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KommentarEin Junkie stellt Bedingungen – die EU isoliert sich auf den Energiemärkten

Die Warnung Katars, die Belieferung mit LNG einzustellen, sollte die Europäer zum Umdenken bewegen. Die EU bewegt sich als Geisterfahrer auf den globalen Energiemärkten.Klaus Stratmann 06.11.2025 - 14:07 Uhr
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LNG-Terminal in Katar: Das Land weist darauf hin, dass die geplante EU-Lieferkettenrichtlinie enorme wirtschaftliche Risiken zur Folge hätte. Foto: AP

Europa ist in hohem Maß von Gas- und Ölimporten abhängig. Das zwingt die Europäer zwar nicht zur Unterwürfigkeit gegenüber Lieferanten. Aber etwas mehr Realitätssinn würde schon reichen. Die Drohungen aus Katar, die Belieferung Europas mit verflüssigtem Erdgas (Liquefied Natural Gas, kurz LNG) einzustellen, sind ein deutliches Warnsignal.

Die Katarer weisen darauf hin, dass die geplante EU-Lieferkettenrichtlinie sie enormen wirtschaftlichen Risiken aussetzen würde. Die Richtlinie soll Unternehmen verpflichten, negative Auswirkungen auf Menschenrechte und Umwelt entlang der gesamten Lieferkette zu verhindern und Klimatransformationspläne in Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen zu entwickeln. Wer diese Bedingungen nicht erfüllt, dem droht die EU Strafen in Höhe von bis zu fünf Prozent des weltweiten Nettoumsatzes an. Ja, des Umsatzes – nicht des Gewinns.

Es ist nachvollziehbar, dass sich die Katarer diesen Bedingungen nicht beugen wollen. Und sollten sie es doch tun, dann würden sie einen kräftigen Preisaufschlag für Lieferungen nach Europa verlangen.

Und hier liegt der Kern des Problems: Die EU-Staaten, angetrieben von der EU-Kommission, verständigen sich darauf, hehre politische Ziele mit Fragen der Beschaffung von Energierohstoffen zu vermengen. Bezahlen müssen das Unternehmen und private Konsumenten in Europa. Die Bedingungen, die von der EU definiert werden, sind moralisch über jeden Zweifel erhaben, ökonomisch sind sie eine Katastrophe.

China ist der Gewinner

Gewinner sind große Energieimporteure wie etwa China, deren Position als Abnehmer von Öl und Gas sich verbessert.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) reist in der kommenden Woche zu politischen Gesprächen nach Katar. Dort wird sie eine Menge zu erklären haben. Die Katarer – und auch andere große Öl- und Gasproduzenten – haben darauf gesetzt, dass es der Bundesregierung gelingt, die EU-Lieferkettenrichtlinie zu entschärfen. Doch das ist im Oktober am Widerstand des EU-Parlaments gescheitert. Für die Ministerin sind das keine angenehmen Ausgangsvoraussetzungen.

Nicht nur die Lieferkettenrichtlinie sorgt auf den Weltmärkten für Störgefühle. Ein paar Beispiele:

Absurdes Anspruchsdenken beim Wasserstoff

Noch immer wollen sich die Europäer nicht eingestehen, dass sie noch sehr lange Erdgas benötigen werden. Produzenten, die Milliarden investieren, um neue Produktionskapazitäten zu erschließen, brauchen aber langfristig orientierte Vertragspartner. Selbst Norwegen, einer der wichtigsten Gaslieferanten der EU, klagt: Vielen Politikern in Europa fehle bis heute das Verständnis dafür, dass eine gesicherte Nachfrage mit langfristigen Abnahmeverträgen essenziell für die Unternehmen der Branche ist.

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Geradezu absurd ist das Anspruchsdenken der EU beim klimaneutralen Energierohstoff der Zukunft, also beim grünen Wasserstoff. Kaum jemand bestreitet, dass die Europäer einen großen Teil des grünen Wasserstoffs aus sonnen- und windreichen Regionen des globalen Südens werden importieren müssen.

Potenzielle Lieferanten verdrehen die Augen

Längst verdrehen potenzielle Lieferanten die Augen, wenn Europäer mit ihnen ins Geschäft kommen wollen. Denn die EU akzeptiert den Wasserstoff nur als grün, wenn der für die Wasserstoffproduktion erforderliche Strom in eigens errichteten Wind- oder Photovoltaikparks produziert wird und die Herstellung in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Stromerzeugung steht. Das senkt die Auslastung und erhöht die Kosten. Wasserstoffproduzenten in aller Welt winken ab – und liefern ihr Produkt gerne in ebenfalls wasserstoffhungrige Länder wie Japan.

Die EU agiert hier wie ein Heroinsüchtiger, der nur Stoff aus nachhaltigem Schlafmohn-Anbau akzeptiert.

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Und auch die Methanverordnung gehört in diesen Kontext. Sie zielt darauf ab, klimaschädliches Methan systematisch zu reduzieren – nicht nur innerhalb der EU, sondern auch entlang der globalen Lieferketten.

Manchmal hilft ein Blick auf die Weltkarte: Der überwiegende Teil der Vorräte an fossilen Brennstoffen liegt nicht in lupenreinen Demokratien. Und auch grünen Wasserstoff werden die Europäer aus Autokratien mit zweifelhaftem Verhältnis zu Themen wie Klimaschutz und Einhaltung der Menschenrechte beziehen müssen. Dieser Realität müssen sie sich stellen.

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