Kommentar: Immobilienkäufer passen ihre Vorstellungen der neuen Realität an

Gerade das eher verhaltene Stimmungsbild ist ein positives Signal für den Markt.
Foto: dpaSteigende Bauzinsen, hohe Inflation, Rezessionsängste, politische Überforderung: Es gibt Gründe, warum sich der lang anhaltende Immobilienboom des vergangenen Jahrzehnts so plötzlich ins Gegenteil verkehrt hat.
Schlagartig war die Nachfrage nach Häusern und Eigentumswohnungen vor gut zwölf Monaten eingebrochen.
In der Folge gingen die Preise zurück, vor allem für Altbauten. Aktuell, im August 2023, liegen sie deutschlandweit neun Prozent niedriger als im selben Monat des Vorjahres.
Einzige Ausnahme bilden die raren Neubauten, deren Preise weitgehend stabil geblieben sind.
Die Stimmung am Markt ist entsprechend schlecht: Häuser und Wohnungen, die noch vor anderthalb Jahren binnen weniger Wochen verkauft waren, stehen heute monatelang auf den Angebotslisten der Makler; das Geschäft mit Baudarlehen ist rapide zurückgegangen, die Zahl der Bauträgerpleiten wächst.
Die Lage ist schwierig auf dem Immobilienmarkt – und nach wie vor ist es so, dass eine große Mehrheit der Bundesbürger aktuell kaum Chancen sieht, sich den Wunsch nach den eigenen vier Wänden bald zu erfüllen.
Das jedenfalls zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte repräsentative Studie zu den Wohnwünschen der Deutschen sehr eindrücklich.
Die Umfrageergebnisse zeigen aber auch: Die Kaufinteressenten sind in der neuen Realität am Immobilienmarkt angekommen. Statt ihre Pläne einfach zu begraben, beginnen sie, ihre Vorstellungen pragmatisch den Gegebenheiten anzupassen.
Hoffnung auf Bewegung im Immobilienmarkt
Der Traum vom frei stehenden Eigenheim ist laut Studie in den Hintergrund gerückt – zugunsten realistischerer Wünsche.
Mehr Menschen als noch vor einem Jahr würden eine geringere Wohnfläche, Kompromisse beim Grundriss oder die weniger zentrale Lage in Kauf nehmen – und wären bereit, dafür einen angemessenen Preis zu zahlen.
Und: Immerhin ein Viertel der Befragten glaubt, dass der Markt bei allen Herausforderungen schon jetzt eine günstige Möglichkeit zum Einstieg bietet.
So paradox es also klingen mag: Gerade das eher verhaltene Stimmungsbild, das die Umfrage zeichnet, ist ein positives Signal für den Markt. Der neue Realismus der Beteiligten lässt hoffen, dass nach Monaten der Schockstarre Bewegung in den Markt kommt.
Zuletzt hatten sich Käufer und Verkäufer vor allem gegenseitig blockiert: Käufer gaben Angebote zu Dumpingpreisen ab, Verkäufer beharrten auf ihren hohen Forderungen aus den Jahren des Booms.
Jetzt mehren sich die Anzeichen, dass der Markt sein Gleichgewicht wiederfindet. Die meisten Experten jedenfalls erwarten, dass es bei den Preisen kaum noch abwärtsgeht.
Erstpublikation: 21.09.2023, 04:00 Uhr.