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KommentarDie Zinssenkung in Russland ist ein Signal an die Wirtschaft

Russlands Zentralbank ändert den Kurs. Statt einer restriktiven will sie nun eine weichere Geldpolitik betreiben. Die Wirtschaft könnte profitieren. André Ballin 10.02.2020 - 15:30 Uhr

Es gibt wenig Argumente, warum die russische Notenbank die restriktive Zinspolitik weiter fortführen sollte.

Foto: dpa

Moskau. Die russische Zentralbank hat erneut den Leitzins gesenkt – das sechste Mal in Folge. Mit nun sechs Prozent ist der Zinssatz immer noch deutlich höher als in der EU oder den USA, trotzdem ist der Schritt ein wichtiges Signal an die russische Wirtschaft. Mehr noch ist es die Rhetorik des russischen Finanzmarktregulators. Denn Zentralbankchefin Elvira Nabiullina hat angedeutet, dass dies noch nicht das Ende der Fahnenstange sei. Die Zentralbank könne bereits im März zu einer weicheren Linie der Geld- und Kreditpolitik übergehen, machte sie deutlich.

Es gibt wenig Argumente, warum die russische Notenbank die restriktive Zinspolitik weiter fortführen sollte. Die Inflation betrug im Januar im Jahresvergleich gerade einmal 2,7 Prozent. Das ist weitab von den fürchterlichen zweistelligen Inflationsraten, mit denen Russland noch vor fünf Jahren zu kämpfen hatte. Und der Wert liegt deutlich unter der Zielvorgabe der Zentralbank von vier Prozent.

Zudem ächzt die Wirtschaft schwer unter der hohen Zinslast. Die russische Statistikbehörde hat zwar in der Vergangenheit mehrfach ihre Wunderkraft unter Beweis gestellt, doch selbst sie konnte das Wirtschaftswachstum im vorigen Jahr nur auf 1,3 Prozent polieren.

Billigeres Geld hingegen könnte die Konjunktur ankurbeln. Das ist bitter nötig, denn Frühindikatoren deuten auf eine weitere Eintrübung der Wirtschaftslage hin. Russland braucht Investitionen. Doch für viele Unternehmer lohnt sich das Risiko-Gewinn-Verhältnis nicht. Gerade für Klein- und Mittelständler sind Kredite derzeit unerschwinglich.

Damit es mit Russlands Wirtschaft wirklich vorangeht, bedarf es mehr als nur einer lockereren Geldpolitik. Doch es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Weitere Signale kommen aus der neuen Regierung, die ein „Anwärmen der Märkte“ mit staatlichen Investitionen und Sozialleistungen plant. Leisten kann es sich Russland. Bleibt zu hoffen, auch wenn es fraglich ist, dass die Mittel wirkungsvoll eingesetzt werden.
Mehr: Warum es zu früh für den Einstieg in Anlagen von Schwellenländern ist.

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