Kommentar: Es ist keine schnelle Abkehr von Öl, Kohle und Gas zu erwarten

Nach drei Klimakonferenzen in Ländern mit autoritären Regierungen und starkem Fokus auf fossile Energien findet die Konferenz nun wieder in einem demokratischen Staat statt. Deshalb sind die Erwartungen an Gastgeber Brasilien groß: In den kommenden Tagen soll das Land wichtige Fortschritte für den Klimaschutz voranbringen.
Zur Halbzeit in Belém zeigt sich: Es bleibt ein schwieriges Unterfangen. Die Regierungen wissen, was zu tun wäre, aber sie handeln nicht mit der nötigen Geschwindigkeit und Konsequenz, um die Erderwärmung abzubremsen. Die Politik laviert zwischen Anspruch und Umsetzung.
Der Anspruch ist klar: die Erfüllung des Pariser Klimaabkommens. Nahezu alle Staaten weltweit haben sich vor zehn Jahren in der französischen Hauptstadt dazu verpflichtet, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit zu begrenzen. Damit sollen die schlimmsten Folgen des menschengemachten Klimawandels begrenzt werden.
Seit 2015 ist einiges passiert. Das Abkommen hat den Blick auf Klimaschutz geschärft. Viele Staaten peilen Klimaneutralität um die Mitte des Jahrhunderts an, bauen erneuerbare Energien aus. Weltweit haben sich Unternehmen auf den Weg gemacht, klimafreundlicher zu wirtschaften, und Milliarden investiert.
Keine schnelle Abkehr von Kohle, Öl und Gas zu erwarten
Man könnte sagen: Die Richtung stimmt. Da jedoch gleichzeitig der globale Energiebedarf steigt und fossile Brennstoffe in vielen Ländern immer noch die Wirtschaft prägen, ist letztlich keine schnelle Abkehr von Kohle, Öl und Gas zu erwarten. Die klimaschädlichen CO2-Emissionen werden wohl 2025 auf ein Rekordhoch steigen. Das Paris-Ziel wird damit immer unrealistischer.
Tragisch an diesem Befund ist, dass sich die meisten Staaten des Problems bewusst sind und zunehmend an den Folgen der Erwärmung leiden. Extremwetterlagen nehmen global zu, die volkswirtschaftlichen Schäden steigen, und doch wird Klimaschutz nicht als eine der drängendsten Aufgaben verstanden.
Der Blick nach Europa und Deutschland zeigt, wie sehr gerade das große Ziel der Klimaneutralität unter Druck gerät. Hier ist es gerade angesagt, die wirtschaftliche Schwäche an Klimaschutz festzumachen und die Sinnhaftigkeit von Klimaschutzmaßnahmen immer wieder zu bezweifeln.
Um nicht missverstanden zu werden: Natürlich darf Klimaschutz die Wirtschaft nicht überfordern, das gilt national und international. Doch gerade in Deutschland belasten seit Jahren verschleppte Strukturanpassungen die Wettbewerbsfähigkeit. Die Politik macht es sich zu leicht, wenn sie immer wieder den Klimaschutz zum Sündenbock erklärt. Und sie blendet vor allem aus, dass der Klimawandel zu einem ernsthaften Wohlstands- und Sicherheitsrisiko wird.
Erstpublikation: 15.11.2025, 16:30 Uhr.