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Kommentar Ein Staatskredit für Galeria Karstadt Kaufhof wäre eine Investition in die Vergangenheit

Die Politik darf nicht mit aller Kraft alte Geschäftsmodelle erhalten. Stattdessen sollte sie schauen, welche neuen Handelskonzepte Innenstädte attraktiver machen.
27.01.2021 - 10:01 Uhr 2 Kommentare
Auch nach dem Ende des Lockdowns werden Warenhäuser keine Kundenmagneten für die Innenstadt mehr. Quelle: imago images/Arnulf Hettrich
Kaufhof-Filiale

Auch nach dem Ende des Lockdowns werden Warenhäuser keine Kundenmagneten für die Innenstadt mehr.

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

Jetzt wirbt sogar der Handelsverband offensiv bei der Regierung dafür, dem Warenhausbetreiber Galeria Karstadt Kaufhof ein Darlehen zu gewähren, um die Folgen der Pandemie abzufedern. Die Politik sollte sich solch einen Schritt gut überlegen. Es gibt zahlreiche Gründe, die dagegensprechen.

Die Befürworter argumentieren, dass dies ja nur eine Überbrückungshilfe sei, bis der Neustart gelungen ist. Doch Karstadt und Kaufhof hatten bereits Jahrzehnte Zeit zu beweisen, dass das Warenhaus eine Zukunft hat.

Immer wieder hat es Ankündigungen für vermeintlich spannende neue Konzepte gegeben, mal über die Veränderung des Sortiments, mal über mehr Erlebnis, mal über die Einbindung von Partnern in Form eines Marktplatzes, mal über eine digitale Verlängerung der Filiale. Doch letztlich blieb es beim alten Warenhaus.

Ein Kaufhof oder Karstadt sieht heute nicht viel anders aus als vor Jahren – und verliert deshalb immer weiter Kunden. Wer bringt da noch die Fantasie auf, dass beim nächsten Mal alles besser wird? Wenn Eigentümer René Benko unbedingt beweisen möchte, dass große Warenhäuser auch in Zukunft noch gebraucht werden, dann kann er das mit eigenem Geld tun.

Ja, natürlich: Es wäre ein Kredit, den das Unternehmen mit Zinsen zurückzahlen müsste. Doch es hat ja einen Grund, dass Galeria auf den Staat zukommt. Offenbar rennen die Banken dem Unternehmen für eine Finanzierung die Tür nicht mehr ein.

Ein Warenhaus ist nicht systemrelevant

Dass das Warenhausgeschäft risikobehaftet ist und ein Ausfall der Forderungen möglich, hat schon das gerade erst abgeschlossene Insolvenzverfahren gezeigt, bei dem die Gläubiger auf 2,2 Milliarden Euro verzichten mussten. Der Staat tut also gut daran, sorgfältig abzuwägen, wie sicher ein solches Engagement wäre, und sich nicht davon blenden zu lassen, dass angeblich 80.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.

Geradezu Unfug ist, die Warenhäuser wie der Handelsverband als „systemrelevant“ zu bezeichnen. Eine Stadt, die auf solche Geschäftsmodelle der Vergangenheit als Besuchermagnet angewiesen ist, hat sehr viel falsch gemacht.

Es gibt viele moderne Handelskonzepte, die einen Weg in die Digitalisierung weisen und die noch in einigen Jahren für die Konsumenten interessant sein können. Eine Stadt, die das noch nicht erkannt hat, sollte schleunigst umsteuern und nicht der Vergangenheit nachtrauern.

Diese neuen Konzepte zu fördern und in moderne Stadtplanungskonzepte einzubinden, das ist systemrelevant. Und dort wären Kredite eine Investition in die Zukunft – und nicht in die Vergangenheit.

Mehr: Lockdown wirft Karstadt Kaufhof bei Sanierung zurück – Verband hält Konzern für „systemrelevant“

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2 Kommentare zu "Kommentar: Ein Staatskredit für Galeria Karstadt Kaufhof wäre eine Investition in die Vergangenheit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warenhäuser in dieser Form sowie diesem Umfang sind nicht mehr zeitgemäß. Nur die Produktpaletten zu kürzen, Mitarbeiter entlassen sowie Standorte verkaufen kann nicht zum Erfolg führen. Das Problem ist aus meiner Sicht in den Abteilungen in jedem Haus zu finden. Bei dem was sie bisher unternommen hatten haben sie das Rad nicht neu erfunden, nur ein anderes Material genommen. Vielleicht kommen die Herren ja selbst drauf und versuchen es mal mit einem entsprechenden Pilotprojekt.
    Wenn der Staat sich mit Steuergeldern beteiligt kann das langfristig gesehen nicht gut ausgehen weil das Erfolgskonzept nicht steht bzw. mit dem vorhandenen Konzept kein Blumentopf zu gewinnen ist.

  • Die Warenhäuser wie Galeria-Kaufhof sind nun wirklich keine Corona-Opfer. Sondern es ging ihnen vorher schon schlecht. Versand-Firmen, Einkaufszentren und Spezial-Geschäfte haben sie ignoriert, und für den Einzelhandel in den Innenstädten waren sie nur lästig.
    Sie sind halt ein Überbleibsel aus dem vor-vorigen Jahrhundert, und wenn sie sich nicht anpassen oder erneuern wollen, wird sie niemand vermissen.
    Und das gilt auch und gerade für die "Leuchttürme", etwa das KdW in Berlin. Vor nicht allzu langer Zeit (aber noch vor Corona) ging ich dort in den obersten Stock. Er war fast völlig leer, und in der Mitte stand die Austernbar, mein Ziel. Dort bestellte ich ein Dutzend Austern und bat die Bedienung, sie mir zu dem ebenfalls völlig leeren Café vielleicht 10 Schritte weiter zu bringen. Die Antwort: "Die Austern essen Sie gefälligst hier an der Bar, da könnte ja jeder kommen".
    Es kommt aber keiner, und ich ging ohne die Austern. Und die Bundesregierung sollte um Gottes Willen nicht versuchen, das mit viel Geld zu ändern.

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