Kommentar: Neuer Telefónica-Chef hat hohe Erwartungen krachend enttäuscht

Die Telefónica-Aktie ist nach der Strategiepräsentation des neuen CEO um zehn Prozent in den Keller gerauscht. Das ist eine Ohrfeige für Marc Murtra, der im Januar das Ruder bei dem spanischen Telekomriesen übernommen hatte.
Die heftige Reaktion dürfte zwar zu einem Großteil ein Reflex auf die Halbierung der Dividende sein. Die bisher im Branchenvergleich üppige Dividendenrendite der Spanier war angesichts einer mauen Kursentwicklung für viele Investoren ein gewichtiger Grund, das Papier überhaupt zu halten.
Doch es ist richtig, dass Murtra diese langjährige Politik nun ändert. Er braucht Geld, wenn er tatsächlich eine Konsolidierung in den vier Kernmärkten anstoßen will. Die hohe Verschuldung von Telefónica lässt das bislang aber nicht zu. Und es ist langfristig allemal besser, Investoren mit einer überzeugenden Wachstumsperspektive an den Konzern zu binden als mit einer großzügigen Ausschüttung.
Allerdings liegt genau da das Problem: Eine grundlegend neue Vision für den Konzern bleibt Murtra schuldig. Stattdessen wiederholt er lediglich seine Bereitschaft zur Konsolidierung und stellt effizientere und schlankere Strukturen, einen besseren Kundenservice, mehr Unternehmenskunden und den Einsatz von KI in Aussicht. Das ist nicht der große Wurf, den die Märkte nach Monaten der vollmundigen Ankündigungen erwartet hatten.
Und auch die angekündigten Wachstumsraten für den operativen Gewinn (Ebitda) von 1,25 bis 2,5 Prozent pro Jahr bis 2028 sind bescheiden. Zwar hat Murtra betont, dass eine mögliche Konsolidierung nicht in der Prognose enthalten ist, sondern ein „upside“ für einen Strategieplan bildet. Doch das ist zu wenig, um die Investoren zu überzeugen.
Die Kombination von gekappter Dividende und fehlenden neuen Impulsen erklärt die heftige Reaktion der Investoren.