Kommentar: Familienunternehmer riskieren bei der AfD gefährlichen Dammbruch

Die Öffnung einzelner Wirtschaftsverbände gegenüber der AfD folgt der Hoffnung, man könne die Partei im direkten Gespräch politisch entlarven. Man müsse die AfD politisch stellen, sagt die Präsidentin des Familienunternehmer-Verbands Marie-Christine Ostermann. Das gelinge aber nicht, wenn man ausschließlich in den „Kategorien gut oder böse“ über die AfD spreche.
Diese Vorstellung ist erstaunlich naiv. Sie ignoriert, worum es bei der AfD längst geht: nicht um ökonomische Vernunft, sondern um ein politisches Projekt, das sich gegen grundlegende Prinzipien einer offenen, liberalen und rechtsstaatlichen Ordnung richtet. Man braucht wirklich kein Gespräch, um das wahre Wesen dieser Partei zu erkennen und sich die Folgen davon auszumalen.
Die AfD pflegt völkisches Gedankengut, unterhält Kontakte zu autokratischen Systemen wie Russland und sucht die Nähe zu antidemokratischen Bewegungen wie MAGA in den USA. Sie attackiert demokratische Institutionen und arbeitet strategisch an einer Normalisierung ihrer Positionen.
Diese Grundlagen lassen sich nicht im Rahmen technischer Wirtschaftsgespräche „entzaubern“. Eine Partei, die demokratische Werte ablehnt, kann kein legitimer Gesprächspartner für wirtschaftliche Interessenvertretung sein.
Wer dennoch auf Austausch setzt, riskiert genau das, was Ostermann abstreitet: eine Normalisierung. Allein die Geste des Dialogs wirkt wie ein politisches Signal, dass die AfD als Option im demokratischen Wettstreit ernst genommen werden könne.
Das ist nicht nur politisch gefährlich, sondern auch aus wirtschaftlicher Perspektive kurzsichtig. Unternehmen sind auf stabile demokratische Institutionen, berechenbare Rechtsstaatlichkeit, offene Märkte und internationale Partnerschaften angewiesen – alles Elemente, die in den Konzepten der AfD massiv infrage stehen.
Verantwortungsbewusste Unternehmer sollten sich daher klar positionieren: Die Wirtschaft hat kein Interesse an Parteien, die Rechtsstaat und Verfassung angreifen. Die Wirtschaft sollte sich eindeutig an die Seite der liberalen Demokratie stellen – laut, klar und ohne taktische Rücksichten. Nur so lassen sich die Grenzen aufzeigen, die gegenüber der AfD notwendig sind.
Erst recht, seit der Verfassungsschutz die AfD als gesichert rechtsextrem eingestuft hat. Diese Einstufung ist ein Warnsignal, das zwingend Konsequenzen haben muss. Wer demokratische Verantwortung ernst nimmt, sollte sich nicht für Gespräche mit dieser Partei öffnen.
Der AfD muss klar zu verstehen gegeben werden, dass sie systematisch gegen die freiheitliche Ordnung arbeitet und damit kein Partner sein kann, sondern ein Risiko ist. Deshalb führt auch kein Weg daran vorbei, ein mögliches Verbot der AfD ernsthaft zu prüfen.
