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KommentarDeutschland fehlt auch nach 35 Jahren Dax eine echte Aktienkultur

Das Jubiläum des Leitindex quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit steht sinnbildlich dafür, das Dax, Aktien und die Börse hierzulande beinahe ein Randgruppenprogramm sind.Markus Hinterberger 03.07.2023 - 04:24 Uhr
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Das Jubiläum des deutschen Leitindex wurde nur wenig gewürdigt.

Foto: Reuters

Am 1. Juli ist der Dax 35 Jahre alt geworden. Wenn man auf die bloßen Zahlen schaut, steht der deutsche Leitindex blendend da. Knapp 16.148 Punkte war der Stand am letzten Handelstag, bevor er die 35 Jahre vollmachte. Das sind rund 280 Punkte unter dem Allzeithoch.

Aber trotzdem gab es kein großes Fest, kein Grußwort des Kanzlers. Auch Bundesfinanzminister Christian Lindner, der künftigen Rentnern eine Rente aus den Erträgen von Aktien bescheren will, hielt sich mit großen Worten zurück.

Dieses Jubiläum, quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, steht sinnbildlich für die schwache Aktienkultur in Deutschland.

Es gibt zwar viele börsennotierte Großunternehmen in Deutschland, 40 von ihnen finden sich im Dax. Ihr Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes ist jedoch im Vergleich zu den USA oder den europäischen Nachbarn gering. Deutschland ist nicht zu Unrecht stolz auf seinen Mittelstand. Doch einige Mittelständler könnten noch besser dastehen, wenn sie sich Kapital von der Börse holen.

Regelmäßig machen Untersuchungen die Runde, die den großen Einfluss ausländischer Anteilseigner auf die Dax-Konzerne zeigen. Dann geht eine Welle der Erregung durch die Republik. Aber solche Nachrichten zum Anlass zu nehmen, selbst zu investieren, gelingt noch zu selten. Eine echte Aktienkultur zu etablieren wird weder von der Politik noch in den Schulen gefördert.

Der Dax, Aktien und die Börse sind in Deutschland beinahe ein Randgruppenprogramm. Wer sich bei einer Party als Aktionär oder Inhaber von Fondsanteilen outet, erntet mitunter bewundernde Blicke von anderen Gästen oder wird gedanklich in die Schublade des reichen Zockers gesteckt, der seinen Shareholder-Value über das Wohl von Angestellten und Gesellschaft stellt.

70 Millionen Deutsche geben Vermögen der Inflation preis

Zwar gibt es laut Deutschem Aktieninstitut in Deutschland derzeit etwa 12,9 Millionen Menschen, die Aktien besitzen, sei es direkt als einzelne Wertpapiere oder indirekt über Investmentfonds. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass gut 70 Millionen Menschen keine Aktien besitzen.

Darunter werden sicher Menschen sein, die nach den Worten von Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis wegen der hohen Inflation nichts mehr anlegen können. Aber das Gros der 70 Millionen hat Vermögen, das auf Sparkonten liegt und mehr oder weniger der Inflation preisgegeben wird.

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Das muss nicht so sein. Aber solange das Investieren an der Börse, ganz gleich ob via Aktien, Fonds oder ETFs, nicht im Bewusstsein von uns allen verankert ist, werden auch die künftigen Dax-Geburtstage Veranstaltungen im kleinen Kreis sein.

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