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Kommentar Europas Wirtschaft könnte schon bald sehr chinesisch sein

Die EU muss den Konkurrenzkampf aufnehmen und investieren, um sich gegen China und die USA zu wehren. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten.
18.05.2021 - 13:33 Uhr Kommentieren
Europa wird für die klimaneutrale Zukunft viele Batterien benötigen – darf sich dabei aber nicht von China abhängig machen. Quelle: REUTERS
Batterieproduktion in China

Europa wird für die klimaneutrale Zukunft viele Batterien benötigen – darf sich dabei aber nicht von China abhängig machen.

(Foto: REUTERS)

Es ist ein interessanter Vorgang, der sich gerade in Brüssel abspielt. Die EU vollzieht eine Kehrtwende in ihrer Industriepolitik, und die wichtigste Kritik daran ist, dass sie noch nicht konsequent genug ist. Echten Widerstand gegen die Abkehr vom Primat der offenen Märkte gibt es nicht. Untereinander will man weiter Handelshemmnisse abbauen. Nach außen aber, beim Handel mit China, den USA und anderen, nimmt die EU den Konkurrenzkampf auf.

Die Zeit dafür drängt, denn die europäische Wirtschaft wird in zehn Jahren eine andere sein als heute. Sie wird klimafreundlicher sein und digitaler. Dazu braucht es neue Netze, neue Kraftwerke, neue Fabriken. China ist bei diesem Wandel in vieler Hinsicht weiter als Europa. Zwar werden dort auch noch Kohlekraftwerke gebaut. Aber bei Batterien und Halbleitern liegt man im Vergleich mit europäischen Unternehmen deutlich vorne.

Chinesische Unternehmen kaufen sich ein in europäische Datennetze und in den Bereich, in dem Deutschland seine größte Stärke sieht: die automatisierte Industrieproduktion, gesteuert von Künstlicher Intelligenz. Wenn die EU nicht aufpasst, wird ihre Wirtschaft bald auch sehr viel chinesischer sein. Durchdrungen von US-amerikanischer Technik ist sie ohnehin schon.

Nicht am Bedarf vorbei investieren

Jahrzehntelang steckte die EU viel Geld in den Agrarsektor, um nicht auf Lebensmittelimporte angewiesen zu sein. Nun sieht sie eine Gefahr darin, dass sie vom guten Willen ihrer Daten-, Batterie- und Chiplieferanten abhängig ist. Darum will sie nun aufholen: Cloud-Server sollen entstehen, Microchips und Batterien. Zu Lieferketten bei strategisch wichtigen Ressourcen soll es immer auch Alternativen geben.

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    Dabei ist höchste Vorsicht geboten, damit die EU nicht am Bedarf vorbei investiert. In den 1980er-Jahren saßen die EU-Staaten auf Butterbergen und Milchseen, weil sie den Agrarmarkt falsch gesteuert hatten. Im schlimmsten Fall müssen sie bald minderwertige Batterien horten, während sich die Autohersteller auf chinesische Qualität verlassen.

    Doch gerade in den letzten Monaten ist sehr deutlich geworden, wie schädlich es auch sein kann, sich auf den freien Handel zu verlassen, wenn sich die Lieferanten abschotten. Die Autoproduktion hatte mit Lieferengpässen bei Computerchips zu kämpfen, Zutaten für Impfstoffe fehlten, steigende Rohstoffpreise verhindern Investitionen.

    Es geht dabei vor allem um China, aber auch um Länder wie Vietnam oder Brasilien und mindestens im Falle der Impfstoffe um die USA. Washington wird auch unter Joe Biden nicht so schnell wieder zu dem engen, verlässlichen Partner werden, als den die EU die USA lange sah. Biden setzt lieber auf „buy american“.

    So richtig es ist, dass sich die EU weltweit für freien Handel einsetzt, so richtig ist auch die Erkenntnis: Auf Dauer funktioniert freier Handel nur, wenn er auf Gegenseitigkeit beruht.

    Mehr: Abschied vom Mantra offener Märkte: EU wehrt sich gegen unfaire Konkurrenz

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