hongkong zu etablieren. Als die chinesische Regierung den Standort Hongkong durch ihr massives Eingreifen und die dadurch hervorgerufenen heftigen Proteste in der Finanzmetropole gefährdete, fabulierten einige China-freundliche Stimmen bereits davon, dass dieser Marktplatz ohnehin bald nicht mehr gebraucht werde, weil die Festlandbörsen immer wichtiger würden.

    Langfristige Folgen

    Vor allem Tech-Unternehmen sollten von einem alleinigen Listing in China statt wie bisher üblich in den USA überzeugt werden. Ant hätte der erste Tech-Börsengang werden können, bei dem der Plan der chinesischen Regierung aufgeht.

    Doch mit dem Stopp des Ant-IPOs hat die chinesische Führung nun auf einen Schlag deutlich gemacht, warum Unternehmen sich zu Recht vor einem exklusiven Listing in China scheuen. Am Ende wird so einmal mehr auch deutlich: Die Kommunistische Partei kann nicht aus ihren inzwischen sehr verinnerlichten Mechanismen raus. Der totalen Kontrolle wird fast alles andere nachgeordnet. Die Wirtschaft ist da keine Ausnahme.

    Wahrscheinlich ist der Börsengang von Ant nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Doch jedes Unternehmen und jeder Investor wird in Zukunft mit Schaudern an diesen Moment zurückdenken. Den Moment, in dem chinesische Behörden nur wenige Stunden vor seinem Start den weltgrößten Börsengang der Welt stoppten.

    Mehr: Schock in Schanghai – Mega-Börsengang der Ant Group ist gestoppt.

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