Kommentar: René Benko ist nicht allein für den Signa-Niedergang verantwortlich

Immobilieninvestor René Benko muss mitansehen, wie sein Firmenreich auseinanderfällt.
Foto: HandelsblattNun ist passiert, was viele erwartet hatten: Die Holding des über lange Zeit gefeierten Immobilieninvestors René Benko geht in die Insolvenz. Alle Versuche, rechtzeitig frisches Kapital zu finden, sind gescheitert. Am Ende stand Benko da wie der Zauberlehrling in Goethes Ballade: „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.“ Nur gibt es in seinem Fall keinen Hexenmeister, der mit einem kurzen Spruch die Misere beendet.
Die Aufräumarbeiten in Benkos verschachteltem Firmenimperium sind schwierig, werden lange dauern, und vieles wird nicht zu retten sein. Zahlreiche Insolvenzanträge für die Hunderten von Tochterfirmen dürften jetzt folgen. Benko hat jahrelang hoch gepokert – und verloren.
Das Wichtigste ist nun, dass schnell Investoren gefunden werden, um die angefangenen Baustellen weiterzuführen und fertigzustellen. Da zählt jetzt jeder Tag, damit keine Bauruinen in den Innenstädten entstehen.
Sicherlich trägt die Hauptverantwortung für das Desaster der Gründer René Benko. Er hat das Unternehmen ganz auf sich zugeschnitten, hat bis zuletzt Entscheidungen getroffen, obwohl er offiziell schon lange kein operatives Amt mehr bei Signa ausgeübt hat.
Deswegen ist es unvermeidlich, dass er nun endlich anderen die Arbeit überlässt, die mehr von Sanierung verstehen als er. Zuletzt war immer wieder Kritik von Investoren und Gesellschaftern zu hören, dass er weiterhin in allen Verhandlungen sitzt, obwohl er sich offiziell zurückgezogen haben sollte.
Auch Geschäftsführer und Gesellschafter von Signa hätten früher eingreifen müssen
Doch auch seine Geschäftsführer müssen sich kritische Fragen stellen lassen. Was hat beispielsweise ein Timo Herzberg, der immerhin CEO in den beiden wichtigsten Immobiliengesellschaften Prime und Development ist, getan, um das Unternehmen rechtzeitig auf die sich verschärfenden Marktbedingungen einzustellen? Keiner konnte doch ernsthaft glauben, dass die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben und die Immobilienwerte immer weiter steigen.
Auch der Aufsichtsrat der Signa-Gesellschaften hat die Schwierigkeiten zu lange ignoriert. Und nicht zuletzt haben die Gesellschafter und Investoren der riskanten Wette von Benko in der Hoffnung auf hohe Gewinne viel zu lange zugeschaut.
Deswegen ist es auch kritisch, dass die Sanierung der jetzt insolventen Signa Holding in Eigenverwaltung durchgeführt wird. Denn das bedeutet, dass die Holding-Geschäftsführer Marcus Mühlberger und Christoph Stadlhuber im Amt bleiben und letztlich gemeinsam mit dem Sanierungsverwalter sich selbst abwickeln müssen.
Denn eine Holding dürfte es künftig nicht mehr brauchen, wenn das Signa-Reich entflochten ist und zahlreiche werthaltige Teile verkauft wurden, um Schulden zurückzuzahlen und Kosten zu begleichen. Die Holding war nur nötig, damit Benko die zentrale Kontrolle über dieses Reich behalten konnte. Doch die ist ihm längst entglitten.