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Kommentar Die Krise hilft Tesla

Die Coronavirus-Krise ist eine der größten Bewährungsproben für die Autoindustrie. US-Autobauer Tesla erweist sich dabei als erstaunlich robust.
15.04.2020 - 17:52 Uhr Kommentieren
Der Elektroautobauer beherrscht mit der Serienfertigung die wichtigste Domäne der Branche. Quelle: dpa
Tesla

Der Elektroautobauer beherrscht mit der Serienfertigung die wichtigste Domäne der Branche.

(Foto: dpa)

Wer Aktien von Tesla hält, der braucht gute Nerven. Seit Jahresbeginn legten die Papiere des Elektropioniers einen steilen Aufstieg hin, um dann mit Beginn der Coronakrise wie alle Autotitel jäh abzustürzen. Über Ostern fing sich der Kurs wieder, seit Wochenbeginn steht ein Plus von 25 Prozent zu Buche. Während die Aktien von BMW, Daimler, Ford und Volkswagen weiter vor sich hindümpeln, zieht Tesla an der Börse den Konkurrenten wieder einmal davon.

Über den wahren Wert des Unternehmens scheiden sich die Geister schon länger. Skeptiker halten den Elektroauto-Hersteller noch immer für eine überdrehte Marketing-Veranstaltung, der die Luft ausgeht, wenn die etablierte Industrie ihre eigenen Stromautos in Serie bringt. Die Volten des Tesla-Gründers Elon Musk, der sich wahlweise mit Konkurrenten, der Börsenaufsicht oder den Gesetzen der Betriebswirtschaft anlegt, geben dieser Sicht immer wieder neue Nahrung.

Dass Musk seine Fabriken weiterlaufen ließ, als die US-Behörden wegen der Corona-Pandemie eine Schließung anordneten, zeugt einmal mehr von einer gewissen Skrupellosigkeit. Optimisten sehen in dem Unternehmen aber einen Gamechanger, der mehr als nur den Antrieb in der Autoindustrie tauscht. Musk stellt konsequent Prozesse und Abläufe infrage, die in der Branche bislang als gesetzt galten. Tesla will nicht nur einfach Autos mit Elektroantrieb bauen.

Das Unternehmen schickt sich an, den Computer auf Räder und damit die Wertschöpfung der Industrie auf den Kopf zu stellen. Es ist ein Konzept, das auch in Coronazeiten krisensicherer ist als gedacht. Während Dyson seine Elektropläne mittlerweile eingestellt hat und Faraday Future seinen Marktstart immer weiter verschiebt, entwickelt sich Tesla immer mehr zu einem stabilen Unternehmen.

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    Da wären die Zahlen. Kämpfte Tesla vor wenigen Monaten noch mit dem Anlauf der Serienproduktion des Model 3, so sind die Probleme nun offenbar behoben. Im ersten Quartal lieferte Tesla fast 90.000 Autos aus – deutlich mehr als erwartet. Gut ein Jahr nach dem Spatenstich läuft auch die neue Fabrik in Schanghai und damit die erste Produktion außerhalb der USA. Die Auslieferungen in China halten das Unternehmen liquide, während die Produktion im heimischen Kalifornien mittlerweile ruht.

    Model Y soll 2021 in Berlin gebaut werden

    Die Modellpalette wird breiter. Seit Anfang des Jahres ist das Model Y in den USA erhältlich. Tesla hat das erste kompakte Strom-SUV der Marke nicht nur im versprochenen Zeitplan abgeliefert. Produkttests zollen dem Auto auch einen Qualitätssprung, Spalten und die Maße passen offenbar deutlich besser als bei früheren Autos. Nicht nur in der Batterietechnik ist das Model Y führend, Tesla ist in der Lage, die Software des Autos komplett „Over-the-Air“ zu aktualisieren.

    Schon im kommenden Jahr soll das Model Y in Grünheide südlich von Berlin gebaut werden. Es sieht im Moment nicht danach aus, dass sich Tesla an dem ehrgeizigen Projekt verhebt. Von den deutschen Konkurrenten kann man das nicht behaupten. Anders als bei Tesla wächst die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. BMW preschte mit dem „i3“ 2013 mutig vor, will aber erst 2021 mit dem „i4“ nachlegen.

    Daimler und Audi haben zwar endlich ihre Elektro-SUVs auf der Straße, doch die Bilanz der Debütanten ist ernüchternd. Schon vor Ausbruch der Coronakrise musste Audi die Produktion des Stromers stoppen, weil es trotz bescheidener Stückzahlen an Batteriezellen fehlte. Auch der Mercedes EQC hat bislang die Kundschaft nicht begeistern können, obwohl der Markt für Elektroautos mittlerweile kräftig anzieht.

    Der erste Stromer mit Stern hat es im März noch nicht einmal unter die Top Ten der meistverkauften Elektroautos in Deutschland geschafft. Spitzenreiter ist nach wie vor das Model 3 von Tesla.Nun blickt die Branche gespannt auf Volkswagen. Anfang des Jahres hielt VW-Chef Herbert Diess eine Brandrede vor seinen Topmanagern und forderte eine Transformation des Unternehmens zu einem Technologiekonzern.

    Die Nagelprobe heißt ID3 – die Wolfsburger mit dem Anlauf des ersten massentauglichen Stromautos der Marke. Volkswagen gelingt es offenbar nicht, die komplexe Software des Autos in die Serienproduktion zu bringen. Es steht viel auf dem Spiel: Schafft es VW nicht, mindestens 100 000 Stück bis Ende des Jahres auf die Straße zu bringen, reißt der VW-Konzern die Klimavorgaben der EU.

    Es spricht wenig dafür, dass die EU-Kommission die Vorgaben wegen der Coronakrise lockert. Nicht nur für VW wird das Zeitfenster immer kleiner, serienreife Elektroautos auf den Markt zu bringen. Noch ist unklar, wie die Autoindustrie die Krise überstehen wird. Anpassungsfähigkeit wird ein Schlüsselfaktor. Tesla hat sich in den vergangenen Monaten als sehr lernfähig erwiesen und beherrscht mit der Serienfertigung die wichtigste Domäne der Branche. Dass die etablierten Spieler Teslas Kernfähigkeiten beherrschen, ist bislang nicht zu erkennen.

    Mehr: Tesla baut Produktion in China trotz Coronavirus weiter aus.

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