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KommentarLegt mit der Aktienrente endlich los

Die Politik verschläft das gewaltige Problem unserer überalternden Gesellschaft. Dabei könnte sie mit einem kapitalgedeckten Anteil bei der Rente viel erreichen.Thomas Sigmund 18.08.2022 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Der Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung droht schon in naher Zukunft unaufhaltsam zu steigen.

Foto: imago images/Patrick Scheiber

Die Ampelkoalition hat keinen Plan, wie die Rente langfristig funktionieren kann. Im Koalitionsvertrag findet sich das Problem der Alterung an keiner Stelle. Über die von der selbsternannten Fortschrittskoalition angekündigte Aktienrente spricht kaum einer mehr, oder es wird nur über die Anschubfinanzierung von zehn Milliarden Euro aus dem Staatshaushalt gestritten. 

Dabei wäre ein mischfinanziertes Alterssicherungssystem mit einem, wenn auch viel zu bescheidenen, Kapitalanteil der richtige Weg.  

Die Älteren unter uns werden sich noch an Harald Schmidt erinnern. Der frühere Entertainer geht bald in Rente. Der heutige „Arzt“ auf dem ZDF-Traumschiff hat nun verraten, dass es sich dabei um exakt 272 Euro handelt. „Die kassier ich auch knallhart, ich hab ja einbezahlt, das steht mir zu“, sagt er dazu.

Darüber kann man schmunzeln. Um den Schauspieler muss sich niemand finanzielle Sorgen machen. Doch seine Zick-Zack-Biografie steht stellvertretend für die vieler Menschen in Deutschland. Auch für Selbstständige, die wie Schmidt etwa nur 15 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt, aber ihr Leben lang gearbeitet haben.

Vor allem aber die junge Generation war zu Recht angetan von der Idee der Ampelkoalition. Also dem Versprechen, dass es bald auch für die unterschiedlichsten Lebensläufe ein passendes Rentenangebot für Menschen geben soll, die keine Scheu davor haben, ihr Kapital über Jahrzehnte anzulegen.

Aktienrente statt Sparbuch

Über den „Sparbuch-Olaf“ ist viel Hohn während des Wahlkampfs in den sozialen Medien ausgeschüttet worden. Der damalige SPD-Kanzlerkandidat hatte erklärt, sein Geld liege lediglich auf dem Sparbuch. Doch seine Vorgängerin im Amt bekommt heute eine Pension von monatlich rund 15.000 Euro. Da muss man sich nicht so viele Gedanken über die richtige Geldanlage machen.

Die Kritiker der Aktienrente werden nicht müde, auf die steigenden Zinsen, volatile Aktienmärkte und die Energiekrise hinzuweisen. Es geht aber nicht um das richtige Timing, also „kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen“, wie der Bankier Carl Mayer von Rothschild gesagt haben soll.

Es geht um einen unter dem Dach einer staatlichen Behörde oder der Bundesbank gemanagten Fonds, der das bisherige System in 30 bis 40 Jahren ein Stück weit ersetzen, aber vor allem ergänzen kann. Es stimmt auch: Die Aktienrente ist keine ausreichende Antwort auf eine der sprichwörtlich größten demografischen Bomben, die uns bald um die Ohren fliegt.

Der Gorilla im Wohnzimmer

Hier geht es um das Riesenproblem, das 2024 mit der Verrentung der großen Generation der „Baby-Boomer“ beginnt und das jüngst Handelsblatt-Ökonom Bert Rürup treffend beschrieben hat.

Trotzdem muss etwas passieren. Wenn es dann noch den Druck aus dem Kessel nimmt, umso besser. Amerikas berühmtester Ökonom, Paul A. Samuelson, sprach gerne über den Gorilla im Wohnzimmer, über den keiner reden will.

Doch wenn der Bundeszuschuss nicht noch weiter aufgestockt wird, beginnt der Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung in naher Zukunft unaufhaltsam zu steigen. Von 18,6 Prozent auf 22 bis 23 Prozent bis zum Jahr 2035. Gleichzeitig geht das Sicherungsniveau der gesetzlichen Renten zurück, von heute rund 49 Prozent auf 45 bis 46 Prozent der Versichertenlöhne.

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Die Versprechen des Kanzlers im Koalitionsvertrag, dass das alles anders wird, haben mit der Realität nichts zu tun. Die Regierung sollte in den letzten Bericht der Bundesbank blicken. Dort finden sich all diese Zahlen.

Franz Müntefering, Sozialdemokrat alten Schlags, meinte, wenn es um Fragen der Altersvorsorge ging: Man müsse kein Mathematiker sein, sondern es reiche „Volksschule Sauerland“, um zu wissen: „Wir müssen irgendetwas machen“. Dann lasst uns endlich mit der Aktienrente starten.

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