Kommentar: Unter ungünstigen Umständen wird es eng mit der Gasversorgung

Deutschland verfügt in der EU über die mit Abstand größten Erdgasspeicherkapazitäten. Das ist ein Segen. Speicher helfen, die Versorgung auch in lang anhaltenden Kältephasen sicherzustellen, sie helfen, Preisspitzen zu glätten.
So weit die Theorie. Aktuell erfüllen die Speicher ihren Zweck aber nicht in vollem Umfang. Im europäischen Vergleich sind die Füllstände hierzulande so niedrig wie in kaum einem anderen EU-Staat.
Schon seit Monaten weist die Branche darauf hin, dass es unter ungünstigen Umständen eng werden kann mit der Gasversorgung: Wenn der Winter sehr kalt wird, könnten die Reserven in den Speichern im Februar oder März aufgebraucht sein. Zugleich kann nicht genug Gas via Pipeline oder über die schwimmenden LNG-Terminals nachgeliefert werden, um den Bedarf kalter Wintertage zu decken.
Versorgungssicherheit hat spätestens seit dem Beginn des Ukrainekriegs im Februar 2022 einen neuen Stellenwert bekommen. Russisches Pipeline-Gas kommt in Deutschland nicht mehr an. Norwegen ist an die Stelle Russlands getreten. Drei Pipelines führen direkt von Norwegen nach Deutschland. Dass Saboteure diese Leitungen ins Visier nehmen könnten, ist leider alles andere als abwegig. Auch die LNG-Importinfrastruktur ist verletzlich.
Angesichts dieser Risiken muss die Politik ein Interesse an gut gefüllten Gasspeichern haben. Bedauerlicherweise hat sie aber eine Regulierung ersonnen, die das Befüllen der Speicher wirtschaftlich unattraktiv erscheinen lässt.
2022 wurden verbindliche Füllstände für die Speicher eingeführt, die jeweils zu bestimmten Zeitpunkten im Jahr erreicht sein müssen. Werden die Vorgaben verfehlt, beauftragt das Bundeswirtschaftsministerium einen Dienstleister damit, Gas zu beschaffen. Geld spielt dabei keine Rolle.
Die Betreiber legen Speicher still
Das Resultat: Gashändler spekulieren darauf, dass Deutschland seine Speicher zu bestimmten Terminen unter gesetzlichem Zwang füllt – koste es, was es wolle. Für Händler sinkt der Anreiz, Gas frühzeitig selbst einzukaufen und einzuspeichern. Übers Jahr gesehen sinkt die Auslastung der Speicher, der Betrieb der Anlagen rentiert sich immer weniger, die Betreiber beantragen die Stilllegung von Speichern.
Andere EU-Staaten haben Lösungen gefunden, die sich bewähren. Es wäre sinnvoll, sich an existierenden Modellen zu orientieren. Dass es langwierige Auseinandersetzungen mit der EU-Kommission nach sich ziehen kann, wenn man komplizierte Lösungen sucht, müsste im Wirtschaftsministerium bekannt sein. Die seit Jahren währende Debatte mit Brüssel über die Förderung von Back-up-Kraftwerken sollte als abschreckendes Beispiel dienen.