Kommentar: Mit strammen Verboten macht man die Wirtschaft platt

Die EU-Kommission hält nicht mehr stur an ihrem Verbrennerverbot ab 2035 fest. Das ist eine gute Nachricht aus Brüssel in einer Zeit, in der Deutschland täglich den freien Fall seiner Wirtschaft erlebt. Im Wochentakt geben Autozulieferer auf, Produktionsstandorte werden geschlossen, Fachkräfte wandern ab, und ganze Wertschöpfungsketten geraten ins Wanken. Allein in den vergangenen Monaten wurden nach Branchenschätzungen rund 12.000 Stellen in der Fahrzeug- und Zulieferindustrie abgebaut. Das dürfte nicht das Ende sein.
Warum ist die Wende in Brüssel eine gute Nachricht? Der Niedergang dürfte immerhin abgebremst werden. Die Bürger vertrauen nämlich immer noch dem Verbrenner. Nur jeder fünfte Autokäufer entschied sich im ersten Halbjahr 2025 für ein E-Auto. Das mag mit der von der Ampelkoalition gestoppten Kaufprämie zu tun haben, die die schwarz-rote Koalition nun für kleine und mittlere Einkommen wieder einführen will.
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Doch Fakt ist: Derzeit greifen die Verbraucher mehrheitlich zu dem, was sie für besser und praktikabler halten. Das nennt sich Konsumentensouveränität und ist ein wichtiges Element der Marktwirtschaft.
Natürlich werden die Kritiker jetzt wieder behaupten, die Autoindustrie habe ihre Chance gehabt und selbst verschlafen, rechtzeitig auf Elektromobilität umzusteigen. Aber diese Diagnose löst keines der aktuellen Probleme. Für den Industriestandort Deutschland ist das ein rein akademischer Hinweis. Jetzt geht es darum, wirtschaftlich zu retten, was zu retten ist. Aber mit strammen Verboten und Enddaten macht man die Wirtschaft platt.
Verbote helfen nicht
Ein anderes Argument der Verbotsanhänger betrifft den Klimaschutz selbst. Verbote beschleunigen nicht automatisch die CO₂-Reduktion – das leisten technologische Durchbrüche. Ein starres Verbrennerverbot hätte dazu geführt, dass wir Energie- und Ressourcenprobleme lediglich verlagern, statt sie zu lösen.
China hat als größter Absatzmarkt für Elektroautos einen Anteil von zuletzt rund 57 Prozent Kohlestrom – so rettet das E-Auto eben nicht das Weltklima.
Hinzu kommt, dass Deutschland bei für die Elektromobilität wichtigen seltenen Erden von Importen abhängig ist – vor allem eben aus China. Die Regierung unterstützt nun zwar ein Projekt zum Lithiumabbau, das ist natürlich zu wenig.
Wer es mit Technologieoffenheit ernst meint, darf nicht nur die eine oder andere Antriebsart hochsubventionieren. Er muss für Wettbewerb sorgen.
Jetzt liegt es an der deutschen Autoindustrie, etwas aus dem Aus des Verbrenner-Aus zu machen. Und nebenbei gesagt: Es macht einen Unterschied, ob Friedrich Merz Kanzler ist oder nicht. Ohne seinen Druck auf Brüssel hätte es diese Wende nicht gegeben.