Kommentar: Staatshilfe ist richtig, wird aber nicht ausreichen, um die Flugtaxis zu retten

Es ist für Lilium ohne Frage eine gute Nachricht. Der Entwickler von elektrischen Senkrechtstartern hat gute Chancen, Subventionen und Bürgschaften vom französischen Staat zu bekommen. Zwar ist noch nicht ganz sicher, ob es am Ende tatsächlich zu Zahlungen kommen wird. Lilium muss durch die sogenannte Due Diligence. Die Regierung in Paris hat nichts zu verschenken, alles wird gut geprüft werden.
Aber allein die Tatsache, dass sich das Team um Staatspräsident Emmanuel Macron zu den Luftfahrtpionieren bekennt, ist viel wert. Es hilft nicht nur, frisches Geld bei privaten Investoren aufzunehmen. Es ist auch wichtig für die öffentliche Akzeptanz der neuen Fluggeräte.
Allerdings: Nur das Staatsgeld wird Jungunternehmen wie Lilium nicht in die Zukunft retten. Neben der Finanzierung müssen die Unternehmen noch einige andere Fragen beantworten – und zwar sehr relevante.
Auf die Start-ups wartet die Produktionshölle
Da ist das Thema Serienfertigung. E-Auto-Vorreiter Elon Musk hat sie mal als „Produktionshölle“ bezeichnet. Flugzeuge in Serie zu bauen ist eine gewaltige Herausforderung. Das Beispiel von Boeing zeigt, was alles schiefgehen kann.
Auch muss die Produktion wirtschaftlich sein. Das gelingt erst ab einer gewissen Produktionszahl. Die braucht es, denn auch die Zulieferer werden die Komponenten erst dann liefern, wenn die Losgröße ausreichend ist.
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All das kostet Geld, viel Geld. Zwar bekommen die Luftfahrtfirmen heute schon in einigen Fällen Anzahlungen, wenn Kunden die Senkrechtstarter bestellen. Doch vorerst sind sie weiterhin auf risikobereite Investoren angewiesen.
Es ist ein Teufelskreis: Zunächst werden die Fluggeräte nur was für wenige, gut Betuchte sein. Erst wenn viele von diesen Geräten im kommerziellen Dienst sind und die Ticketpreise sinken, werden sich Lilium und Co. aus eigener Kraft finanzieren können.
Dazu müssen all die Senkrechtstarter aber erst gebaut und vorfinanziert werden. Ganz zu schweigen von den Investitionen in die Infrastruktur: Ohne Landeplätze wird nichts gehen. Sind das alles Gründe genug, den Luftfahrtpionieren den sicheren Tod zu prophezeien?
Nein. Auch die etablierte Luftfahrt war zunächst vor allem Gutsituierten vorbehalten. Die „Demokratisierung“ des Fliegens begann erst so richtig mit der Boeing 747, in der Hunderte Menschen Platz fanden. Sie machte Fliegen erschwinglich.
Es ist nicht gesagt, dass es den elektrischen Senkrechtstartern ähnlich ergehen wird. Es ist aber auch nicht gesagt, dass es anders kommen wird. Es darf weiter gehofft werden. Die Pioniere haben es verdient.