Kommentar: Zalando erkauft sich Wachstum durch die Übernahme von About You

Wenn es derzeit einen Markt gibt, dessen Zukunft besonders unübersichtlich ist, dann ist es der Modemarkt. Gerade in der Sommerzeit ist vielen Kundinnen und Kunden der Urlaub wichtiger als das Outfit, und wenn sie es kaufen, dann nicht zuverlässig an einem Ort.
Sie kaufen Luxus- und Secondhandware im Internet und lassen sich von extrem günstigen Kleidungsstücken auf chinesischen Plattformen inspirieren, die ihnen die Zeit stehlen. Für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit, die die Branche wirklich bräuchte, geben sie dagegen kaum Geld aus. Und auch bei Banken und Investoren gilt die Modebranche als wenig attraktiv.
In dieser schwierigen Lage hat Europas größter Modehändler Zalando sich diese Eigenschaft wieder zurückerobert. Zalando wollte seit dem Start im Jahr 2008 immer ein Wachstumsunternehmen bleiben. Nach dem Coronaboom, der den Aktienkurs auf über 100 Euro katapultiert hatte, folgte eine längere Zeit, in der der Aktienkurs kontinuierlich fiel und sich nur unzureichend erholte. Co-CEO Robert Gentz betonte jedoch, dass Zalando nicht nur ein Wachstumsunternehmen sei, sondern auch Krisen bewältigen könne.
Zalando straffte Strukturen, erreichte Profitabilität und investierte in Innovationen. Doch das Wachstum in diesem schwierigen Markt, in dem es oft um „Nice to have“- statt „Must have“-Produkte geht, blieb anspruchsvoll. Der Markt wächst, wenn überhaupt, vor allem durch die neuen großen globalen Spieler aus China.
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Als europäischer Marktführer im Online-Modegeschäft hat sich Zalando das Wachstum mit der Übernahme von About You erkauft. Und das sogar vergleichsweise günstig für etwas mehr als eine Milliarde Euro.
Und die Entscheidung war richtig. Bei About You kann Zalando ausprobieren, ob es sinnvoll ist, die Kleidung direkt in der Fabrik zu ordern. Mit den jungen Kunden von About You kann Zalando in direkte Konkurrenz zu Shein treten. Durch die Shop-Software Scayle von About You erhält das B2B-Geschäft weiteren Auftrieb.
Zugleich hat Zalando in den vergangenen Jahren viel selbst entwickelt. Laut einer Studie der Strategieberatung McKinsey zählt Zalando zu den produktivsten Unternehmen Deutschlands. Das Unternehmen hat bewiesen, dass ein deutsches Start-up es in relativ kurzer Zeit in den Dax schaffen kann. Das Unternehmen hat KI eingesetzt und in kleinere Übernahmen investiert, die das Kauferlebnis verbessern und die Retourenquote verringern sollen.
Das nun integrierte Unternehmen hat im Ergebnis eine bessere Ausgangsposition als alle anderen europäischen reinen Online-Modehändler – auch für weitere Zukäufe.