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Kommentar Lieber Datteln 4 als alte Dreckschleudern

Das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 soll nun doch ans Netz gehen. Nicht nur der Betreiber Uniper kann sich darüber freuen. Die Entscheidung hilft dem Klima.
16.01.2020 - 11:22 Uhr 5 Kommentare
Uniper hatte in der Debatte um den Kohleausstieg von Anfang an gute Argumente dafür, das fertiggestellte Kraftwerk auch in Betrieb zu nehmen. Quelle: dpa
Uniper-Kraftwerk Datteln 4

Uniper hatte in der Debatte um den Kohleausstieg von Anfang an gute Argumente dafür, das fertiggestellte Kraftwerk auch in Betrieb zu nehmen.

(Foto: dpa)

Es mag das falsche Symbol sein, in Deutschland noch ein neues Steinkohlekraftwerk in Betrieb zu nehmen. Symbolpolitik spielt aber im Klimaschutz ohnehin eine zu große Rolle. Daher ist es richtig, wenn sich Bund und Länder nun darauf verständigen, das Kraftwerk im nördlichen Ruhrgebiet laufen zu lassen.

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission hatte in ihrem Anfang 2019 veröffentlichten Abschlussbericht empfohlen, für bereits gebaute, aber noch nicht im Betrieb befindliche Kraftwerke, „eine Verhandlungslösung zu suchen, um diese Kraftwerke nicht in Betrieb zu nehmen“. Dieser Passus bezog sich ausschließlich auf Datteln 4.

Die Verhandlungen, die die Bundesregierung mit Uniper geführt hat, haben nun nicht zum dem von der Kommission erhofften Ergebnis geführt. Das muss man akzeptieren. Dieses Resultat steht nicht im Widerspruch zur Zusage der Bundesregierung, die Empfehlungen der Kommission möglichst eins zu eins umzusetzen. Das Ergebnis von Verhandlungen ist eben nicht von vornherein planbar.

Für Klimaschützer mag das schwer zu akzeptieren sein, sie laufen seit Langem Sturm gegen die Inbetriebnahme. Eigentlich sollte der Block schon 2011 in Betrieb gehen. Der Bau wurde aber durch Klagen von Umweltschützern jahrelang blockiert. Als Uniper die rechtlichen Bedenken dann ausgeräumt hatte, verzögerte sich der Bau durch Materialmängel erneut.

Uniper hatte in der Debatte um den Kohleausstieg von Anfang an gute Argumente dafür, das fertiggestellte Kraftwerk auch in Betrieb zu nehmen. Argument eins: Wenn die Bundesregierung durchgesetzt hätte, das Kraftwerk nicht in Betrieb zu nehmen, hätte Uniper beste Aussichten gehabt, umfassende Schadensersatzforderungen durchzusetzen.

Noch schwerer wiegt das zweite Argument: Uniper hat in den vergangenen Monaten immer wieder völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass es besser ist, ein neues Steinkohlekraftwerk zu betreiben, statt alte und höchst ineffiziente Anlagen noch weiter laufen zu lassen.

Die Bahn und RWE sind die Verlierer

Dem Klima ist damit gedient, wenn statt jahrzehntealter Kraftwerke das hocheffiziente Kraftwerk Datteln 4 Strom produziert. Wenn nun im Gegenzug für die Inbetriebnahme von Datteln 4 alte Anlagen abgeschaltet werden, ist diese Bedingung erfüllt.

Verlierer der Inbetriebnahme von Datteln 4 sind die Deutsche Bahn und RWE. Beide Unternehmen hatten schon vor Jahren Stromabnahmeverträge in erheblichem Umfang geschlossen. Heute wollen sie den Strom des Kraftwerks Datteln 4 aber nicht mehr haben. Er passt nicht zur angestrebten Ergrünung der beiden Unternehmen.

Besonders Bahn-Vorstand Ronald Pofalla dürfte sich daher über die sich nun abzeichnende Lösung ärgern. Als einer der drei Vorsitzenden der Kohlekommission hatte er nach Angaben aus Verhandlungskreisen vehement dafür plädiert, Datteln 4 aufs Abstellgleis zu schicken. Dazu wird es aber jetzt nicht kommen. Doch was schlecht ist für das Image der Bahn, kann für den Klimaschutz insgesamt betrachtet nützlich sein.

2038 soll das letzte Kraftwerk vom Netz gehen

Mehr: Bund und Länder haben sich auf einen Fahrplan für das Ende der Kohleverstromung verständigt. Die Kraftwerksbetreiber erhalten eine Milliardenentschädigung.

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5 Kommentare zu "Kommentar: Lieber Datteln 4 als alte Dreckschleudern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • - Fortsetzung -

    Ob Sie so denken weiß ich nicht, aber ich sage Ihnen, wie die "Klimaschützer" in ihrer kognitiven Dissonanz vermutlich denken: in Deutschland die "bösen" Kraftwerke abschalten, aber dafür etwa aus Frankreich Atomstrom und aus Polen Kohlestrom importieren!!
    Da man von Öko- Ideologen (...) keine braucbare Antwort bekommen kann, hier einmal eine fachkundige Antwort von ideologiefreien "Stromern":
    "Es gibt nur die vage Hoffnung der Akteure, es komme ausreichend und nachfragegerecht grüner Strom aus der Steckdose, wenn die Windanlagen und Solaranlagen verdreifacht werden.
    Ob das überhaupt möglich ist, wird verdrängt. Man verlässt sich auf Ingenieure, die das schon "schaffen werden". Aber kein einziger Ingenieur kann zaubern! Naturgesetze setzen unüberwindliche Grenzen! Eine sichere und bezahlbare Versorgung aus Windstrom und Solarstrom ist unmöglich! Das gilt auch, wenn die Anlagen verdreifacht werden. (...)
    Es ist eine Utopie, die BRD mit 65, 80 oder gar 100 Prozent Fakepower versorgen zu wollen.
    Bereits seit vielen Jahren wird bei Starkwind und hellem Sonnenschein bei gleichzeitig geringer Nachfrage das technisch mögliche Maximum von 55 Prozent Fakepower erreicht! Ohne Kohlekraftwerke existiert kein stabiles Stromnetz!"
    https://www.dz-g.ru/Kohlestrom-ist-unverzichtbar "
    https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-zurueck-zur-atomenergie-solche-ueberlegungen-sollte-man-getrost-vergessen/25342268.html

  • Volle Zustimmung, Herr Stratmann. Und wenn die Bahn "ergrünen" will, dann sitzen dort keine Strom- bzw. Energieexperten, sondern reine Ideologen. Mit Flatterstrom aus Wind- und Sonnenergie wird man eben nicht MEHR Züge antreiben können, wenn das Bahnnetz tatsächlich ausgebaut werden soll.
    Deutschland eignet sich geographisch nicht für massive Ausweitung etwa von - grundlastfähigen - Wasserkraftwerken (wie z.B. in der Schweiz oder Skandinavien; nix also mit einem deutschen "Drei-Schluchten-Damm") oder Biogasanlagen (zu wenig freie Fläche), sodass eben hier im großen Stil nur der - nicht grundlastfähige- Flatterstrom aus Wind- und Sonnenergie bleibt.
    Dazu nochmal mein Kommentar von neulich:
    "Die wirtschaftszerstörerischen "Klimaschützer" wollen doch, wenn ich richtig liege, deutlich mehr Menschen vom Auto zum Umstieg auf die Bahn bewegen. (...)
    Dummerweise benötigt die Bahn zum Fahren entweder Strom oder Diesel (= gaaaanz böse!).
    Und ich habe bis jetzt noch keinen ICE gesehen, der mit Windmühlen oder Solarpaneelen auf dem Dach angetrieben wird. Und Datteln 4 soll nun einmal Strom vor allem für das Bahnnetz produzieren.
    Kognitive Dissonanz der Grünen: leistungsfähiges Stromnetz der Bahn zerstören und Diesel dämonisieren, aber gleichzeitig mehr Menschen zum Bahnfahren "bewegen" wollen. ;-)
    Was müsste man also IDEOLOGIEFREI in Deutschland tun, um einmal Infrastruktur / flächendeckende Ladestationen für E-Mobilität möglich zu machen und der Bahn gleichzeitig ein leistungsfähiges Stromnetz zur Verfügung zu stellen??
    Einmal die Bagger rausholen und wieder das abbauen, was es in Deutschland genug gibt, nämlich Steinkohle, und gleichzeitig ein paar neue AKW´s errichten - und das für die Züge der Bahn ziemlich zügig..."
    Bitte schreiben Sie doch einmal, welche Kraftwerke Sie errichten wollen, um MEHR Züge anzutreiben (wenn tatsächlich nämlich MEHR Menschen auf die Bahn umsteigen würden!

  • ...ich gebe Herrn Krämerkämper recht, dass Datteln 4 überhaupt existiert...das ist eine ganz traurige Geschichte.

  • Herr Stratmann bleibt leider nur schuldig, welche alten Kraftwerke denn ersetzt werden und welcher Mechanismus das sicherstellt. Der Marktmechanismus wird nur dafür sorgen, dass Datteln 4 weitere klimaeffizientere Gaskraftwerke aus dem Netz drückt.
    Im Jahresmittel 2019 wurden nur noch 5,6 GW Steinkohlestrom tatsächlich benötigt. Es gibt bereits neun andere moderne Steinkohlekraftwerke im Netz, ohne Datteln 4. Deren Leistung beträgt zusammen 6,35 GW - mehr als im Mittel benötigt. Spitzenlasten können problemlos durch stillstehende Gaskraftwerke geleistet werden. Davon hat Uniper selbst übrigens 3,7 GW, mit einer Jahresauslastung von gerade einmal 1,1%.

  • Datteln 4 hätte meiner Meinung nach nicht gebaut werden sollen....aber nun ist es da und wenn Kohle...dann sicher besser ein hochmodernes Steinkohlekraftwerke als ein altes Braunkohlekraftwerk...aber die Gebiete im Osten müssen Alternativen aufgezeigt bekommen und das kostet Geld. Nur Abschalten wird den Frust im Osten nur noch extrem steigern...

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