Kommentar: Kein Geld für Start-up Experimente – leider

Die Unternehmensgründungen in Deutschland ziehen wieder an. Die Investitionen ebenfalls. Im ersten Quartal stiegen sie um 14 Prozent. Heißt das, dass die deutsche Gründerszene die schwierige Zeit mit dem globalen Handelskonflikt und der stagnierenden deutschen Wirtschaft relativ unbeschadet übersteht?
Nein. Denn die herausfordernde Gesamtsituation führt dazu, dass Investoren vor allem in Bewährtes investieren: Erfahrene Gründer, bekannte Themen. Aktuelle Erhebungen des Datendienstes Pitchbook zeigen, dass zu Jahresbeginn europaweit deutlich mehr Geld in sogenannte Megarunden bereits erfolgreicher Start-ups geflossen ist als in neue Geschäftsideen. Das Motto der Stunde lässt sich also leicht zusammenfassen: Besser keine Experimente.
Ein gutes Beispiel für diesen Trend ist die Berliner Ärzte-Lernplattform Amboss, die im März nicht weniger als 240 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt hat. Das gelang vor allem, weil das Unternehmen stetig wächst und gleichzeitig bereits profitabel ist. Das Risiko des Investments ist also überschaubar. Solche Megarunden, zu denen auch Finanzspritzen von mehr als 100 Millionen Euro zählen, sind für das Ökosystem enorm wichtig. Denn sie ermöglichen es den Start-ups, schneller zu skalieren und die Konkurrenz abzuhängen.
Förderprogramme reichen nicht
Dennoch müssen auch die besonders jungen Start-ups und ihre Gründer finanziell unterstützt werden, und zwar nicht nur durch staatliche Förderprogramme. Diese sogenannte Frühphasenfinanzierung ist essenziell, weil sie die Basis für zukünftige Innovationen legt und damit darüber entscheidet, welche Geschäftsideen in fünf bis zehn Jahren dominieren werden. Zudem sind gerade am Anfang keine dreistelligen Millionensummen nötig, um ein Thema anzuschieben und damit vielleicht auch die technologische Souveränität Deutschlands und Europas voranzutreiben.