Kommentar: Halbherziger Vorschlag zur Riester-Rente begeistert Finanzbranche

Die von der Bundesregierung eingesetzte Fokusgruppe hat einen klassisch konservativen Vorschlag zur Rerform der Altersvorsorge gemacht. Ihre Chance hat sie verpasst.
Foto: dpaEs klingt klassisch konservativ, was die von der Bundesregierung eingesetzte Fokusgruppe zur Reform der privaten Altersvorsorge in ihrem Abschlussbericht empfiehlt: an Bestehendem festhalten, nachbessern, aber nicht tiefgreifend reformieren.
Kein Wunder, dass die Finanzbranche die Ideen bejubelt. Auf einen von Verbraucherschützern und Politikern der Grünen vorgeschlagenen öffentlichen Vorsorgefonds konnte sich die Kommission nicht einigen. Er sollte für eine Vereinfachung und vor allem für niedrige Kosten sorgen. Die Finanzbranche hat aber eher Interesse an Vielfalt und der Möglichkeit, mit ihren Produkten Geld zu verdienen.
Auch den sanften Zwang zur Vorsorge über ein sogenanntes Opting-out lehnen die Experten zum großen Bedauern des Bundeswirtschaftsministeriums ab. Dabei wären Bürger automatisch zu Sparern geworden, wenn sie sich nicht dagegen entscheiden. Das geht den Experten offenbar zu weit.
Reform der Riester-Rente: Nur ein Nachbessern bestehender Produkte?
Stattdessen schlägt die Kommission vor, dass die Versicherungen und Fondshäuser ihre Riester-Produkte nachbessern. Sie sollen auch Produkte mit geringeren Kapitalgarantien anbieten, damit mehr Vorsorgegeld in Aktien angelegt werden kann, die zwar risikoreicher sind, aber langfristig mehr Rendite bringen.
Die Gebühren sollen sinken und in einem Portal verglichen werden können. Immerhin machen sich die 19 Politiker, Wissenschaftler und Finanzbranchenvertreter zudem für ein von Banken und Versicherungen angebotenes Depot stark, in das über Fonds und preiswerte ETFs ganz ohne Garantien mit staatlicher Förderung fürs Alter gespart werden darf.
Vor allem der letzte Vorschlag könnte in der Tat längerfristig höhere Renditen und damit mehr Altersrente auf die Konten der Menschen bringen. Intensiverer Wettbewerb soll auch für niedrigere Kosten sorgen. Das geht in die richtige Richtung, denn teure Produkte, niedrige Erträge und komplizierte Regeln haben die Riester-Rente in Verruf gebracht. Die Zahl der Verträge stagniert schon seit Jahren bei rund 16 Millionen, ein Fünftel davon wird gar nicht mehr bespart.
Ob ein bisschen Nacharbeiten, ein zusätzliches Produkt und ein neuer Name die Menschen dann in Scharen in die private Altersvorsorge bringen, bleibt aber abzuwarten. Der Dschungel der Angebote würde durch eine solche Reform sogar noch dichter. Und sinkende Gebühren sind durch diese Nachbesserungen immer noch nicht garantiert. Ein schlichtes, preiswertes Vorsorgeprodukt, in das jeder einzahlt, wenn er nicht widerspricht, würde größere Wirkung entfalten.
Im kommenden Jahr soll nach dem Willen der Bundesregierung ein Gesetz zur Reform der privaten geförderten Altersvorsorge beschlossen werden. Der Gesetzgeber hat es nun in der Hand.
Erstpublikation: 19.07.2023, 08:50 Uhr.