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KommentarWarren Buffett – der Anti-Trump der Börse

Die Investorenlegende nimmt Abschied. Buffetts im besten Sinne konservative Tugenden werden nicht nur die Investoren von Berkshire Hathaway vermissen.Michael Maisch 04.05.2025 - 14:23 Uhr
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Porträt Warren Buffetts im Andy-Warhol-Stil: Seit 1964 steht Buffett an der Spitze von Berkshire Hathaway Foto: Getty Images

Eine Zahl reicht, um die Ausnahmestellung von Warren Buffett zu beweisen. In seinen 60 Jahren an der Spitze der Holding Berkshire Hathaway ist der Börsenwert pro Aktie um über fünf Millionen Prozent gestiegen. Jetzt will Buffett mit 94 Jahren nicht mehr Chef sein und sein Amt an den von ihm selbst ausgewählten Nachfolger Greg Abel übergeben.

Das ist verständlich. Allerdings liegt auch eine gewisse Tragik darin, dass einer der rationalsten Investoren ausgerechnet in einer der irrationalsten Börsenphasen seinen Abschied verkündet.

In vielerlei Hinsicht ist Buffett die Antithese zu Donald Trump, dem Urheber des derzeitigen Chaos. Unaufgeregt, diszipliniert und regelgetrieben investierte Buffett über Jahrzehnte in Firmenbeteiligungen und Aktien. Diese Mischung sorgte auch dafür, dass Berkshire das von der Trump’schen Willkür ausgelöste Marktbeben viel besser überstanden hat als die meisten anderen Großinvestoren.

Die jährliche Hauptversammlung von Berkshire ist für den Börsenkapitalismus amerikanischer Prägung ungefähr so wichtig wie die Ostermesse auf dem Petersplatz in Rom für die Katholiken. Stundenlang haben die Aktionäre am Wochenende Zeit, das „Orakel von Omaha“ zu befragen, nur ein Tabu sollte es geben – no politics please. Das ließ sich nicht wirklich durchhalten. Auch das ist ein Zeichen für den Paradigmenwechsel, den der US-Präsident mit seiner Zollpolitik eingeleitet hat.

Buffett sprach den Namen Trump nicht aus, aber er warnte die USA davor, den Rest der Welt gegen sich aufzubringen. Es wäre „ein großer Fehler“, wenn 7,5 Milliarden Leute einen nicht mögen würden und 300 Millionen sich damit brüsteten, wie gut es ihnen gehe. „Ich denke nicht, dass das richtig ist – und ich denke nicht, dass das weise ist.“ Weisheit ist allerdings ein Wort, das einem im Zusammenhang mit Trump ohnehin eher selten in den Sinn kommt.

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Mit seinen im besten Sinne konservativen Tugenden wirkt Buffett in diesen turbulenten (Börsen-)Zeiten wie ein Auslaufmodell. Selbst wenn sein Nachfolger Berkshire Hathaway genauso weiterführt, wie der scheidende Chef sich das wünscht, wird es wohl nicht mehr viele Investoren dieser Art geben. Das liegt vor allem an der besonderen Konstruktion von Berkshire, die dem Management enorme Freiheitsgrade gewährt.

Berkshire ist kein Investmentfonds, kein Hedgefonds und keine Beteiligungsgesellschaft, sondern von allem etwas. Es gibt zwar Aktionäre, die ihre Aktien an andere Investoren verkaufen können, aber  keine Kunden, die ihr Kapital hektisch abziehen, wenn es an den Märkten einmal ungemütlich wird. In den 60 Jahren Firmengeschichte ist es niemandem gelungen, dieses Konzept erfolgreich zu kopieren. Und dabei wird es wohl auch bleiben.

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