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Morning BriefingAlice Weidels Traum vom „Dexit“– warum ein Blick nach Großbritannien heilsam ist

Christian Rickens 24.01.2024 - 06:23 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Amerikas Vorwahl-Duell: Oxmox / Schwedens Nato-Betritt: Türkisches Parlament stimmt zu

24.01.2024
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  • Amerikas Vorwahl-Duell: Sieg von Trump, Achtungserfolg für Haley
  • Schwedens Nato-Betritt: Türkisches Parlament stimmt zu
  • Weidels Dexit-Debatte: Heilsamer Blick nach Großbritannien

Liebe Leserinnen und Leser,

das Thema war gut gesetzt, keine Frage. Im Gespräch mit der „Financial Times“ hat die AfD-Vorsitzende Alice Weidel am Montag eine altbekannte Forderung ihrer Partei bekräftigt: Entweder sollte die EU nach den Vorstellungen der Rechtspopulisten reformiert werden – oder Deutschland ein Austrittsreferendum abhalten. Prompt diskutiert die Bundesrepublik über Sinn und Unsinn eines „Dexit“. Wo bei mir auf der Sinn-Seite der Debatte eine argumentative Jahrhundertdürre zu herrschen scheint. Hilfreich ist in dieser Frage auch ein Blick nach Großbritannien. Befreit von der Brüsseler Bürokratie, sollte dort ein dereguliert-florierendes „Singapur in der Nordsee“ entstehen. Doch die segensreichen Effekte des Brexits sind auch fast acht Jahre nach dem Referendum ausgeblieben – im Gegenteil.

So lag der Anteil der Bruttoanlageinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Königreich in den vergangenen zehn Jahren deutlich unter 20 Prozent – dem Durchschnittswert in der EU. Das ist auch eine Folge des EU-Austritts, der die privaten Investitionen laut Forschern der London School of Economics um elf Prozent und die Produktivität um bis zu fünf Prozent gedrückt hat. Auch andere britische Wirtschaftsdaten weisen eher nach unten.

Das Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur in den USA ist nach nur zwei Vorwahlen faktisch entschieden. Am Dienstag gewann Donald Trump die wichtige Abstimmung im Bundesstaat New Hampshire und setzte sich laut US-Berichten gegen seine letzte ernsthafte Rivalin Nikki Haley durch.

Nach aktuellem Auszählungsstand steht es 54 Prozentpunkte für Trump und 45 Prozentpunkt für Haley, ein endgültiges Endergebnis liegt bislang nicht vor. Bleibt es bei diesen Werten, hat Trump noch besser abgeschnitten als in Iowa vor acht Tagen, wo er 51 Prozent der Wählerstimmen bekam. Haley wiederum konnte ihren Rückstand zu Trump deutlich verringern und rückte in New Hampshire vergleichsweise dicht an ihn heran. Einen Sieg Haleys halten US-Medien aber dennoch wegen Trumps Vorsprung für ausgeschlossen.

Nach Iowa hat Trump auch die Vorwahlen in New Hampshire gewonnen. Foto: AP

Schweden ist dem Beitritt zur Nato-Mitgliedschaft einen großen Schritt näher gekommen. Am Abend stimmte das türkische Parlament in Ankara dem schwedischen Aufnahmeantrag zu. Nun fehlen nur noch die Unterschrift von Präsident Recep Tayyip Erdogan – und die Zustimmung Ungarns. Mutmaßlich will der dortige Premier Viktor Orbán mit seinem Zögern eingefrorene EU-Mittel loseisen. Er hat aber auch betont, dass sein Land nicht als letztes Nato-Land grünes Licht für Schweden geben werde.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat der Ukraine sechs Mehrzweckhubschrauber vom Typ Sea King Mk41 aus Bundeswehr-Beständen zugesagt, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Seit Kriegsbeginn umfassen die militärischen Lieferungen aus Deutschland an die Ukraine laut dem Ministerium etwa sechs Milliarden Euro.

In Polen geht der Streit zwischen dem Präsidenten und der neugewählten Regierung in die nächste Runde. Staatsoberhaupt Andrzej Duda begnadigte am Dienstag zwei Mitglieder der früheren Regierung und entsprach damit den Forderungen der abgewählten PiS-Partei, der auch Duda nahesteht. Die nun begnadigten Politiker, Ex-Innenminister Mariusz Kaminski und sein Ex-Stellvertreter Maciej Wasik, waren im Januar inhaftiert worden, nachdem sie wegen Machtmissbrauchs in ihren früheren Funktionen verurteilt worden waren.

Duda hatte die beiden bereits nach ihrer ersten Verurteilung im Jahr 2015 begnadigt, der Oberste Gerichtshof hatte das aber für ungültig erklärt. Die liberale Regierungskoalition des pro-europäischen Ministerpräsidenten Donald Tusk hatte im Dezember die rechtsgerichtete Koalition unter Führung der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) abgelöst.

Andrzej Duda steht in einem offenen Konflikt mit dem neuen Regierungschef Donald Tusk. Foto: REUTERS

Das vergangene Jahr hat SAP ein überraschend deutliches Gewinnplus beschert. Das operative Ergebnis stieg den Angaben zufolge 2023 währungsbereinigt um 13 Prozent auf 8,721 Milliarden Dollar. Analysten hatten ein Plus von neun Prozent vorhergesagt. Die Cloud-Erlöse wuchsen besonders stark um 23 Prozent auf 13,664 Milliarden Euro. Außerdem kündigte der Softwarekonzern am späten Dienstagabend eine milliardenschwere Restrukturierung an. Damit will sich SAP den Angaben zufolge verstärkt auf Künstliche Intelligenz konzentrieren. Betroffen seien etwa 8000 Jobs. Durch interne Umschulungen und verstärkte Investitionen in Wachstumsbereiche werde die Gesamtzahl der Beschäftigten aber wohl stabil bleiben.

Sein erster Besuch im Fitnessstudio ist Aldi-Manager Kai Schmidhuber in nachdrücklicher Erinnerung geblieben. Weil er sich vor den anderen Trainierenden nicht blamieren wollte, blieb er zu lange auf dem Laufband – und brach sich wegen Überlastung den Mittelfußknochen. Dauerhaft vom Thema abgeschreckt hat das den E-Commerce-Chef von Aldi Süd offenbar nicht: Mit einer App steigt der Discounter jetzt selbst ins Fitnessgeschäft ein.

Der Kern von „Aldi Sports“: Zusammen mit dem Marktführer McFit verkauft Aldi Mitgliedschaften im Fitnessstudio zu Niedrigpreisen. Über die App können die Kunden flexibel einzelne Monate buchen – ähnlich wie bei einem Prepaid-Handy. Ein Monat McFit-Mitgliedschaft kostet bei Aldi 24,90 Euro. „In erster Linie geht es uns darum, neue Kunden zu gewinnen“, begründet Hagen Wingertszahn, Co-CEO der McFit-Muttergesellschaft RSG Group, die Aldi-Kooperation. Die RSG Group, zu der neben McFit auch die Ketten John Reed und Gold’s Gym gehören, ist Marktführer unter den Studiobetreibern mit mehr als einer Million Mitgliedern in Deutschland.

Das Komponieren von Hits verglich der gelernte Koch gerne mit dem Zubereiten von Mahlzeiten. Jetzt ist Franz Reuther alias Frank Farian im Alter von 82 Jahren in seiner Wahlheimat Miami gestorben. Mit der von ihm produzierten Gruppe Boney M. feierte er Welterfolge. Mit Milli Vanilli folgte ein ähnliches Projekt Farians. Der Hit „Girl You Know It's True“ verkaufte sich Ende der 1980er weltweit mehr als 30 Millionen Mal und brachte Milli Vanilli einen Grammy ein.

Später wurde bekannt, dass die Mitglieder des Duos lediglich die Lippen zu den Stimmen professioneller Sänger bewegt hatten. Der Grammy wurde ihnen aberkannt, der Fall gilt als einer der größten Betrugsskandale der Musikgeschichte. Doch heute, in Zeiten von Experimenten mit KI-generierten Popstars und einer allgegenwärtigen Sample-Kultur im Hiphop, kann man sich zur Melodie von „Girl You Know It's True“ getrost fragen:

„Wo war das Problem, uh, uh, uhhh?“ Falls ich Ihnen jetzt für den heutigen Tag einen furchtbaren Ohrwurm in den Kopf gesetzt haben sollte: Es tut es mir leid – I love youuu!

Herzliche Grüße,

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