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Benko-KonzernGericht eröffnet Insolvenzverfahren für Signa Holding

Die Gesellschaft des Immobilieninvestors René Benko will sich in Eigenverwaltung sanieren. In wochenlangen Verhandlungen fand sich kein Investor.René Bender, Florian Kolf, Martin Murphy und Arno Schütze 29.11.2023 - 18:53 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Im Jahr 2000 hat René Benko das Unternehmen unter dem Namen „Immofina“ gegründet, jetzt kämpft die Signa Holding im Insolvenzverfahren um die Zukunft.

Foto: picture alliance / ATP photo agency

Düsseldorf. Nach gescheiterten Rettungsversuchen ist das Immobilienimperium des österreichischen Unternehmers René Benko in die Insolvenz gerutscht. Seine Signa Holding hat am Mittwoch beim Handelsgericht Wien eine Sanierung in Eigenverwaltung beantragt.

„Trotz erheblicher Bemühungen in den letzten Wochen konnte die erforderliche Liquidität für eine außergerichtliche Restrukturierung nicht in ausreichendem Maße sichergestellt werden“, erklärte das Unternehmen. Das entsprechende Verfahren wurde am Mittwoch eröffnet, wie das Gericht mitteilte.

Das Management bleibt bei der geplanten Restrukturierung an Bord, bekommt aber als Aufpasser den Sanierungsverwalter Christof Stapf an die Seite. Ob Benkos Signa Gruppe am Ende bestehen bleibt oder deren Immobilien einzeln verkauft werden, um die Gläubigeransprüche zu befriedigen, wird dabei am Ende von einem Votum der Kreditgeber abhängen. Die erste Gläubigerversammlung soll am 19. Dezember stattfinden.

Seit Wochen ringen die Verantwortlichen um die Zukunft des gesamten Konzerns, der in seinen besten Zeiten Immobilienvermögen in Höhe von 27 Milliarden Euro auswies. Zahlreiche Signa-Baustellen stehen still, darunter Prestigeprojekte wie der Hamburger Elbtower und zuletzt auch die Alte Akademie in München.

Benko hatte sich auf Druck von Investoren bereits Anfang November aus der Signa-Führung zurückgezogen und den Insolvenzexperten Arndt Geiwitz als Sanierer eingesetzt. Geiwitz soll Unternehmenskreisen zufolge weiter als Berater an Bord bleiben.

Ziel des Sanierungsverfahrens sei die geordnete Fortführung des Geschäftsbetriebs und die nachhaltige Restrukturierung des Unternehmens, heißt es. Zugleich stehen aber auch in Deutschland wohl zahlreiche Insolvenzanmeldungen von Signa-Tochterfirmen an. So würden etwa für Entwicklungsgesellschaften von einzelnen Immobilienprojekten entsprechende Anträge seit Tagen vorbereitet, wie das Handelsblatt aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen erfuhr.

Sanierungsverwalter überwacht alle Ausgaben

Die Sanierer müssen sich nun rasch einen Überblick über den verschachtelten Konzern verschaffen. Das Eigenverwaltungsverfahren in Österreich sieht vor, dass im Sanierungsplan Gläubigern eine Mindestquote von 30 Prozent auf ihre Forderungen angeboten wird. Außerdem muss der Sanierungsplan innerhalb von 90 Tagen angenommen werden. Gelingt dies nach einer Abstimmung mit dem Gericht, hätte die Holding dann zwei Jahre Zeit für ihre Sanierung.

Wie der österreichische Kreditschutzverband 1870 (KSV1870) mitteilte, umfasst die Bilanzsumme der Signa Holding knapp 5,3 Milliarden Euro. Damit sei Signa der größte österreichische Insolvenzfall und stelle Fälle in den Schatten wie den der Baufirma Alpine vor zehn Jahren mit 3,5 Milliarden Euro. Insgesamt sind laut KSV1870 273 Gläubiger von der Signa Insolvenz betroffen.

Die Signa Holding des österreichischen Unternehmers René Benko hat angekündigt am Mittwoch, ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beim Wiener Handelsgericht zu beantragen. Zu der Gesellschaft gehören unter anderem Galeria Karstadt Kaufhof.

Bei einem Verfahren in Eigenverwaltung bleibt das Management an Bord, erhält aber den Sanierungsverwalter an die Seite gestellt. Dieser überwacht alle Managemententscheidungen und Ausgaben der Gesellschaft. Dazu dürfte gehören, dass er die Unternehmensgruppe vor Kapitalabflüssen bewahrt. Sprich: Die Arbeiten auf den Baustellen werden wohl vorerst gestoppt bleiben.

Zunächst wird der Sanierungsverwalter in den kommenden Wochen zusammen mit den Gläubigern erörtern, ob eine Fortführung des Konzerns oder die Liquidation der einzelnen Vermögenswerte mehr Sinn ergibt.

Dabei zeichnet sich schon jetzt ab, dass Gläubiger, deren Kredite mit werthaltigen Immobilien besichert sind, eine andere Haltung einnehmen könnten als solche ohne entsprechende Sicherheiten. „Es wird wohl eine intensive Schlacht geben um den besten Weg aus der Krise“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.

12,5 Milliarden Euro an Schulden lasten auf Signa Prime

Ein Lösung, die den Fortbestand des Unternehmens ermöglichen würde, wäre es, doch noch frisches Investorengeld aufzutreiben. Die Gespräche über den Verkauf eines Immobilienportfolios der Tochter Signa Prime für knapp 600 Millionen Euro an einen US-Investor laufen weiter, wie mit der Situation vertraute Personen sagten. Mit der Liquidität könnten laufende Kosten etwa für Baustellen gedeckt, Verbindlichkeiten zurückgeführt und dadurch Sicherheiten frei werden, was Spielräume eröffnen würde.

Insgesamt lasten etwa 12,5 Milliarden Euro an Schulden auf Signa Prime – der größte Teil der Gesamtverschuldung der Gruppe, die bei rund 15 Milliarden Euro liegen soll. Ein Abschluss eines Verkaufs von Portfolios vor einem Votum der Gläubigergesellschaft sei allerdings wenig wahrscheinlich, hieß es.

Benko hatte sich Finanzkreisen zufolge schon vor einem Jahr auf die Suche nach Kapitalgebern gemacht und dann über den Sommer intensive Gespräche mit Investoren in aller Welt geführt. Zuletzt hatte Signa etwa mit dem US-Hedgefonds Elliott, dem Londoner Fonds Attestor sowie den arabischen Staatsfonds PIF und Mubadala gesprochen, ohne dass ein Ergebnis erzielt wurde.

In den vergangenen Wochen lag dabei stets die Möglichkeit einer Insolvenz in der Luft, was die Gespräche erschwerte. Schließlich besteht für einen Käufer von Vermögenswerten das Risiko, dass im Insolvenzfall der Verwalter das Geschäft rückabwickelt.

Seit Wochen schon taumelte Benkos Konzern. Im Oktober zog die Signa Holding eine Finanzierungszusage für die Sporthandelsplattform Signa Sports United zurück, die daraufhin Insolvenz anmelden musste.

Deutsche Signa-Immobilientochter seit Freitag insolvent

Am vergangenen Freitag zog dann auch eine erste deutsche Immobilientochter die Konsequenzen. Die Signa Real Estate Management Germany, die als zentraler Dienstleister die Entwicklung von deutschen Immobilienprojekten der Signa-Gruppe steuert, rutschte ebenfalls in die Insolvenz, nachdem die Mutterfirma Signa Prime Selection sie nicht mehr mit Geld versorgen konnte.

In der Sparte Signa Prime Selection hat Benko seine wertvollsten Immobilien wie das KaDeWe oder die Entwicklung des Hamburger Elbtowers gebündelt. Ob die Signa Prime und die zweite große Immobiliensparte Signa Development nun ebenfalls Insolvenz anmelden, ist noch offen.

Die Rettungsbemühungen wurden auch durch die Struktur der Signa-Gruppe erschwert. Der Konzern zählt insgesamt mehr als 1000 Einzelfirmen, davon viele in Deutschland. Das Geflecht des Unternehmens, das in eine Immobilien- und eine Handelssparte unterteilt ist, ist sehr unübersichtlich, die Verbindlichkeiten liegen auf vielen verschiedenen Ebenen, und die Signa-Firmen haben sich untereinander Geld geliehen.

Baustelle Elbtower: Die Rettungsbemühungen für die Signa-Gruppe wurden auch durch die Struktur der Holding erschwert.

Foto: IMAGO/Chris Emil Janßen

Hohe Baukosten, steigende Kreditzinsen und hausgemachte Probleme hatten das Unternehmen zunehmend belastet. Nach einem Gewinn von 570 Millionen Euro im Jahr 2021 soll die Signa Holding für 2022 einen Verlust von einer halben Milliarde Euro verbucht haben.

Im Handel gehört etwa Galeria Karstadt Kaufhof zu Signa, vor allem aber ist die Gruppe einer der größten privaten Immobilieneigentümer Europas. Zudem entwickelt Signa viele Projekte. In Deutschland ist die Benko-Firma in zahlreichen Großstädten vor allem in Premiumlagen etwa mit diversen Warenhäusern und Bürogebäuden vertreten.

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Zu den bekanntesten Immobilien zählen das Hochhaus Upper West an der Gedächtniskirche in Berlin sowie in München die im Umbau befindliche Alte Akademie und das Warenhaus Oberpollinger. In Hamburg entwickelt Signa den Elbtower, zudem gehören das Kaufmannshaus und das Alsterhaus zu der Gruppe. Im Signa-Heimatland Österreich gehören Signa unter anderem das Wiener Edelgeschäftsviertel Goldenes Quartier und das Tophotel Park Hyatt Vienna.

Einen Teil des Goldenen Quartiers in der Wiener Innenstadt soll Benko laut dem österreichischen Magazin „Profil“ nun bereits verkauft haben. Bei einzelnen Signa-Immobilienprojekten laufen bereits Verkaufsgespräche. Laut Informationen des Handelsblatts prüft der Milliardär und Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne die Übernahme des Hochhausprojekts Elbtower, der mit Baukosten von 950 Millionen Euro größten Signa-Baustelle.

Benko soll auch Verkäufe aus seinem Privatbesitz planen. Medienberichten zufolge will er millionenschwere Kunstwerke von Pablo Picasso oder des Künstlers Jean-Michel Basquiat veräußern. Demnach soll auch die Luxusjacht „Roma“ für 39 Millionen Euro zum Verkauf stehen. Ihr Betrieb soll pro Tag rund 12.000 Euro kosten. Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ berichtete zuletzt, Benkos Vermögen sei seit dem Sommer dieses Jahres netto von rund sechs Milliarden US-Dollar auf 2,8 Milliarden US-Dollar zusammengeschrumpft. „Forbes“ berechnete dabei auch den Wert von Benkos Signa-Anteilen mit ein.

So gelang René Benko der Aufstieg

Benko baute Signa quasi aus dem Nichts auf. Als 23-Jähriger gründete er das Unternehmen im Jahr 2000 unter dem Namen „Immofina“, 2006 benannte er die Gesellschaft dann um. Es gelang ihm, sich günstig Geld zu leihen und damit spektakuläre Immobilien zu finanzieren.

Dabei gewann Benko im Laufe der Zeit zahlreiche bekannte Wirtschaftsgrößen als Investoren, darunter den Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner, Fressnapf-Gründer Torsten Toeller, Lindt-&-Sprüngli-Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner, Kaffeeunternehmer Arthur Eugster und die Unternehmerin Julia Dora Koranyi-Arduini.

Weil die Werte der Immobilien über viele Jahre stiegen, prosperierte das Geschäftsmodell. Im Kern beruhte es auch darauf, dass Preissteigerungen bereits eingepreist wurden, die Werte der Immobilien hochgewertet wurden und auf Basis dieser Werte neue Kredite flossen.

Diese Banken sind bei Signa engagiert

Auch zahlreiche Banken haben dem Konzern Geld zur Verfügung gestellt. Das Schweizer Institut Julius Bär räumte am Montag ein, ein Kreditrisiko von gut 600 Millionen Franken bei einer Unternehmensgruppe zu haben. In Finanzkreisen gilt es als sicher, dass es sich dabei um Signa handelt. In Österreich ist Finanzexperten zufolge die Raiffeisenbank International (RBI) mit rund 750 Millionen Euro am stärksten bei Benko engagiert.

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Zweitgrößter Gläubiger sei die Bank Austria, die zur italienischen Unicredit gehört. Unter deutschen Instituten ist Finanzkreisen zufolge die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag engagiert, die NordLB mit rund 100 Millionen Euro. Auch bei der BayernLB und der LBBW sollen jeweils dreistellige Millionenbeträge im Feuer stehen.

Transparenzhinweis: Die Handelsblatt Media Group ist wie die Signa Holding von Galeria-Eigentümer René Benko an der digitalen Bildungsplattform Ada beteiligt.

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