Schulförderprogramm: Ein überfälliger Schritt

Nach zwei Jahren zähem Ringen haben Bund und Länder nun endlich das von der Ampelkoalition versprochene „Startchancen-Programm“ auf den Weg gebracht. Es ist im Vergleich zu früheren gemeinsamen Programmen für die Bildung enorm. 20 Milliarden Euro über zehn Jahre – und ein wichtiger Schritt. Der war jedoch überfällig.
Denn die Misere an den deutschen Schulen hat ein solches Ausmaß erreicht, dass es zum Heulen ist. Wie die jüngste Pisa-Studie gezeigt hat, lernen die Kinder immer weniger, ein Viertel der Jugendlichen kann nicht mal richtig lesen, schreiben und rechnen. Im Vergleich zur Zeit des Pisa-Schocks vor 20 Jahren haben wir nichts erreicht.
Das ist auch ökonomisch brandgefährlich. Denn zeitversetzt versagen die Kinder, deren Potenzial wir nicht erkennen und fördern, auch auf dem Arbeitsmarkt – oder bleiben weit unter ihren Möglichkeiten. Das kann sich Deutschland angesichts der Demografie noch weniger leisten als früher. Daher ist es auch verständlich, dass sowohl die SPD-Chefin als auch Bildungsökonomen schon jetzt weit mehr Geld für die Schulen fordern – leider aber kurzfristig völlig unrealistisch.
Man kann allerdings darauf hoffen, dass das Interesse nicht nachlässt und in einigen Jahren ein Nachschlag möglich wird. Das sollten die Parteien schon mal in ihre Wahlprogramme für 2025 schreiben. Und den Ländern steht es frei, das Programm mit eigenen Mitteln weiter auszubauen.
Unabhängig davon ist der neue Ansatz des Startchancen-Programms bemerkenswert: Für die Verteilung der Mittel haben Bund und Länder quasi eine 180-Grad-Kurve genommen: Denn die Bundesgelder werden nicht mehr nur mit der Gießkanne verteilt, sondern fließen zumindest zum Teil in die Länder, die sie besonders nötig haben, weil es dort besonders viele arme Schüler oder solche mit Migrationshintergrund gibt.
Dass einige Länder – wie etwa Hamburg – dabei auf Mittel verzichten, ist ihnen hoch anzurechnen. Für den Standort Deutschland insgesamt ist es ein Gewinn.
Allerdings nur, wenn die Länder das Programm nun auch wirklich schnell und sinnvoll umsetzen. Hier lauern große Gefahren. Denn ob die vielen Milliarden am Ende wirklich dazu führen, dass unser Nachwuchs mehr lernt und die Schulen weit mehr als früher Defizite der Elternhäuser ausgleichen können, muss erst noch bewiesen werden. Der politische Druck auf regelmäßige Evaluation, was das Ganze wo und wem bringt, muss daher hoch bleiben – auch wenn in zehn Jahren wohl keine der nun beteiligten Minister und Ministerinnen mehr im Amt sein werden.