Kommentar: Oliver Bäte sucht die Fehler am liebsten bei anderen
Der Allianz-Chef tritt selbstbewusst auf.
Foto: dpaDas Ergebnis gibt eigentlich keinen Anlass zu schlechter Laune: Die Allianz hat Rekordzahlen vorgelegt – wieder einmal. Operativ hat der Münchener Versicherer zwischen Juli und September 3,5 Milliarden Euro verdient – so viel wie noch nie in einem dritten Quartal. Belohnt werden die Aktionäre mit einem neuen Aktienrückkaufprogramm.
Die Zahlen der Allianz sind das eine, die Aussagen ihres Vorstandschefs das andere. In der Öffentlichkeit bekommen die Sprüche von Konzernlenker Oliver Bäte häufig mehr Aufmerksamkeit als die Ergebnisse: Mal schimpft er über die eigenen IT-Systeme und lästert über Führungskräfte sowie Mitarbeiter des Versicherungskonzerns.
Passiert sein soll das bei einer internen Veranstaltung im Mai, von der die „Wirtschaftswoche“ einen Videomitschnitt einsehen konnte. Mal prangert Bäte generell das verlorengegangene Vertrauen der Bevölkerung in die Politik an. Öffentliche Institutionen könnten die Erwartungen der Menschen nicht mehr erfüllen, beklagte er beim „Insurance Summit“ des Handelsblatt.
Fehler sucht Bäte gern bei anderen
Ein Muster fällt auf: Die Fehler sucht Bäte meist bei anderen.
In Bezug auf den Hedgefonds-Skandal der US-Tochter AGI, durch den Großinvestoren in der Coronapandemie viel Geld verloren hatten, redet er gern von den Verfehlungen einzelner Fondsmanager. Am Mittwoch bezeichnete er sie als ein „paar faule Äpfel in einem Spitzenunternehmen“.
Für Außenstehende sind Bätes Auftritte unterhaltsam. Der ehemalige McKinsey-Mann hält mit seiner Meinung selten hinter dem Berg. Für die Allianz bedeutet Bäte allerdings ein gewisses Maß an Unberechenbarkeit, wenn er sich in Rage redet und vom vorgefertigten Manuskript abweicht. Nicht bei jedem kommt das gut an. Doch solange die Zahlen stimmen, lässt der Konzern ihn offenbar gewähren.