Kommentar: Jugendliche müssen über Krieg im Unterricht sprechen

Bundesinnenminister Dobrindt hat mit seiner Forderung nach Krisenunterricht einen Streit unter den Bildungsministern der Länder ausgelöst. Während die einen in Zeiten von Katastrophen und Kriegen eine solche Vorsorge als wichtigen Bestandteil des schulischen Bildungsauftrags sehen, warnen die anderen vor Panikmache, die Kinder und Jugendliche unnötig ängstigt.
Doch Dobrindts Vorstoß ist letztlich zurückhaltend. Der Minister verlangt ja keine „Wehrerziehung“ mit einer körperlichen Ertüchtigung, wie sie etwa in der DDR praktiziert wurde. Er mahnt an, dass Bedrohungen überhaupt thematisiert werden – und mögliche Reaktionen darauf.
Tatsächlich ist es wichtig, über Krieg und Frieden zu sprechen. Das sind wir offenbar kaum mehr gewohnt. Dabei existieren große Ängste, unter denen auch Kinder und Jugendliche leiden. So zeigen aktuelle Studien, dass die Furcht davor, dass Deutschland in einen Krieg verwickelt wird, ganz oben auf der Liste der Sorgen und Nöte von Jugendlichen steht. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, der Krieg in Nahost, die globale Bedrohungslage – das alles hinterlässt Spuren bei den Schülern. Dazu kommt die Debatte um die neue Wehrpflicht, die viele junge Menschen umtreibt.
Gefahr einer politisch-ideologischen Erziehung?
Sich im Unterricht mit Sicherheitspolitik und Friedenssicherung zu befassen – mehr als es vielleicht im Fach Politik oder Gesellschaftslehre möglich ist –, kann da nicht falsch sein. Es gilt, die mentale Belastung der Schüler zu reduzieren.
Die Skepsis einiger Eltern dürfte bleiben. Dahinter mag das Misstrauen stehen, ob die Kinder einer politisch-ideologischen Erziehung ausgesetzt sind. Etwa, wenn die Bundeswehr ihre Jugendoffiziere in die Schulen schickt. Doch was spricht dagegen, auch zivile Hilfsorganisationen einzuladen?