Kommentar: Die überschätzte Rolle von Elon Musk bei Tesla

Die Tage von Elon Musk als Berater von US-Präsident Donald Trump sind gezählt. Der Tesla-Chef sorgte wochenlang für Schlagzeilen, weil er US-Bundesbehörden zerschlug und Mitarbeiter entließ.
Es wird auch Zeit, dass er geht. Die Verkäufe von Tesla brechen ein, der Aktienkurs ist seit Musks Engagement im Weißen Haus um rund 30 Prozent gefallen. Analysten befürchten ein Vakuum in der Tesla-Führung.
Die Tesla-Aktionäre reagierten auf die Nachricht des baldigen Rückzugs mit Erleichterung. Dies ist aus zwei Gründen schwer nachvollziehbar. Zum einen war Musks Funktion als „Sonderbeauftragter“ von vornherein auf 130 Tage begrenzt. Dahinter steckt also kein Zerwürfnis mit Trump oder Ähnliches, sondern vorhersehbare Planung.
Zudem überschätzen Investoren die Bedeutung von Musks Präsenz. Tesla ist ein globales Unternehmen mit 125.000 Mitarbeitern und einem Management, das dem CEO treu ergeben ist. Musk gibt die großen Linien vor, die von seinen Mini-Musks gewissenhaft umgesetzt werden.
Im Juni steht ein wichtiges Event bevor
Eine der Musk-Vorgaben ist das autonome Fahren. Das Ziel hat der 53-Jährige schon vor einem Jahrzehnt ausgegeben, es oft versprochen, und dieses Versprechen ist genauso oft gebrochen worden. Jetzt steht Tesla vor einem neuen Anlauf, im Juni will das Musk-Unternehmen einen Robotaxi-Dienst in der texanischen Stadt Austin anbieten.
Laut Musk ist dies der erste Schritt zum unüberwachten Fahren, bei dem Tesla eine führende Rolle spielen will. Musk ist fest davon überzeugt, dass Tesla mit KI, Software und nur mit Kameras vollautonomes Fahren erreichen kann. Sollte dies gelingen, wäre es in der Tat eine herausragende Leistung.
Aber es gibt noch viele Fragen, es fehlen noch Details. Wie fährt man nachts oder im Schneegestöber, wenn man nur optische Sensoren verwendet? Wie geht ein vollautonomes Fahrzeug mit „Edge Cases“ um, also mit unvorhersehbaren Ereignissen auf der Straße?
Diese Fragen stellen Experten schon lange. An den Antworten arbeitet Tesla schon genauso lange, dafür braucht es Musk nicht. Tesla-Fans sehen im Austin-Fahrdienst den Beginn einer KI-Renaissance von Tesla. Kritiker sehen darin eine Kopie des Waymo-Dienstes, den es bereits in Phoenix, San Francisco und anderen US-Städten gibt, unter anderem in Austin.
Wer auch immer recht hat: Am Ausgang ändert wenig, ob Musk im Büro sitzt oder nicht.