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Kommentar Für deutsche Banken sollten die US-Ergebnisse ein Alarmsignal sein

Während die Wall Street feiert, darbt die Main Street. Denn die Billionen an Staatshilfen und Liquidität haben vor allem den Investmentbanken geholfen.
16.07.2020 - 20:54 Uhr Kommentieren
Neue Aktien und Anleihen wurden mit offenen Armen aufgenommen. Quelle: AFP
Wall Street

Neue Aktien und Anleihen wurden mit offenen Armen aufgenommen.

(Foto: AFP)

Party an der Wall Street. Existenznöte auf der Main Street. Das ist das Bild, das die Bankenergebnisse in den USA diese Woche zeichnen: Während Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley Zahlen vorlegen, die selbst die optimistischsten Analysten nicht erträumen konnten, haben normale Geschäftsbanken mehr als 30 Milliarden Dollar zur Seite gepackt, um sich für ausfallende Kredite zu wappnen.

Bankenergebnisse gelten als Barometer für die gesamte Wirtschaft. In den USA zeigen sie, dass die Stimuluspakete der US-Notenbank Fed und der Regierung vor allem den Finanzmärkten und weniger der Realwirtschaft geholfen haben. Die Banken stellen sich mit ihren milliardenschweren Rücklagen darauf ein, dass viele Unternehmen und Privatpersonen in den kommenden Monaten ihre Kredite nicht zurückzahlen werden.

Die Billionen an Staatshilfen und Liquidität haben vor allem den Investmentbanken geholfen. JP Morgan und Citi konnten nur deshalb die Erwartungen der Analysten übertreffen, weil ihr Investmentbanking und der Handel mit Wertpapieren so hervorragend gelaufen ist. Eine Bank wie Wells Fargo dagegen, die vor allem als Retailbank unterwegs ist, musste einen Verlust vorlegen und wird wohl Tausende Beschäftigte entlassen.

Dank der Stimuluspakete haben die Kurse an den Finanzmärkten im zweiten Quartal Rekorde gebrochen: Der Technologie-Index Nasdaq erreichte im Juni den höchsten Wert aller Zeiten. Trotz Pandemie und dadurch verursachten Konjunktureinbruchs haben die Anleger weiter Milliarden investiert.

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    Einige Finanzmarktexperten begründen das mit dem sogenannten „TINA“-Phänomen – „There Is No Alternative“. Irgendwo muss das Geld schließlich hin, wenn die Zinsen so niedrig sind.

    Hohe Provisionsergebnisse

    Deshalb wurden neue Aktien und Anleihen mit offenen Armen aufgenommen. Dabei platzierten die meisten Unternehmen ihre Papiere am Markt, um sich für schwierige Zeiten ein Kapitalpolster anzulegen – auch aus Sorge, dass die Banken sie nicht mehr finanzieren könnten. Eigentlich ein Alarmsignal, doch sogar gebeutelte Industrien wie die Kreuzfahrtschiff-Unternehmen fanden Investoren für ihre Aktien und Anleihen.

    Den Investmentbanken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley und den Investmentbanking-Bereichen von JP Morgan und Bank of America bescherte das hohe Provisionsergebnisse. Goldman konnte mitten in der Coronakrise sogar das zweitbeste Quartalsergebnis seiner Geschichte vorlegen.

    Sosehr sich die Investmentbanken über heftige Gewinne freuen, so leiden die Banken unter den niedrigen Zinsen und den Problemen ihrer Unternehmenskunden in der Coronakrise. Da die Pandemie in den USA immer neue Höchststände erreicht, stellen sich die meisten Banken auf eine längere Rezession ein, die Unternehmenspleiten und zahlungsunfähige Privatpersonen mit sich bringen werden.

    Deshalb haben die US-Banken massiv vorgesorgt: JP Morgan hat 10,5 Milliarden Dollar für ausfallende Kredite zur Seite gelegt, Wells Fargo 9,6 Milliarden Dollar, Citi 7,9 Milliarden Dollar.

    Für die deutschen Banken sollten die US-Ergebnisse ein Alarmsignal sein. Schließlich sind sie längst nicht so stark wie ihre amerikanischen Pendants in die Coronakrise hineingegangen. Die US-Banken haben in den vergangenen Jahren gut verdient und sind mit einer guten Kapitalausstattung in die Krise gekommen: Fast alle haben auch die jüngsten Stresstests der Fed gut überstanden. Außerdem haben die US-Banken schon im ersten Quartal, als das hohe Ausmaß der Pandemie noch nicht absehbar war, Milliarden zurückgelegt.

    Neue Höchststände

    Wie immer zeigen sich die Auswirkungen auf die Realwirtschaft in den USA deutlich schneller als in Deutschland. Das liegt am Kündigungsschutz und der anderen Mentalität, die dazu führt, dass die Konjunktur in den USA bei Krisen schneller einbricht, aber sich dafür auch meist schneller wieder erholt.

    In Deutschland wird man die Auswirkungen der Coronakrise wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum und dafür in milderer Form spüren. Doch auch hierzulande warnen die Bafin und Berater bereits, dass Kreditausfälle die deutschen Banken stark treffen werden. Und die Institute haben – bis auf wenige Ausnahmen – kein so starkes Investmentbanking- und Handelsgeschäft, das ihnen hilft, das auszugleichen.

    Dafür haben die deutschen Banken aber immerhin eine Regierung, die die Gefahr des Coronavirus nicht unterschätzt hat und durch frühere Maßnahmen die Weichen für die Wiedereröffnung der Wirtschaft gestellt hat. ´

    Viele US-Bundesstaaten müssen dagegen gerade ihre Öffnungen wieder rückgängig machen, weil das Virus derzeit immer neue Höchststände erreicht. Das bedeutet weitere Unternehmenspleiten und weitere Verluste für die Banken. Die Wall Street wird wahrscheinlich weiter feiern, während die Main Street darbt.

    Mehr: Goldman Sachs erzielt zweithöchste Einnahmen der Firmengeschichte.

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