Kommentar: Herr Merz, das ist indiskutabel

Manchmal genügt ein Foto von sechs strahlenden Männern, um wieder einmal eine Debatte über die Präsenz von Frauen in der Spitzenpolitik auszulösen. Oder besser: deren Fehlen.
Der künftige Kanzler Friedrich Merz sagt zwar, er habe kein Problem mit Frauen, in seiner Regierung könne es sogar mehr Ministerinnen als Minister geben. Aber wenn es darauf ankommt, wenn der künftige Kanzler mit der CSU die Geschicke des Landes besprechen will, dann setzt Merz auf eine reine Männerrunde: auf seine engsten Berater Carsten Linnemann und Thorsten Frei.
Und wenn Markus Söder mit der CDU die Geschicke des Landes besprechen will, setzt er auf Martin Huber und Alexander Dobrindt. So geschehen beim Spitzentreffen von CDU und CSU am Dienstag im Konrad-Adenauer-Haus.
Ja, alles Männer. Ja, niemand mit Migrationshintergrund. Ja, alle über 40 Jahre alt. Und nein, das ist kein Witz. Oder sind die Frauen hier einfach mitgemeint, Herr Merz?
Die Union hat ein Frauenproblem, und das nicht erst seit heute, es fiel nur weniger auf, weil die Partei mit Angela Merkel die erste Bundeskanzlerin Deutschlands stellte.
Aber in der ersten Reihe der Partei stehen heute ausschließlich Männer. Der Bundesvorsitzende, der Generalsekretär, der Parlamentarische Geschäftsführer, die Ministerpräsidenten: Männer.
Nicht einmal ein Hauch von Vielfalt
Da ist es nur folgerichtig, dass auch auf dem Foto nicht einmal ein Hauch von Vielfalt zu erkennen ist. Ein Affront gegen Frauen ist es trotzdem. Indiskutabel im Jahr 2025. Grotesk auch, dass es offenbar weder den Herren noch der zuständigen Pressestelle vor der Veröffentlichung auf ihren Social-Media-Kanälen aufgefallen ist. Oder was noch bedrückender wäre: Es ist ihnen egal.
Zur kleinen Ehrenrettung von Merz sei aber gesagt: Nicht allein die Union ist das Problem. Im Bundestag insgesamt sinkt der Frauenanteil von knapp 35 auf 32 Prozent, bei der CDU aber von knapp 24 auf 22,6 Prozent. Bei der AfD sind mit nicht einmal zwölf Prozent noch weniger Frauen vertreten. Aber macht es das besser?
Für mehr Frauen und vor allem für frauenpolitische Themen zu sorgen, ist übrigens kein Selbstzweck. Dass die Union am Wahlabend schließlich unter 30 Prozent landete, lag auch an den Frauen, die deutlich seltener als Männer für die Konservativen stimmten.
Dabei hat Merz das Problem durchaus erkannt, sagt er zumindest. Er hat die Frauenquote in der Partei durchgesetzt und für Christina Stumpp den Posten der stellvertretenden Generalsekretärin geschaffen und damit eine Frau in sein engstes Team geholt.
Merz hat im Wahlkampf auch gesagt, dass es ihm für das nächste Kabinett darauf ankomme, „die Besten“ zu finden, „das können auch mehrheitlich Frauen sein“. Bleibt zu hoffen, dass er seinen Worten bei der Besetzung der Ministerposten Taten folgen lässt. Die Konservativen müssen endlich in der Gegenwart ankommen.