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Kommentar Putin hat längst Maß und Mitte verloren

Während Putin sein Volk aus den Augen verloren hat, hat sein Gegenspieler Nawalny den Russen die Augen geöffnet. Russland ist am Scheidepunkt angekommen.
25.01.2021 - 17:38 Uhr Kommentieren
Wie viele Einhörner sollen aus Russland ausgewanderte Gründer im Westen noch erschaffen, bis die Führung in Moskau begreift, dass sie ihrem Riesenreich die Zukunft raubt? Quelle: action press
Polizeiaufgebot bei Protesten von Nawalnys Anhängern

Wie viele Einhörner sollen aus Russland ausgewanderte Gründer im Westen noch erschaffen, bis die Führung in Moskau begreift, dass sie ihrem Riesenreich die Zukunft raubt?

(Foto: action press)

Wladimir Putin beherrscht sein Land und doch lebt er in einer falschen Welt. Der Mann, der bei seinem Amtsantritt 1999 Russland Stabilität, Rentnern gesicherte Pensionen und der Mittelschicht wachsenden Wohlstand bescherte, hat längst Maß und Mitte verloren. Am Schwarzen Meer lässt er sich einen Palast von der Größe Versailles mauern, zugleich baut er für sein Volk ein Märchenschloss. Das besteht aber aus Lüge, Betrug, Korruption und Vetternwirtschaft.

Während Putin sein Volk aus den Augen verloren hat, hat sein Gegenspieler Alexej Nawalny den Russen die Augen geöffnet. Fast 90 Millionen Menschen haben das jüngste Video Nawalnys bereits auf Youtube aufgerufen. Es enthüllt das „System Putin“ und zerstört das sorgsam aufgebaute Image eines Landesvaters und Saubermanns. Denn Nawalnys gut belegte Enthüllung zeigt eine ebenso scham- wie grenzenlose Selbstbereicherung der Putin-Nomenklatura.

Es führt den Russen vor, dass der Kremlherrscher nicht – wie versprochen – die Kaste der Oligarchen abgeschafft, sondern sie nur dazu gebracht hat, große Teile der Erlöse ihrer Machenschaften an Putin und seine Gefolgsmänner weiterzureichen. Und wie die Chefs der großen Staatskonzerne, von Gazprom, über Rosneft bis hin zu dem Pipeline-Monopolisten Transneft und den Banken Sber und VTB mit alten Sankt Petersburger Weggefährten besetzt wurden und nun systematisch ausgeplündert werden.

Obtschak nennt die russische Mafia die gemeinsame Kasse, in die zuerst der Clanchef greift und dann die kleineren Gangster. Solch ein System hat Putin aufgebaut, quasi eine Pyramide der Korruption. Das hat Nawalny bis in Details belegt. Da hilft auch Putins Behauptung nichts, das stimme alles nicht, und der Palast gehöre nicht ihm.

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    Russland ist nach den größten Demonstrationen seit 2011 am Scheidepunkt angekommen. Dass Putin Nawalny und seine Anhänger als „Terroristen“ bezeichnet, deutet an, dass er den weißrussischen Weg gehen will: Dort lässt Diktator Alexander Lukaschenko Oppositionelle festnehmen, foltern, manche töten.

    Ändert sich nichts, wird ein Großteil der jungen Russen auswandern

    Auch Nawalny dürfte lange ins Gefängnis kommen. Ob er von dort, wie einst Nelson Mandela hinter Gittern, eine Revolte führen kann, ist ungewiss. Ebenso unklar ist, ob der Westen endlich das Waschen russischen Schwarzgelds stoppt – das in Form Londoner Villen, toskanischer Güter oder deutscher Reisekonzerne überall auftaucht.

    Gewiss ist dagegen, dass ein Großteil der jungen Menschen emigrieren wird, wenn der Kremlchef keine radikale Kehrtwende vollzieht. Sie aber sind die Hoffnungsträger in dem in einigen Teilen bereits verlassenen Land. Und je mehr Gewalt Putin anwenden lässt, desto schneller gehen die Jungen.

    Wie viele Einhörner, also Start-ups mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar, sollen aus Russland ausgewanderte Gründer im Westen noch erschaffen, bis die Führung in Moskau begreift, dass sie ihrem Riesenreich die Zukunft raubt? Und ist dies all das Gold an den Wänden neuer Paläste, Villen und Luxusjachten wert?

    Wenn Putin als großer Wiedererbauer Russlands in die Geschichte eingehen will, muss er seine Prachtbauten stoppen und den Kurs seiner Politik ändern.

    Mehr: Fast 3300 Festnahmen bei Nawalny-Demos in Russland.

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