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KommentarDie fünf Lehren aus dem Nexperia-Debakel

Die Autoindustrie ist an der Katastrophe gerade so vorbeigeschrammt. Europa ist geopolitisch verwundbar und benötigt dringend mehr Drohpotenzial.Joachim Hofer 11.11.2025 - 17:08 Uhr
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Nexperia-Chips: Die Lieferengpässe legen offen, wie verwundbar Europa ist. Foto: Nexperia

Ein paar Tage noch, und die ersten Zulieferer hierzulande hätten ihre Leute in Kurzarbeit schicken müssen, weil Chips aus den chinesischen Fabriken von Nexperia fehlen. Die Autoindustrie ist an der Katastrophe gerade so vorbeigeschrammt. Nur der Gnade der Regierung in Peking ist es zu verdanken, dass es nicht so weit kam.

Die Lieferengpässe zeigen: Europa ist auf Chips aus Übersee angewiesen. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Trotzdem lassen sich Lehren ziehen aus dem Debakel.

  1. China ist nicht zu trauen – Amerika auch nicht
    Es ist fahrlässig, sich weiterhin auf Lieferungen aus China zu verlassen. Die Volksrepublik instrumentalisiert Halbleiter, um die eigenen Interessen durchzusetzen, und zwar ohne zu zögern.
    Allerdings stehen die USA den Chinesen in nichts nach. So hat Washington den Export bestimmter Halbleiter nach China untersagt. Die Regierung von Ex-Präsident Joe Biden wollte einst sogar die Ausfuhr in westliche Länder beschränken. Auf die Großmächte ist kein Verlass, wenn es um die strategisch wichtigen Halbleiter geht.
  2. Erst nachdenken, dann handeln
    Die niederländische Regierung hat über Nacht dem chinesischen Eigentümer Nexperia entzogen. Dafür gab es nachvollziehbare Gründe. Trotzdem wäre es klug gewesen, vorher über die Konsequenzen nachzudenken.
  3. Europa fehlt es an Erpressungspotenzial
    Dem Lieferstopp der Chinesen hatte Europa nichts entgegenzusetzen. Nur eine Technologie ist einzigartig auf dem Kontinent: das sogenannte EUV-Verfahren des Anlagenbauers ASML. Es ist zwingend nötig, um die fortschrittlichsten Chips zu fertigen. Im Fall von China hilft das nichts, weil ASML seine modernsten Maschinen ohnehin nicht in das Land exportieren darf. Europa benötigt dringend mehr Erpressungspotenzial.
  4. Das Chips-Gesetz ist ein Rohrkrepierer
    Die EU-Kommission wollte mit einem Chip-Gesetz dafür sorgen, dass sich der Anteil Europas an der weltweiten Produktion bis zum Jahr 2030 auf 20 Prozent verdoppelt. Stand heute wird dieses Ziel klar verfehlt. Allerdings: Nur wenn Europa nennenswert selbst produziert, lässt sich Druck auf andere Länder ausüben.
  5. Lieferengpässe mit Allianzen vermeiden
    Kurzfristig lassen sich neue Chipengpässe nur abwenden, indem die Firmen ihre Lieferantenbasis erweitern und die Politik Allianzen schließt. Und das mit Ländern, die ebenfalls von den Supermächten unter Druck gesetzt werden: Allen voran Japan, Taiwan und Südkorea für den Kern der Chipfertigung sowie Malaysia, Indonesien und die Philippinen fürs Verpacken und Testen.

Ohne Produktionskapazitäten und technologisches Drohpotenzial bleibt der Kontinent abhängig von China und den USA. Nur durch Investitionen und gezielte Bündnisse wird Europa weniger verletzlich.

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