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Kommentar Die Warnungen der Crash-Jünger verhallen – zu recht!

Die Krisen weltweit kümmern Aktienhändler und Investoren offenbar wenig. Sie sind bester Laune, solange die Zinsen niedrig sind und die Wirtschaft läuft.
15.01.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Dax hat in den vergangenen zwölf Monaten trotz Mahnungen vor Überbewertung und nachlassender Gewinndynamik gut 23 Prozent zugelegt, die US-Technologiebörse Nasdaq sogar 35 Prozent. Quelle: EyeEm/Getty Images
Bildschirm mit Börsenkursen

Der Dax hat in den vergangenen zwölf Monaten trotz Mahnungen vor Überbewertung und nachlassender Gewinndynamik gut 23 Prozent zugelegt, die US-Technologiebörse Nasdaq sogar 35 Prozent.

(Foto: EyeEm/Getty Images)

Kennen Sie diese Börsenweisheit noch? Die Hausse nährt die Hausse. Der leicht angestaubte Merksatz aus der Finanzwelt besagt, dass positive Stimmung an den Börsen ansteckend ist. Rekordstände bei den Aktien ziehen immer neue Anleger an, die bisher nur Zuschauer waren und nun auf den fahrenden Zug aufspringen wollen.

Das erklärt auch einen Teil der jüngsten Aufwärtsbewegung, die im Grunde nahtlos an das vergangene Jahr anknüpft. Nach der Jahresendrally kommt die Jahresauftaktrally, wenn die institutionellen Anleger die Ausschüttungen reinvestieren und mit ihren Barmitteln wieder Aktien kaufen.

Aber solche eher technischen und saisonalen Analysen führen natürlich nicht zum wahren, tiefer liegenden Grund für die neuerliche Rekordjagd. Die aktuellen Höchststände von Dax und Co. lassen zunächst einmal alle Pessimisten schlecht aussehen, die unermüdlich die Risiken auf dem Börsenparkett in den Vordergrund rücken. Während sie immer wieder den nahenden Crash heraufbeschwören, weil irgendwo eine Blase platzen könnte, hangeln sich die Indizes von Höchststand zu Höchststand. 

Die Doomsday-Propheten sind nett zu lesen, ihre Warnungen verhallen aber. Das zeigen auch die Fakten. Der Dax hat in den vergangenen zwölf Monaten trotz Mahnungen vor Überbewertung und nachlassender Gewinndynamik gut 23 Prozent zugelegt, die US-Technologiebörse Nasdaq sogar 35 Prozent. Wer den Crash-Jüngern glaubte und sein Geld in die Kasse legte, der wird jetzt in die Tischkante beißen.

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    Minuszinsen statt zweistelliger Rendite lautet die traurige Bilanz der Vorsichtigen. Seit dem Knock-out in der Finanzkrise 2008/09 und dem damaligen Rücksetzer auf rund 4000 Punkte hat der Dax praktisch nur eine Richtung gekannt: nach oben. Jetzt steuert er nach nur zwei Jahren wieder einem neuen Kursgipfel entgegen. Und vieles spricht dafür, dass die gerade begonnene Dekade die goldenen Zwanzigerjahre für die Aktionäre werden können.

    Krisen führen nicht immer zu Kursstürzen

    Der wohl größte Irrtum an der Börse war (und ist) die Annahme, dass die geopolitischen Risiken unweigerlich zu einem Kurssturz führen, mindestens aber zu einer kräftigen Korrektur. Jeder, der 2019 und die vorangegangenen Jahre einmal Revue passieren lässt, wird eines Besseren belehrt. Das Theater um den Brexit ließ die Anleger nach dem ersten Schock eher schmunzeln, zuletzt konnte niemand mehr die täglichen Irrungen und Wirrungen Londons ernst nehmen.

    Und das handelspolitische Pingpong zwischen Washington und Peking sorgte zwar für Massen an negativen Schlagzeilen, ließ die Aktienkurse aber nicht dauerhaft einbrechen. Selbst der Konflikt um den Iran oder die Kapriolen in Nordkorea haben keine schmerzhafte Verkaufswelle losgetreten.

    Die Wall Street hat sich schnell auf das Muster ihres Präsidenten Donald Trump eingestellt. Erst kommt die Peitsche, dann das Zuckerbrot und am Ende ein Deal. Die Trump-Tweets mögen willkürlich wirken, am Ende ist das Ergebnis aber berechenbar. Das lässt sich auch in diesen Tagen wieder beobachten.

    Von der nahenden Unterzeichnung des ersten Teilabkommens im Handelsstreit zwischen den USA und China versprechen sich die Börsianer frischen Wind für die Weltwirtschaft. Und im laufenden Jahr gilt für die Profi-Anleger sowieso die Regel: Trump wird alles tun, damit die Wirtschaft im Wahljahr nicht abschmiert. Deshalb wird es keine dramatische Konfrontation mit wem auch immer geben, der Dow darf höchstens für kurze Zeit etwas korrigieren, aber nicht abstürzen.

    Basierend auf der jährlichen Aktienkursrendite von 11,6 Prozent, zählt Trump in seiner ersten Amtszeit zu den erfolgreichsten republikanischen Präsidenten. Diese Karte wird er ausspielen. „It’s the economy, stupid!“, das wusste schon Bill Clinton, der mit diesem Wahlkampfslogan 1992 die US-Präsidentschaftswahlen gewann. Und wenn Dow und Nasdaq steigen, ziehen sie alle anderen Börsenbarometer mit.

    Rendite ist das Maß der Dinge

    Die Börse ist im Grunde unpolitisch. Wenn die Renditen stimmen, ist den Händlern die Besetzung im Weißen Haus egal. Die Broker und Investmentbanker wissen, dass es nur zwei wirklich ernst zu nehmende Gefahren für die Hausse und damit auch für ihre Jobs gibt: steigende Zinsen und eine Rezession, die die Unternehmensgewinne auffrisst und spekulative Wetten scheitern lässt.

    Der Aussetzer im Kursaufschwung im vierten Quartal 2018 war in erster Linie das Ergebnis von Zinsängsten und Wachstumssorgen. Die regierenden Politiker werden daher darauf drängen, dass die Zinsen auf ewige Zeit so niedrig bleiben wie jetzt, weil sie neuerliche Verwerfungen an den Finanzmärkten fürchten. Genau darauf bauen auch die Geldmanager und Vermögensverwalter weltweit, wenn sie weiter Aktien kaufen.

    Sollte die billige Liquidität einmal nicht mehr reichen, um die Börse bei Laune zu halten, dann wird die zweite Stufe der Wachstumsrakete gezündet. Mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen werden die Politiker dafür sorgen, dass die Champagnerlaune auf dem Parkett noch lange anhält.

    Mehr: So wird sich der Dax 2020 laut Analysten entwickeln

    Volkswirte und Analysten blicken optimistisch ins neue Jahr, wie eine Handelsblatt-Umfrage zeigt. Sie erwarten, dass die Kurse weiter nach oben gehen – allerdings deutlich langsamer als 2019.

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