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MagdeburgDie verräterischen Tränen der Alice Weidel

Nach dem Attentat sind viele Fragen offen, die Behörden haben Nachholbedarf. Die nötige Aufklärung eignet sich aber nicht zum Wahlkampf – wie das Verhalten der AfD-Chefin zeigt. Ein Kommentar.Martin Knobbe 26.12.2024 - 15:51 Uhr
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Alice Weidel in Magdeburg: Die AfD-Chefin bezeichnete den Täter wider besseres Wissen als „Islamisten“. Foto: Craig Stennett

Vor acht Jahren führte das Bundeskriminalamt mit „Radar-iTE“ ein System ein, um die Gefahr islamistischer Attentäter besser einschätzen zu können. Es hat gut funktioniert, mancher Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt konnte wohl verhindert werden. Ein Aspekt, der viel zu selten Aufmerksamkeit erfährt.

Nach der Horrortat von Magdeburg müssen die Sicherheitsbehörden ihr System allerdings reformieren. Denn der Attentäter Taleb A., ein Islamhasser, passt in kein bisheriges Raster, obwohl er Eigenschaften aufweist, die immer mehr derartigen Gewalttätern zu eigen sind: offensichtliche psychische Störungen, verbunden mit einem ideologischen Extremismus, der sich durch Selbstradikalisierung entwickelt hat.

In Großbritannien haben die Behörden dafür eine neue Kategorie entwickelt, worauf der Terrorexperte Peter R. Neumann in einem „Spiegel“-Interview hinwies: Gefährder mit „gemischter, unklarer und instabiler Ideologie“.

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben hier noch Nachholbedarf: A. tauchte in den vergangenen Jahren bei zahlreichen Institutionen, Vereinen und Personen auf, wirkte verwirrt und aggressiv, bisweilen drohte er unverhohlen mit Gewalt. Doch offenbar gab es niemanden, der diese Ereignisse zusammenfasste und daraus die richtigen Schlüsse zog.

Gefährderansprache per Brief – wie absurd!

Viele Fragen müssen nun diskutiert werden: Die Polizei in Magdeburg traf A. 2023 zweimal nicht an, als sie mit ihm eine Gefährderansprache durchführen wollte. Sie forderte ihn später wohl per Brief auf, gemäßigter zu werden – wie absurd! Erst im Oktober 2024 gelang ein Gespräch.

Das Sicherheitskonzept des Magdeburger Weihnachtsmarkts hat komplett versagt, A. nutzte offenbar eine Lücke, um mit seinem Auto in die Menschen zu fahren. Und auch diese Frage muss geklärt werden: Hätte es zuletzt Anlass gegeben, den Asylanspruch des späteren Täters zu überprüfen und gegebenenfalls zu widerrufen? Fand ein Asylkonsultationsverfahren statt, das für einen solchen Sicherheitsabgleich vorgesehen ist?

Nüchterne Aufklärung mit klaren Konsequenzen ist die einzig sinnvolle Antwort, die ein Rechtsstaat auf dieses Attentat geben kann. Es ist gut, dass sich die meisten Parteien darauf verständigt haben, zwar die nötige Sicherheitsdebatte zu führen, aber das Fanal von Magdeburg nicht für den Wahlkampf zu missbrauchen.

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Mit Ausnahme von Alice Weidel, die bei einer Kundgebung mit tränenerstickter Stimme die Tat auszuschlachten versuchte. Dass die AfD-Chefin wider besseres Wissen den Täter als „Islamisten“ bezeichnete, zeugt davon, dass ihre öffentliche Emotion rein eigennützigen Interessen dient.

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