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Kommentar Die Mitarbeiterproteste bei Google bringen CEO Pichai in eine prekäre Situation

Der Protest gegen den Umgang mit sexistischen Managern zeigt die toxische Kultur bei Google. CEO Pichai ist nur deren Erbe. Dennoch könnte er zum Schuldigen erklärt werden.
02.11.2018 - 02:28 Uhr Kommentieren

Google-Mitarbeiter protestieren gegen Sexismus

„Don’t be evil“, sei nicht böse. So lautete bis Anfang 2018 das offizielle Motto von Google. Doch irgendwie scheint man im kalifornischen Mountain View beim drittwertvollsten Börsenunternehmen der Welt zur Entscheidung gekommen zu sein, dass man mit diesem Motto im Haifischbecken Silicon Valley mit seinem Turbo-Kapitalismus auf Dauer nicht leben kann. Es wurde gestrichen. Und immer mehr Mitarbeiter im Unternehmen haben eine Idee, warum das so sein könnte und wollen es nicht länger hinnehmen.

Geschätzt Tausende von Google-Mitarbeitern und -Mitarbeiterinnen gingen am Donnerstag weltweit auf die Straßen, um gegen ihrer Meinung nach unhaltbare Zustände im Unternehmen zu protestieren. Auslöser war ein Artikel in der „New York Times“, wonach Google-Manager trotz Vorwürfen sexueller Belästigungen mit hohen Abfindungen bedacht wurden, bevor sie mit allen Ehren und voller Lob den Suchmaschinenriesen verlassen durften. Die Vorwürfe gegen sie wurden nicht publik gemacht.

Besonders soll davon Andy Rubin, Vater des Smartphone-Betriebssystems Android, profitiert haben. Mit einem goldenen Handschlag von 90 Millionen Dollar sei er weggelobt worden, die unschönen Belästigungsgeschichten wurde dezent unter den Teppich gekehrt. Rubin bestreitet Teile der Vorwürfe.

Die Proteste zeigen zwei wichtige Trends in der Techindustrie: Zum einen, dass die Mächtigen in den Konzernzentralen von San Francisco bis ins indische Hyderabad den mit Uber losgetretenen Vertrauensverlust nicht mehr stoppen können. Beim Fahrdienstvermittler sorgte eine von Testosteron durchsetzte „Bro-Kultur“ mit von ganz oben geduldeten sexuellen Belästigungen und geschlechtsspezifischer Ungleichbehandlung sogar dafür, dass Unternehmensmitgründer und CEO Travis Kalanick gehen musste.

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    Es ist das erste Mal, dass eine „metoo-Bombe“ so weit oben in einem Milliardenunternehmen aus der Technologiebranche eingeschlagen hat, die von sich selbst nicht weniger behauptet, als dass sie die Welt retten und besser machen wird.

    Zum zweiten zeigen die Proteste einen massiven Trend zur Organisationsbereitschaft in einer Branche, in der bislang nur Einzelkämpfer ihr Glück geschmiedet haben. Bei Google werden die Rufe nach einem Mitarbeitervertreter im Aufsichtsrat laut. Da kommt VW-Feeling auf, der Weg zum mitbestimmten Unternehmen.

    Kann Pichai die Wende herbeiführen?

    Die Forderungsliste der Mitarbeiter ist zwar nur fünf Punkte lang, aber sie hat es in sich. Besonders brisant ist der Punkt, der die Abschaffung der Zwangsschlichtung bei sexuellen Übergriffen fordert. Mitarbeiter(innen) haben sich beschwert, dass sie zu internen Schlichtungen und Stillschweigen gezwungen worden seien. Das hat es bei Uber auch gegeben und ist erst vor kurzem abgeschafft worden. Der Weg zu den Gerichten ist jetzt frei.

    Solche Klauseln sind auch im Google-Vorstand bekannt. Und sie werden zum Wohle des Konzerns geduldet und durchgesetzt. Es geht um den Ruf – des Unternehmens. Wir sind nicht böse.

    Daneben fordern die Google-Mitarbeiter die nachprüfbare Abschaffung einer Ungleichbehandlung bei Gehältern und Aufstiegsmöglichkeiten. Außerdem soll ein „Chief Diversity Officer“ im Vorstand installiert werden, um die weiße, junge und männliche Hochburg Google zu schleifen.

    Der Google-Chef sucht nach Ideen, wie man den Suchmaschinendienst besser machen kann. Quelle: Reuters
    Sundar Pichai

    Der Google-Chef sucht nach Ideen, wie man den Suchmaschinendienst besser machen kann.

    (Foto: Reuters)

    Google-Chef Sundar Pichai ist in einer prekären Situation. Zwar hat er jetzt schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage den Mitarbeitern seine Unterstützung signalisiert und für „kreative Ideen“ gedankt, wie man Google besser machen könne. Aber die Frage ist, wer letzten Endes zum Schuldigen erklärt wird.

    Am Ende waren es nämlich die Gründer Larry Page, Sergey Brin und Aufsichtsratschef Eric Schmidt, die Google geprägt haben. Pichai ist sozusagen nur die zweite Ableitung, der Erbe und willige Verwalter der toxischen Kultur, die er jetzt abschaffen will. Pichai musste schon für ein kontroverses Projekt mit dem Pentagon den Kopf hinhalten und erklären, warum man eine zensierte Suchmaschine extra für China bauen will. „Don’t be evil.“

    Für Travis Kalanicks Ende bei Uber bedurfte es nur eines Blogposts einer früheren Angestellten, um die Lawine auszulösen, die er nicht mehr stoppen konnte. Pichai hat seinen Warnschuss erhalten. Die Mitarbeiter sind aufgebracht. Die Investoren halten noch still. Jetzt liegt es an ihm, ob er eine wirkliche Wende herbeiführen kann und will. Mit oder ohne Hilfe der Gründer und heutigen Alphabet-Chefs Page und Brin.

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