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Kommentar Dieter Zetsche sollte auf den Posten als Daimler-Chefaufseher verzichten

Der ehemalige Daimler-Chef ist einer der Hauptverantwortlichen für die Misere. Zetsche hat nun die Chance, dem kriselnden Konzern einen großen Gefallen zu tun.
23.01.2020 - 12:45 Uhr 3 Kommentare
Daimler: Dieter Zetsche sollte auf Posten als Chefaufseher verzichten Quelle: dpa
Dieter Zetsche

Es wird immer deutlicher, wie sehr der Manager in den letzten Jahren seiner 13 Jahre währenden Regentschaft als Daimler-Chef die Zügel schleifen ließ.

(Foto: dpa)

Das Timing war perfekt. Am 26. September 2018 setzten der damalige Daimler-Chef Dieter Zetsche und sein Oberaufseher Manfred Bischoff ihren Masterplan in die Tat um. Erst wurden die Aktionäre per Ad-hoc-Mitteilung über die avisierte Erbfolge bei dem Autobauer informiert, dann die fast 300.000 Mitarbeiter. „Daimler stellt Weichen für die Zukunft“, stand über der Pflichtmeldung zu lesen, in der das Machtgefüge bei dem Stuttgarter Dax-Konzern frühzeitig neu geordnet würde.

Zetsches Kronprinz, der Schwede Ola Källenius, wurde an diesem Herbsttag offiziell zum designierten Vorstandschef von Daimler berufen. Zudem erklärten die 20 Kontrollräte des Unternehmens ihre Absicht, Zetsche nach einer zweijährigen Abkühlphase den Aktionären auf der Hauptversammlung als Aufsichtsrat vorzuschlagen. Aufsichtsratsvorsitzender Bischoff bekundete sogar, Zetsche 2021 als seinen Nachfolger zu empfehlen.

„Dieter Zetsche ist prädestiniert, auch den Aufsichtsrat des Unternehmens umsichtig und erfolgreich zu leiten“, schwärmte Bischoff. Mit der Berufung des Managers zum Kontrollratschef „sichern wir Kontinuität für den nachhaltigen Erfolg der Daimler AG“, so Bischoff. Was damals vielleicht richtig erschien, muss mit heutigem Wissensstand als falsch und geradezu fahrlässig betrachtet werden.

Schließlich musste Daimler am Mittwoch de facto die dritte Gewinnwarnung seit Zetsches Abgang als CEO im Mai 2019 ausgeben. Abermals warnt der Konzern seine Aktionäre vor neuen Milliardenbelastungen im Dieselskandal.

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    Der Gewinn des Konzerns hat sich 2019 mehr als halbiert – und das, nachdem das Ergebnis bereits 2018 um fast 30 Prozent eingebrochen war. Die Aussichten sind mau, Daimler ist weit weg von seinem eigenen Anspruch „Das Beste oder nichts“.

    Einer der Hauptverantwortlichen für die Misere ist Zetsche. Der 66-Jährige hat nun die Chance, dem kriselnden Konzern und sich selbst einen großen Gefallen zu tun und weiteren Schaden abzuwenden. Dafür muss Zetsche aber noch einmal wahre Größe beweisen und freiwillig von dem Plan Abstand nehmen, 2021 Chefkontrolleur des Autokonzerns zu werden. Andernfalls droht ein Aufstand mehrerer Aktionäre samt Sonderprüfungsanträgen über seine Rolle in der Abgasaffäre.

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    „Wir halten uns grundsätzlich an die gesetzlichen Vorgaben und haben keinerlei Manipulationen an unseren Fahrzeugen vorgenommen“, sagte Zetsche im September 2015 unmissverständlich. Bei Mercedes käme kein „defeat device“ zum Einsatz. Viele Investoren fühlen sich mittlerweile durch derlei Aussagen von Zetsche getäuscht.

    Zwar ist noch unklar, ob Mercedes nur grenzwertig trickste oder tatsächlich mit illegalen Mitteln operierte. So oder so ist das Image der Marke mit dem Stern aber angekratzt, die Zwangsrückrufe von mehr als einer Million Dieselfahrzeugen in Europa und eine 870 Millionen Euro schwere Geldbuße der Staatsanwaltschaft Stuttgart lasten zudem auf der Bilanz.

    Zwiespältige Bilanz

    1,6 Milliarden Euro hatte Daimler bereits im Sommer 2019 für Aufwendungen im Dieselskandal beiseitegelegt, nun könnten noch einmal bis zu 1,5 Milliarden Euro hinzukommen. Die Causa entwickelt sich zum Fass ohne Boden. Und sie ist längst nicht das einzige vergiftete Erbe aus der Ära Zetsche.

    Der Manager mit dem markanten Schnauzbart war und ist eine Ausnahmeerscheinung. Daran besteht kein Zweifel. Zetsche hat Daimler nach dem Chrysler-Debakel gerettet und Mercedes wieder an die Spitze katapultiert. Er war die Galionsfigur des Kulturwandels, verordnete den einst bierernsten Stuttgartern mehr Selbstironie. Unter Zetsche wurde Daimler jünger, weiblicher und in puncto Absatz und Umsatz erfolgreicher denn je. Seine Lebensleistung ist unstrittig.

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    Zugleich wird aber immer deutlicher, wie sehr Zetsche in den letzten Jahren seiner 13 Jahre währenden Regentschaft als Daimler-Chef die Zügel schleifen ließ. Den Umschwung hin zur Elektromobilität hat er völlig verschlafen.

    Die CO2-Bilanz von Mercedes ist desaströs. Als einziger deutscher Fahrzeughersteller droht Daimler die Klimavorgaben der EU zu verfehlen. Neben hohen Geldstrafen droht ein weiterer Reputationsverlust. Zudem hinterließ er seinem Nachfolger Källenius hohe Pensionsverpflichtungen.

    Aufgrund dieser zwiespältigen Bilanz ist Zetsche eben nicht „prädestiniert“, in den Daimler-Aufsichtsrat einzuziehen. Der Wechsel vom Vorstand in den Kontrollrat sollte ohnehin eine Ausnahme sein und nur bei Kandidaten erfolgen, die über jeden Zweifel erhaben sind. Auf Zetsche trifft das nicht zu.

    Anders als BMW oder VW fehlt es Daimler zudem an einem schützenden Ankeraktionär, der einen Kandidaten wie Zetsche durchdrücken könnte. Vielmehr lehnen Investoren wie Union Invest seine Rückkehr strikt ab. Daimler braucht jetzt einen klaren Schnitt mit der Vergangenheit. Der amtierende Aufsichtsratschef Bischoff sollte alsbald einen anderen Kandidaten für seine Nachfolge suchen.

    Mehr: Daimler warnt seine Aktionäre vor neuen Belastungen im Dieselskandal, der Gewinn hat sich halbiert. CEO Källenius steht enorm unter Druck.

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    3 Kommentare zu "Kommentar: Dieter Zetsche sollte auf den Posten als Daimler-Chefaufseher verzichten"

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    • sehe ich genauso

    • Die Selbstgefälligkeit von Mercedes rächt sich nun sehr bitter, man hat Tesla in Stuttgart belächelt und jetzt
      setzt Tesla die Maßstäbe in der E - Mobilität.

    • Daimler Benz hat viel zu lange am Dieselmotor festgehalten bzw sie haben ihr absolutes Hauptaugenmerk viel zu lange auf den Diesel gelegt, speziell in der PKW Sparte. Das raecht sich jetzt. Und, ich muss es leider sagen obwohl jahrelanger Mercedes Fan, der Slogan "Das Beste oder nichts" gilt leider schon lange nicht mehr. Mit Ausnahme der A Klasse vielleicht. Aber z.Bsp. bei den E Klasse Dieseln die Motoren so zu konstruieren, dass die Steuerkette HINTER dem Motor bzw an der Spritwand liegt, ist ein schlechter Witz. So dass eine etwaige Reparatur vor allem Arbeitsstunden kostet...nicht gut, Daimler, nicht gut.

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