Kommentar: Ein Ölembargo wäre ein Experiment mit ungewissem Ausgang
Der Großraum Berlin-Brandenburg ist stark von der Raffinerie, die mehrheitlich zum russischen Rosneft-Konzern gehört, abhängig.
Foto: REUTERSDie EU nimmt Kurs auf ein Embargo für russisches Öl. Die EU-Staaten haben tief in den Instrumentenkasten geschaut und Werkzeuge hervorgekramt, die eher Unsicherheit als Entschlossenheit widerspiegeln. Ob sich die EU-Staaten nun für einen Preisdeckel, für ein Embargo auf Raten, also mit Übergangsfristen, oder doch für Strafzölle auf russisches Öl entscheiden, ist letztlich egal: Die Risiken sind immens.
Es gilt beim Öl, was auch mit Blick auf Erdgas gilt: Es ist schwierig, mit einem Boykott zu drohen, wenn offensichtlich ist, dass Alternativen nicht ausreichend vorhanden sind. Deutschland ist beim Öl wie beim Gas besonders betroffen.
Zwar konnte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kürzlich verkünden, Deutschland beziehe nicht mehr wie noch 2021 sein Rohöl zu 35 Prozent aus Russland. Vielmehr seien es nur noch zwölf Prozent. Doch die zwölf Prozent sind nur schwer zu ersetzen. Sie gehen hauptsächlich an eine einzige Raffinerie in Brandenburg, die von der Ölinfrastruktur Westdeutschlands abgeschnitten ist.