Kommentar: E wie ernüchternd – VW-Elektroboom hat zwei Haken

„Endlich!“, möchte man rufen – zumindest, wenn man sich noch für die deutsche Autoindustrie erwärmen kann: Volkswagen verkauft so viele E-Autos wie nie. Fast 15 Prozent legte die Kernmarke im ersten Halbjahr zu, in Europa fiel das Plus noch deutlich höher aus.
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Das klingt stark – doch Volkswagens E-Auto-Boom hat gleich zwei Haken:
- Erstens fällt das Wachstum auch deshalb so stark aus, weil das Vorjahr ungewöhnlich schwach war. 2024 schrumpfte der europäische E-Auto-Markt erstmals. Das abrupte Ende der Umweltprämie in Deutschland traf vor allem Volkswagen hart. Die aktuellen Zuwächse holen also zunächst einmal verlorenes Terrain zurück.
- Zweitens ist die Elektromobilität für VW bislang ein Zuschussgeschäft. Die operative Marge der Marke lag im ersten Quartal bei nur 0,5 Prozent – im Vorjahr waren es noch 3,9 Prozent.
Die Gründe sind vielfältig: hohe Batteriekosten, zunehmender Preisdruck, struktureller Umbau. Aber klar ist auch: Der gestiegene E-Anteil im Verkaufsmix belastet die Rendite. Zur Erinnerung: Ziel sind 6,5 Prozent Marge bis 2029. Davon ist man in Wolfsburg aktuell weit entfernt.
Immerhin: VW gelobt Besserung. Mit neuen Modellen wie dem 25.000-Euro-Stromer ID.2 sollen und wollen die Wolfsburger erstmals Margenparität erreichen. Der Beweis steht allerdings noch aus. Dazu kommt: In der Regel verdienen Autobauer ihr Geld nicht im Kleinwagen-, sondern im Premiumsegment.
VW bleibt wenig anderes übrig, als den E-Absatz hochzufahren. Denn ab diesem Jahr verschärft die EU ihre CO2-Flottenziele. Wer nicht liefert, zahlt – zwar erst nach 2027, doch entscheidend sind die Verkaufszahlen ab jetzt. Ohne frühzeitiges Gegensteuern drohen milliardenschwere Strafzahlungen.