Kommentar: Deutschen Autobauern droht der Verlust der Unabhängigkeit
Mercedes-Benz baut Luxusautos, ist aber nicht in der Lage, Software für autonome Fahrfunktionen alleine zu programmieren.
Foto: dpaDie deutsche Autoindustrie ist sich ausnahmsweise einig; Software und das damit verbundene Chips-Design werden der wichtigste Faktor beim künftigen Automobil. Sei es für die autonomen Fahrfunktionen oder für den zentralen Rechner.
Mercedes-Benz, früher Daimler, spürt jetzt die Konsequenz dieser Erkenntnis: Der 136 Jahre alte Autobauer ist auf Tech-Giganten wie Nvidia als Zulieferer angewiesen. Denn Mercedes-Benz ist, wie auch VW und BMW, nicht in der Lage, Software für autonome Fahrfunktionen alleine zu programmieren, geschweige denn die Chips dafür zu entwickeln.
Der Ausdruck Zulieferer, den die stolze Autoindustrie so gerne verwendet, ist dabei inzwischen völlig deplatziert. Die Kontrolle über einen zentralen Punkt der Wertschöpfung entgleitet der deutschen Autoindustrie. Die Folge: Nvidia wird sich nicht mit Renditen von fünf Prozent abspeisen lassen, wie Bosch, ZF und Conti. Die Machtverhältnisse werden sich verschieben – und das werden die Tech-Giganten sich teuer bezahlen lassen. Das Tragische: Es hätte nicht so kommen müssen. Denn gerade die Erben von Carl Benz und Gottlieb Daimler hätten es besser wissen müssen. Die Stuttgarter waren näher dran am technologischen Wandel als alle anderen deutschen Autohersteller.