Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Mit Realismus durch die Pandemie

Die Wirtschaft braucht Klarheit über den weiteren Winter-Lockdown. Denn bis Ostern wird die Corona-Lage kaum besser.   
02.02.2021 - 18:13 Uhr 1 Kommentar
Regierung hat sich festgefahren: Ehrliches Erwartungsmanagement ist gefragt, damit der Aufschwung in Gang kommt. Quelle: Burkhard Mohr
Regierung hat sich festgefahren

Ehrliches Erwartungsmanagement ist gefragt, damit der Aufschwung in Gang kommt.

(Foto: Burkhard Mohr)

Berlin Wenn etwas zum Jahresauftakt wirklich schief gegangen ist in Deutschland, dann ist es das Erwartungsmanagement. Denn von „Impfskandal“ konnte eigentlich nur reden, wer glaubte: Sobald es Impfstoffe gibt, bekommt jeder sofort seinen Impftermin.

Und abgeleitet davon grassierte der Irrglaube: Um das aktuelle Pandemie-Geschehen muss man sich nicht mehr groß kümmern, weil es eh vorbei ist. Diese Hoffnung von Anfang an unrealistisch.

Trotzdem war diese Anspruchshaltung weit und bis in viele Landesregierungen hinein verbreitet. Nachdem jetzt hoffentlich allen Ministerpräsidenten klar geworden ist, dass es noch ein Vierteljahr dauern wird, bis die Massenimpfungen starten können, ist es nun umso wichtiger, dass sich die Regierenden von Verteilungskämpfen um nicht vorhandene Impfdosen ab- und dem Pandemiegeschehen intensiv zuwenden.

Womit sich die Politik zuletzt zu wenig beschäftigt hat, ist das Hier und Jetzt des Winters. Ihn müssen Wirtschaft und Gesellschaft durchstehen, unter Bedingungen, die letztlich das Virus diktiert. Die einzige Wahl, die Corona den Regierenden lässt, ist die, entweder das Infektionsgeschehen mit einem längeren Lockdown wirklich unter Kontrolle zu bringen, oder ab 14. Februar zu lockern, was die dritte Welle starten und in kurzer Zeit im nächsten harten Lockdown enden würde.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Alternativen heißen in ihrer Zuspitzung Melbourne, das seine Inzidenzwerte konsequent unter 10 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner pro Woche hält, oder Manaus, die brasilianische Stadt mit der weltweit höchsten Todesrate.

    Vorhandenes Wissen über das Virus nicht ignorieren

    Der sowohl Gesundheit als auch Wirtschaft schonendere Weg sind sehr niedrige Inzidenzwerte, anstatt ein weiteres Mal abzuwarten, bis sich die Intensivbetten erneut gefüllt haben werden. Gemessen an den Todeszahlen ist Deutschland nicht gut durch die zweite Welle gekommen.

    Im Oktober haben sich zu viele Ministerpräsidenten, Wissenschaftler und Medienschaffende zu sehr vom Prinzip Hoffnung leiten lassen, dass die zweite Welle schon nicht so schlimm werden würde. Letztlich folgte sogar Kanzlerin Angela Merkel der damaligen Mehrheitsmeinung, die der NRW-Beraterkreis um den Virologen Hendrik Streeck und den Ökonomen Michael Hüther vorgezeichnet hatte: Erst mal abwarten, ob sich bei hohen Neuinfektionsraten die Intensivbetten wirklich füllen.

    Der Streeck-Kreis hat zwar grundsätzlich darin recht, dass es Wissenslücken über das Virus gibt, und die Gesundheitsämter nicht gut aufgestellt sind. Das darf aber kein Grund dafür sein, das vorhandene Wissen zu ignorieren: In geschlossenen Räumen kommt es schnell zu Ansteckungen, vor allem im Winter, und inzwischen stärker noch als im letzten Jahr durch neue Virus-Mutationen.

    Besser, weil mit weniger Kranken und Toten, wird jedes europäische Land durch den Winter kommen, wenn die Lockdowns künftig erst bei sehr niedrigen Neuansteckungszahlen vorsichtig gelockert werden, wie es die Virologin Melanie Brinkmann und der Ökonom Clemens Fuest mit ihrer Wissenschaftler-Initiative NoCovid vorschlagen.

    Keine Großveranstaltungen in der ersten Jahreshälfte

    Die neuen Pandemiepläne der Landesregierungen Schleswig-Holsteins und Niedersachsens für die Zeit ab 14. Februar sind da an vielen Stellen zu locker: Großveranstaltungen in geschlossenen Räumen etwa sollte es in der ersten Jahreshälfte und vor weit fortgeschrittenen Massenimpfungen am besten gar nicht geben.

    Gut an den Länder-Vorschlägen aber ist, dass sie die Diskussion über das offensichtlich Notwendige endlich eröffnet haben.

    Fast alle Konjunkturforscher gehen seit November in ihren Prognosen davon aus, dass es Lockdowns bis Ostern geben wird, weil ohne sie die dritte Infektionswelle sofort anrollen würde. Nur die Regierenden drücken sich bisher vor klaren Aussagen, wie es denn nun weitergehen soll.

    Besser ein längerer Lockdown als ein Auf-zu-Wechsel

    Für die geschlossenen Unternehmen des auf soziale Nähe angewiesenen Dienstleistungssektors jedenfalls wird nichts besser, wenn die Politik die unangenehme Nachricht weiter nur tröpfchenweise einsickern lässt. Für jedes Restaurant wäre es die schlechtere Lösung, jetzt für drei Wochen öffnen zu müssen, wegen der Ansteckungssorgen kaum Gäste zu bewirten, um dann in einer dritten Welle erneut geschlossen zu werden.

    Die Alternative lautet eben nicht: Lockdown oder alles locker. Dass die Wirtschaft in diesem Winter einen neuerlichen Dämpfer erleidet, ist dem Virus geschuldet. Besser als Deutschland, auch wirtschaftlich, sind nur jene Länder gekommen, die konsequenter die Infektionszahlen gedrückt haben. Ein verlängerter Lockdown jetzt schadet der Wirtschaft weniger als ein chaotisches Öffnen und Schließen im Monatsrhythmus.

    Von der Politik ist nun ehrliches Erwartungsmanagement gefragt, denn Unternehmen brauchen möglichst viel Klarheit für die nächsten harten Wochen. Die Überbrückungshilfe III für die geschlossenen Betriebe muss wirklich schnell und zuverlässig fließen: Damit nach Ostern das möglich wird, was ebenfalls viele Ökonomen erwarten – ein kräftiger nachhaltiger Aufschwung.

    Mehr: Warum ein starker Aufschwung wahrscheinlich ist

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Mit Realismus durch die Pandemie
    1 Kommentar zu "Kommentar: Mit Realismus durch die Pandemie"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Dieser Artikel ist so sehr geprägt von einem Tunnelblick und unbelegten
      Spekulationen, dass es schon einer ausgeprägten Priorisierung bedarf, um die Kritik daran in einem kurzen Kommentar zusammenzufassen. Ich versuche es: 1) Auf welcher belastbaren Evidenz beruht Ihre Einschätzung, dass ein harter Lockdown den Virus wirksam und nachhaltig zurückdrängt? Sowohl wissenschaftliche Studien (z,B NBER-Paper von A.Atkinson et al.) als auch die schlichte Betrachtung einiger unserer Nachbarländer (Schweiz, Schweden) zeigen, dass das Auf und Ab des Pandämieverlaufs zeitversetzt überall ähnlich und unabhängig von politischen Interventionen verläuft. Insb. ist nirgendwo über einen längeren Zeitraum der viel beschworene exponentielle Verlauf beobachtbar. 2) Völlig ignoriert werden die täglichen Opfer eines fortgesetzten Lockdowns: Das Kind, das die Faust seiner überforderten Eltern ins Gesicht bekommt; der junge Mensch, der mit Enthusiasmus in sein Studium starten wollte und sich nun in psychiatrischer Behandlung befindet; der Alte, der völlig isoliert einen einsamen Tod in einer zum Hochsicherheitsgefängnis umfunktionierten Klinik stirbt. Alles Menschen ohne positiven Test, die dennoch Corona-Opfer sind. 3) Unerträglich ist die Personifizierung des simplen Gut-/Böse-Schemas von Frau Riedel: Hier Drosten/Fuest, dort Streeck/Hüther. Haben Sie auch die Positionen der Expertengruppe um Prof. Schrappe, des Netzwerks evidenzbasierte Medizin und, und und zur Kenntnis genommen worden? Dort geht es nicht nur darum, den Lockdown zu lockern, sondern auch evidenzbasiert eine Vielzahl gezielter, pragmatischer und verhältnismäßiger Maßnahmen zur Eindämmung der Pandämie umzusetzen, bei denen unsere Staatsgewalt täglich kläglich versagt.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%