Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Ein kleiner Schritt in das bildungspolitische 21. Jahrhundert

Der Schulgipfel bei der Kanzlerin hat sich gelohnt. Bund und Länder arbeiten zumindest nicht mehr gegeneinander. Und auch bei der Digitalisierung geht es voran – zumindest ein bisschen.
22.09.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Quelle: Burkhard Mohr für Handelsblatt
Karikatur
(Foto: Burkhard Mohr für Handelsblatt)

Berlin Es war der Liberale Jürgen Möllemann, der der Kultusministerkonferenz vor vielen Jahren einmal vorwarf, sie bewege sich mit der Langsamkeit einer griechischen Landschildkröte. Das war bösartig – aber treffend. 

Der Schulgipfel im Kanzleramt hat nun etwas mehr Tempo in die überfällige Digitalisierung des Schulwesens gebracht. Es ist bei Weitem keine Revolution, die da verabredet wurde, der Bund hat auch kein neues Geld auf den Tisch gelegt. Dennoch scheint eine neue Dynamik in die zähe und viele Jahre völlig vernachlässigte Modernisierung der Schulen zu kommen. 

Die Länder haben offenbar endlich begriffen, dass sie hier mit föderalem Klein-Klein nicht weiterkommen. Dass es – so abgedroschen es klingt – einer nationalen Anstrengung bedarf, damit Deutschland seinen peinlichen und bildungsfeindlichen Rückstand endlich aufholt. 

Der Bund wiederum hat verstanden, dass er Bürokratie abbauen muss, damit sein Geld vor Ort ankommt. Und dass es gerade in Pandemiezeiten beispielsweise nicht sein kann, dass Gelder wie die für Lehrer-Laptops erst irgendwann nächstes Jahr fließen, weil man dafür EU-Töpfe nutzen will. 

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Konkret sollen diese Lehrer-Laptops nun noch dieses Jahr gekauft werden können – der Bund schießt die nötigen 500 Millionen vor. Ebenfalls eine halbe Milliarde Euro gibt der Bund zusätzlich für IT-Administratoren in den Schulen – und finanziert hier erstmals auch Personal in den Schulen. Das war bisher absolut tabu. Insgesamt stellt der Bund nun 6,5 Milliarden Euro für die Digitalisierung bereit. 

    Schulgipfel sorgt für große Schritte in Richtung digitale Schule  Quelle: dpa
    Digitale Schule

    Es war überfällig, dass die von Corona so gebeutelte Schule – und nicht nur die Wirtschaft – endlich auch im Bund zur Chefsache wird.

    (Foto: dpa)

    Die Länder planen gemeinsame „Kompetenzzentren“, um die überfällige digitale Weiterbildung der Lehrer gemeinsam anzugehen. Noch sind die Pläne für die nötige Aufschulung unserer im internationalen Vergleich hochbezahlten Lehrkräfte sehr vage. Das müssen die Kultusminister nun schnell und effektiv untermauern. Digitale Weiterbildung muss für alle Pädagogen möglich – und bei Bedarf auch verpflichtend – sein. 

    All das wird im Schuljahr 2020/21 natürlich noch nicht dazu führen, dass überall das „Homeschooling“ reibungslos funktioniert, wenn es wegen neuer Coronafälle nötig sein wird. Aber die Maßnahmen weisen in die richtige Richtung. Damit steigt die Chance, dass wir unser Schulwesen – ganz unabhängig von Covid-19 – so modernisieren, dass wir irgendwann die vielfältigen Möglichkeiten digitaler Instrumente zum Nutzen unserer Schüler einsetzen können. 

    Ein Erkenntnisproblem haben wir hier schon lange nicht mehr, andere Nationen machen uns längst vor, wie es geht. Zum Beispiel das kleine Dänemark. 

    Deutschland gibt zu wenig Geld für Bildung aus

    Die Umsetzungsprobleme sind allerdings gewaltig: Sie reichen von hemmenden Vorgaben des Bundes – nicht nur im Bildungs-, sondern auch im Verkehrsministerium, das für die Breitbandanschlüsse der Schulen sorgen muss – über behäbige Kultusbürokratien und hilflose Kommunen bis hin zu den Schulen selbst, wo manche Rektoren und Lehrer die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt haben. 

    Ein finanzielles Problem haben wir jedoch aktuell nicht, noch nicht. Von den 6,5 Milliarden, die der Bund mittlerweile für den Digitalpakt bereitgestellt hat, ist bisher nur ein Bruchteil angekommen. 

    Mittelfristig ist allerdings sehr wohl mehr Geld im System nötig. Denn die Digitalisierung ist ein Dauerposten, Ausgaben für Geräte, Programme und Schulungen fallen immer wieder aufs Neue an. Unternehmen wissen das, die Bildungspolitiker müssen das noch lernen. 

    Deshalb müssen sich Bund und Länder sehr bald Gedanken machen, wie diese Ausgaben strukturell dauerhaft gesichert werden können. Alle paar Jahre einen neuen Digitalpakt mit Bundesmilliarden aufzulegen kann nicht das Ziel sein. 

    Ein Blick in die Welt zeigt, dass Deutschland seit Jahren ohnehin zu wenig für die Sicherung des Humankapitals ausgibt – und auch deshalb viel zu viele am unteren Rand zurücklässt. Nur neun Prozent der Staatsausgaben fließen in Bildung – OECD-weit sind es im Schnitt elf Prozent. In Ländern wie der Schweiz, Neuseeland, Israel, Dänemark, Australien, Norwegen und Großbritannien sogar zwölf bis 14 Prozent. Auch der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt ist unterdurchschnittlich. 

    Angesichts der Herausforderungen war es überfällig, dass die Kanzlerin die von Corona so gebeutelte Schule – und nicht nur die Wirtschaft – zur Chefinnen-Sache gemacht hat. Wenn sie vor ihrem Abgang die von ihr einst ausgerufene „Bildungsrepublik Deutschland“ tatsächlich aber noch substanziell und strukturell voranbringen will, muss sie sich beeilen. An den Kultusministern wird es nicht scheitern – die Landschildkröte läuft so schnell wie nie. Aber für wirklich große Sprünge braucht die Kanzlerin die Ministerpräsidenten. Nur die Regierungschefs können gemeinsam ein neues Fundament legen, damit Deutschland in der Bildung endlich der Sprung aus der Mittelmäßigkeit gelingt. 

    Mehr: Deutschland beim digitalen Lernen im internationalen Vergleich hinten

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Ein kleiner Schritt in das bildungspolitische 21. Jahrhundert
    0 Kommentare zu "Kommentar: Ein kleiner Schritt in das bildungspolitische 21. Jahrhundert "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%