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Kommentar Großaktionär Thiele stellt bei der Lufthansa die richtigen Fragen

Der Unternehmer Heinz Hermann Thiele spielt bei der Lufthansa auf Risiko. Doch der Staat ist bei der Rettung der einst umsatzstärksten Airline der größere Zocker.
18.06.2020 - 14:44 Uhr 3 Kommentare
Der Lufthansa-Großaktionär fordert Nachbesserungen beim Rettungspaket für die Airline. Quelle: Bloomberg
Heinz Hermann Thiele

Der Lufthansa-Großaktionär fordert Nachbesserungen beim Rettungspaket für die Airline.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Der Vorgang dürfte in der deutschen Wirtschaftsgeschichte einmalig sein. Ein erfolgreicher Unternehmer und Milliardär stellt sich bei der Rettung eines deutschen Dax-Konzerns durch den Staat in letzter Minute quer. Was der Münchener Unternehmer Heinz Hermann Thiele gerade macht, wirkt irre.

Auf dem Rücken von fast 140.000 Beschäftigten zockt der 79-Jährige um seinen Einfluss bei der bisher umsatzstärksten Fluggesellschaft in Europa. Doch auch wenn hinter der Attacke von Thiele ein ausgeprägtes Ego stehen mag, einige der Fragen, die er nun aufgeworfen hat, sind richtig und wichtig.

Ist das Rettungspaket, das in der kommenden Woche von den Aktionären verabschiedet werden soll, tatsächlich die beste Alternative? Zweifel sind angebracht. Allein die Aussagen derjenigen, die auf der Seite des Bundes verhandelt haben, sind entlarvend.

Das Stabilisierungspaket soll nicht weniger als dem Unternehmen trotz der massiven Folgen der Pandemie eine Zukunft geben, die Jobs sichern, das Klima retten und dabei auch noch eine ansehnliche Rendite für den Steuerzahler erwirtschaften. Wo immer es eine solche Investmentmöglichkeit geben sollte, es wäre wohl der Verkaufsschlager bei Investoren.

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    Doch es gibt eine solche Investmentmöglichkeit nicht. Was der Bund den Lufthansa-Managern anbietet, ist eine reine Wunschvorstellung.

    Das Vehikel, über das Lufthansa gerettet werden soll, nennt sich Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Die Betonung liegt auf „Stabilisierung“. Damit sollte klar sein, was dieser eigens zur Abfederung der Folgen von Covid-19 kreierte Fonds zum Ziel hat: in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen zu helfen, die Krise zu überbrücken. Das kostet Geld, es bringt aber keines.

    Daraus ergibt sich die Kernfrage, die auch Thiele berechtigterweise umtreibt: Gab oder gibt es alternative Möglichkeiten? Die Antwort ist ein klares Ja. Anders als es Thiele – den man auf Lufthansa- und auch auf Politikseite wohl zu wenig eingebunden hat – vielleicht wahrnimmt, wurden und werden diese Alternativen auch sehr ernsthaft geprüft.

    Eine grundsätzliche Möglichkeit wäre es gewesen, eine umfangreiche Kapitalerhöhung bei den Bestandsaktionären durchzuführen, begleitet von einem großen Kredit, etwa besichert durch die staatseigene KfW beziehungsweise den Bund und die Länder. Das Problem: Das Zeitfenster für eine solche Maßnahme war sehr klein.

    Die Kapitalerhöhung hätte direkt zu Beginn des Corona-Ausbruchs eingeleitet und schnell umgesetzt werden müssen. Da waren die dramatischen Folgen der Pandemie aber für viele noch nicht wirklich absehbar.

    Am Ende war Lufthansa in einer eher schwachen Verhandlungsposition

    Eine andere Möglichkeit wäre es gewesen, die Beteiligung des Staates kleiner zu gestalten, etwa auf dem Niveau von zehn Prozent des Grundkapitals. Damit hätte man eine Zustimmung der Hauptversammlung umgehen können – und auch das nun entstandene Risiko, in der kommenden Woche am Votum der Aktionäre zu scheitern.

    Und dann ist da noch die Möglichkeit der geplanten Insolvenz, etwa in Form des Schutzschirmverfahrens. Es würde vieles einfacher machen. Verträge mit Lieferanten, mit den Gewerkschaften, mit Immobilienbetreibern – sie alle könnten neu verhandelt werden. Zudem ließen sich Strukturen schneller glattziehen.

    Doch ein solches Verfahren hat auch Nachteile. Einer ist der Imageverlust. Die große und mächtige Lufthansa pleitegehen zu lassen – das ist und war für viele keine Option. Vor allem aber hätte der Bund auch in diesem Fall einen milliardenschweren Massekredit stellen müssen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

    Am Ende war Lufthansa in einer eher schwachen Verhandlungsposition. Ein Kredit allein wäre nicht gegangen, dann wäre das Unternehmen überschuldet. Also benötigte man auch Eigenkapital.

    Das wiederum waren Teile der Regierung, allen voran die SPD, nur bereit zu geben, wenn es erhebliche Mitspracherechte gab. Die damit verbundenen Risiken – die fragliche Zustimmung der anderen Anteilseigner und auch die Genehmigungshürden in Brüssel – wischte man in Berlin viel zu leichtfertig in den Wind.

    Nun ist das Debakel da. Thiele hält der Politik völlig zu Recht den Spiegel vor. Auch wenn der Unternehmer in seiner Einschätzung irrt, dass Lufthansa besser hätte verhandeln können. Das Paket, wie es vorliegt, ist in der jetzt völlig verfahrenen Situation tatsächlich alternativlos. Es sei denn, man will die Insolvenz.

    Die Hoffnung bleibt, dass das Rettungspaket in der kommenden Woche doch noch die notwendige Zustimmung erhält. Thiele ist ein Profi. Er weiß, dass sich Abwarten lohnt. Irgendwann muss der Staat bei Lufthansa auch wieder raus. Dann könnte die Stunde des Münchener Unternehmens schlagen.

    Denn auch die SPD kann gegenüber dem Bürger kaum erklären, warum man viel Steuergeld mit einem gewissen Risiko investiert, wenn ein anderer bereit ist, dieses Risiko zu tragen. Die Geschichte der Rettung von Deutschlands Flaggschiff-Airline ist längst noch nicht zu Ende.

    Mehr: Neues Bangen um die Lufthansa – Warum die Rettung wieder wackelt

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    3 Kommentare zu "Kommentar: Großaktionär Thiele stellt bei der Lufthansa die richtigen Fragen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Fliegen muß teurer komfortabler und luxuriöser werden.
      In den vergangenen Jahren hatte man da oben doch verstärkt das Gefühl in einem fliegenden Slum unterwegs zu sein.

    • there´s no better way to die...

    • Imageverlust hin oder her; aus dem Dax ist die Lufthansa bereits rausgeflogen und ob das Geschäftsmodell wirklich zukunftssicher ist, erscheint zumindest in der bestehenden Grössenordnung zweifelhaft. Besser wäre Insolvenz und anschliessender Neustart auf drastisch gesenktem Niveau.

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