Kommentar: Wer, wenn nicht Kanada? Die fatale Ignoranz der deutschen Politik gegenüber einem Musterpartner
Symbol eines Musterstaats.
Foto: dpaEs ist kein Zufall, dass der Kanzler und sein Vize sich gemeinsam nach Kanada aufmachen. Wenn sich Deutschland einen idealen Handelspartner ausmalen könnte, er würde so ziemlich dem des Bildes von Kanada entsprechen: eine ausgesprochen liberale Gesellschaft, eine ausgeprägte demokratische Kultur, immerhin die Nummer neun der größten Volkswirtschaften – und obendrein mit riesigen Naturressourcen gesegnet.
Umso unverständlicher ist es, dass die EU – auch wegen des deutschen Widerstandes – jahrelang nicht in der Lage war, den Freihandelspakt (Ceta) mit Kanada zu schließen. Jetzt kommt offenbar eine Wende. Der Ukrainekrieg, der russische Imperialismus insgesamt und das zunehmend machtpolitisch und willkürlich auftretende China haben Einsichten gefördert.
Die entscheidende: Handel unter Gleichgesinnten auf Basis gemeinsamer Werte und eines gemeinsamen Rechtsverständnisses ist nicht nur einfacher, sondern am Ende auch nachhaltiger. Die Ceta-Blockade wirkt in Zeiten des „friendshoring“ geradezu weltfremd.
Keine noch so schönen Businessperspektiven sind es wert, dass sich eine Volkswirtschaft in vollkommene Abhängigkeit zu willkürlichen Autokratien begibt – das gilt für Russland in der Energiefrage und es gilt vielleicht noch stärker im Falle Chinas, wo deutsche Unternehmen in vielen Fällen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes erwirtschaften.